Niesen & Schnupfen: Warum jetzt nicht immer eine Erkältung dahintersteckt
Vor allem für die Behandlung ist die richtige Zuordnung von Symptomen wichtig.
Schnupfen, Niesen, tränende Augen – derzeit haben viele Menschen Beschwerden, die auf eine harmlose Erkältung oder aber eine allergische Reaktion hindeuten können. Obwohl jeder Sechste in Österreich unter einer Allergie leidet, wissen die meisten lange nicht, dass sie betroffen sind. Da viele Symptome unspezifisch sind, werden sie oft abgetan. Es kann bis zu 15 Jahre dauern, bis Allergiker Diagnose und Therapie erhalten.
„Zu Beginn sind die Symptome einer Allergie zwar mühsam, aber meist aushaltbar. Ohne Austestung und passende Therapie können allerdings weitere Allergien hinzukommen sowie Folgeerkrankungen wie Asthma entstehen“, sagt Markus Berger, HNO-Arzt und Leiter des Österreichischen Polleninformationsdiensts (ÖPID).
Vor allem bei der Pollenallergie können Symptome leicht fälschlich einer Erkältung zugeschrieben werden. Heuer startete die Pollensaison bereits besonders intensiv, laut Prognosen des ÖPID steht ein starkes Pollenjahr bevor. Doch wie erkennt man, ob es sich um eine Allergie oder eine Erkältung handelt? Eine Erkältung entwickelt sich meist schrittweise: Zunächst kratzt der Hals, später kommen Schnupfen, Husten und ein allgemeines Krankheitsgefühl hinzu. Nach etwa sieben bis zehn Tagen klingen die Beschwerden in der Regel wieder ab.
Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems
Eine Allergie ist hingegen eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelsporen. Die Symptome setzen oft abrupt ein – manchmal innerhalb weniger Minuten nach dem Kontakt mit dem Allergen – und können über Wochen oder Monate anhalten, solange der Auslöser vorhanden ist.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist das allgemeine Befinden: Bei einem grippalen Infekt kommt es meist zu Kopf- und Gliederschmerzen sowie leichtem Fieber. Bei einer Allergie fehlen diese Symptome. Stattdessen steht ein ausgeprägter Juckreiz im Vordergrund, vor allem in den Augen, der Nase, im Rachen oder in den Ohren. Tendenziell halten Allergiesymptome länger an als ein Infekt – je nach Blühzeit der jeweiligen Pollen (Infos dazu unter www.polleninformation.at). „Treten Beschwerden jedes Jahr um dieselbe Jahreszeit auf, etwa im Frühling bei Baumpollen oder im Sommer bei Gräsern, sollte man an eine Pollenallergie denken“, erklärt Berger.
Auch die Nase liefert Hinweise: Bei Allergien ist der Schnupfen meist klar, dünnflüssig und geht mit starkem Niesreiz einher – oft in regelrechten Niesattacken. Erkältungsschnupfen beginnt ebenfalls wässrig, wird jedoch nach einigen Tagen häufig zähflüssiger und verfärbt sich gelblich oder grünlich. Tränende, gerötete Augen sind ein klassisches Allergiezeichen und treten bei Erkältungen nur selten auf. Husten hingegen ist typisch für eine Erkältung. Bei Allergien kann zwar auch Husten auftreten, dieser ist jedoch meist trocken und reizend.
Allergietest schafft Klarheit
Bessern sich die Symptome bei Regen oder in geschlossenen Räumen, ist dies ein weiteres Indiz für eine Allergie. Erkältungen hingegen treten unabhängig von Jahreszeit oder Aufenthaltsort auf. „Eine Allergie kann in jedem Alter zum ersten Mal auffallen. Besteht der Verdacht, dass eine Allergie Beschwerden verursacht, sollte man zum Hausarzt gehen und mit Überweisung in ein Allergiezentrum oder zu einem Allergologen“, rät Berger. Ein Allergietest kann Klarheit schaffen. Hilfreich für die Diagnose ist ein Beschwerdetagebuch, in dem man festhält, wann welche Symptome auftreten. Ziel ist es, mögliche Zusammenhänge zwischen den Beschwerden und Auslösern zu erkennen.
Die richtige Einordnung der Symptome ist entscheidend für die Behandlung. Während bei einer Erkältung Ruhe, Flüssigkeit trinken und gegebenenfalls fiebersenkende Mittel helfen, werden Allergien mit Antihistaminika oder Nasensprays behandelt. „Allergie-Medikamente sollten nicht auf Verdacht eingenommen werden. Sie lindern zwar die Beschwerden, behandeln aber nicht die Allergie“, betont Berger.
Tatsächliche Behandlung biete die Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, mit dem Ziel, das Immunsystem schrittweise an den allergieauslösenden Stoff zu gewöhnen, sodass es mit der Zeit weniger stark oder gar nicht mehr darauf reagiert.
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