Allergie: Welche Pollen heuer besonders stark fliegen werden

Für 2026 wird ein starkes Pollenjahr erwartet. Warum es oft 15 Jahre braucht, bis Allergiker ihre Diagnose erhalten und was wann blüht.
Äste einer Hasel.

Die heurige Pollensaison startete überraschend intensiv: Nach einem sehr kalten Jänner blühte die Hasel heuer zwar etwas später als üblich, aber sehr intensiv. Auch die Erle, die viele Allergiker belastet, sorgte kurz und heftig für Symptome. Die beiden Frühblüher bildeten den Auftakt für ein laut aktuellen Prognosen sehr starkes Pollenjahr, sagte Lukas Dirr vom Österreichischen Polleninformationsdienst (ÖPID) bei einer Pressekonferenz am Dienstag. 

Die nächsten Übeltäter im Allergiekalender sind die Pollen der Esche. „Wenn das Wetter so bleibt, sind hohe Belastungen zu erwarten. An thermisch begünstigten Standorten kann die Esche bereits jetzt Pollen freisetzen, erfasst wurde ihr Pollenflug etwa bereits in Oberösterreich, in der Steiermark und in Wien“, so Dirr. Eibe, Pappel, Ulme und Weide sind derzeit hingegen kaum problematisch. Allergiker sollten aber darauf verzichten, sich zu Ostern Palmkätzchen in die Wohnung zu holen. 

Starkes Birkenjahr erwartet

Hinsichtlich der Birken wird nach einer schwachen Saison 2025 heuer ein starkes Jahr erwartet, beginnend mit der zweiten Märzhälfte zwischen dem 18. und 20. März. Dirr: „Die Birke folgt einem Zwei-Jahres-Rhythmus – auf ein Jahr hoher Pollengesamtmenge folgt normalerweise ein Jahr mit unterdurchschnittlicher Pollenmenge. Vergangenes Jahr war ein eher schwaches Jahr, sodass heuer ein starkes Jahr erwartet wird, es hängt allerdings auch von Umweltparametern und dem Verlauf der Saison ab, wie intensiv Allergiker unter einer aktuellen Pollenbelastung leiden werden.“

Möglicherweise überschneidend folgen anschließend Ende April/Anfang Mai bis in den August/September die Gräserpollen – ihre Intensität hängt von den Niederschlägen im April ab. Regional sind sie vor allem dort stark, wo große Schilfgürtel zu finden sind, etwa in der Region des Neusiedler Sees oder der Kärntner Seenplatte oder im urbanen Raum bei angepflanzten Ziergräsern. Ende des Sommers folgt der Beifuß, dessen Intensität stark variabel ist und etwa von den Sonnenstunden in den Monaten zuvor abhängt. Abschluss der häufigsten Allergieauslöser bildet schließlich Ragweed, dessen Pollen Anfang August bis in den September erwartet werden. Somit bleiben nur wenige Wochen des Jahres, in denen keine Pollenbelastung besteht.

KURIER Grafik

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Kaum Verschnaufpausen für Pollenallergiker

„Viele denken, dass Pollenallergiker nur ein paar Wochen des Jahres unter Symptomen leiden und den Rest des Jahres gesund sind. Das ist aber nicht der Fall. Viele haben nicht nur eine Allergie, sondern mehrere und leiden unter ganzjährigen Allergieauslösern“, betonte Petra Zieglmayer, Allergologin und Fachärztin für HNO-Heilkunde. Durch die Temperaturerhöhung der vergangenen Jahre habe sich die Pollensaison in Österreich um drei Wochen im Jahr nach vor verschoben und halte aufgrund neu eingeführter Pflanzen und längerer Blühphasen bis in den November an. „Aufgrund der unspezifischen Symptome dauert es oft bis zu 15 Jahre, bis Allergiker eine effiziente Diagnostik und Therapie erhalten. Viele interpretieren anhaltenden Schnupfen als Virusinfektion. Eine frühe Diagnose und Therapie verringert aber das Risiko von Folgeerkrankungen wie Asthma“, so Zieglmayer. 

Dabei sind Allergien weit verbreitet: 16 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind betroffen, jeder Zweite von Pollenallergien. Nach Rückenleiden und Bluthochdruck zählen Allergien zu den drei häufigsten chronischen Erkrankungen in Österreich – bei den unter 30-Jährigen liegen sie sogar auf Platz 1. Aber neun von zehn Betroffenen sind trotz guter Therapieoptionen unzreichend versorgt. Sie leiden unter Beschwerden wie verstopfter oder rinnender Nase, juckende Augen, Niesen sowie Husten und in der Folge unter Müdigkeit, Kopfschmerzen, geringerer Konzentrationsfähigkeit und einer verminderten Produktivität in Arbeit und Schule. Umso wichtiger sei es, ein Pollentagebuch zu führen, in dem Symptome und Zeitpunkt notiert werden, sodass ein Zusammenhang mit bestimmten Blühzeiten hergestellt werden könne. 

Immuntherapie wichtige Behandlungsoption

Behandlung der Wahl ist die Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung, bei der das Immunsystem schrittweise an das Allergen gewöhnt wird, sodass es später weniger stark reagiert. Unterstützung erhalten Pollenallergiker zudem durch kostenlose Services des ÖPID (www.polleninformation.at). Der ÖPID erfasst, analysiert und kommuniziert seit fast 50 Jahren die Pollenbelastung. "Unser Messnetz umfasst 25 Pollenfallen in allen Bundesländern", sagte HNO-Mediziner und ÖPID-Leiter Markus Berger. Der Polleninformationsdienst bietet Betroffenen und Fachpersonal die Informationen kostenlos. 

Neu ist der KI-Chatbot „Pollee“, eine Art Mini-Version von Chat-GPT, der aber anders als das Tool von Open AI nur auf wissenschaftlich fundierte Daten zurückgreift. Nutzerinnen und Nutzer können Fragen rund um Pollen stellen und erhalten etwa Vorhersagen, Wetterprognosen und Symptombeschreibungen. Im Februar wurde der Chatbot bereits mehr als 3.000-mal genutzt. Zudem bietet der ÖPID künftig kostenlose Webinare in Kooperation mit der Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung (IGAV). Das erste findet am 15. April zum Thema Gräserpollenallergie statt. 

Allergiefreundliche Pflanzen in Städten

Immer mehr in den Fokus rückt auch die allergiefreundliche Bepflanzung öffentlicher Flächen. Das Projekt PollenCare, das im Juni 2025 startete, hat etwa zum Ziel, das Allergiepotenzial in Städten zu senken und sowohl auf Gemeindeebene als auch bei privaten Gärtnerinnen und Gärtnern das Bewusstsein für allergieauslösende Pflanzen zu schärfen. So gibt es etwa ein Bewertungssystem für Pflanzen, ähnlich einem Ampelsystem, um auf einen Blick zu sehen, welche Pflanzen geeignet sind, um das Allergieniveau in einer Stadt zu senken. In fünf Pilotgemeinden – Eisenstadt, Baden, Grimmenstein, Mönichkirchen und Bad Erlach – werden dazu entsprechende Aktivitäten gesetzt.  

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