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„Abnehmspritze“: So verhindern Sie Nährstoffmangel und Muskelabbau

Wer mithilfe von Medikamenten abnimmt, isst deutlich weniger als zuvor. Was beachtet werden sollte, dass es nicht zu einem Nährstoffmangel und zu einem Verlust an Muskelmasse kommt.
Focus on Semaglutide and low calorie evening meal

Die Abnehmmedikamente erleichtern den Gewichtsverlust für Menschen mit Adipositas deutlich. Betroffene können je nach Präparat bis zu 25 Prozent ihres Körpergewichts verlieren: Durch die sogenannten GLP-1-Agonisten nimmt der Appetit ab, Portionsgrößen schrumpfen, Heißhunger lässt nach. Doch gerade weil sich das Essverhalten so stark verändert, gewinnt die Ernährung unter der Therapie besondere Bedeutung. 

Fachleute warnen davor, sich allein auf die Medikamente zu verlassen. „Ich empfehle bei den Abnehmmedikamenten unbedingt eine begleitende Ernährungsumstellung mit professioneller diätologischer oder ernährungsmedizinischer Betreuung“, sagt Internist Florian Kiefer von der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel an der MedUni Wien. Diese ist allerdings, wie auch die Abnehmmedikamente in der Regel, privat zu bezahlen.

Weniger Nährstoffe können zu Mangelerscheinungen führen

Durch den veränderten Appetit essen viele Betroffene deutlich weniger als zuvor, mit möglichen Folgen: „Man muss darauf achten, dass der Körper weiterhin ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird und es nicht zu Mangelerscheinungen kommt. Wichtig ist auch eine ausreichende Proteinzufuhr, denn besonders bei raschem Gewichtsverlust wird nicht nur Fettmasse, sondern auch Muskelmasse abgebaut“, betont Kiefer. Muskelmasse ist jedoch der wichtigste Faktor für den Grundumsatz. Sein Verlust erhöht langfristig das Risiko für einen Jo-Jo-Effekt, wenn die Medikamente abgesetzt werden.

Auch Johanna Brix, Leiterin der Adipositasambulanz der Klinik Landstraße, betont, wie wichtig eine eiweißreiche Ernährung ist. „Studien zeigen zwar, dass die Medikamente nur zu einem geringen Verlust von Muskelmasse führen und dass dieser auch dadurch entsteht, dass die Muskeln ,entfettet’ werden. Trotzdem ist es sinnvoll, auf den Eiweißbedarf zu achten und Krafttraining zu betreiben, um die Muskeln zu stärken“, sagt Brix. Eiweißreiche Lebensmittel sind etwa Hülsenfrüchte wie Linsen und Kichererbsen, Fisch, Huhn, Tofu, Eier oder fettarme Milchprodukte. Auch ballaststoffreiche Nahrungsmittel wie Vollkornprodukte, Gemüse und zuckerarmes Obst wie Erdbeeren und Himbeeren fördern die Gewichtsabnahme. Gesunde Fette wie hochwertige Pflanzenöle, Nüsse und Avocados sind ebenfalls empfehlenswert.

Keine radikalen Diäten, sondern langfristige Ernährungsumsstellung

Gegen die häufige Übelkeit am Anfang kann langsames Essen und gut Kauen helfen sowie kleinere Portionen über den Tag verteilt. Beide Experten raten von radikalen Diäten ab, sondern empfehlen eine ausgewogene, balancierte Ernährung. Ziel sei eine langfristige Ernährungsumstellung. Kiefer: „Man sollte nicht von einem Extrem, einer sehr ungesunden Ernährung, ins andere gehen, und das Energiedefizit zu groß werden lassen. Als Faustregel gilt ein Energiedefizit von maximal 300 bis 500 Kilokalorien pro Tag. Ist das Defizit zu groß, wird Muskelabbau begünstigt und der Körper schaltet in einen Sparmodus.“

Auch Brix warnt davor, es aus Begeisterung über einen schnellen Gewichtsverlust zu übertreiben: „Manche Patientinnen und Patienten erzählen, dass sie sich richtiggehend daran erinnern müssen, etwas zu essen. Kommt das ein-, zweimal vor, ist das unproblematisch. Wenn es aber kontinuierlich ist, sollte man mit dem Arzt oder der Ärztin über eine geringere Dosis der Medikamente nachdenken“, rät Brix. 

Unterstützend für einen gesunden Gewichtsverlust ist eine kohlenhydratreduzierte Ernährung. Insbesondere einfache Kohlenhydrate wie Weißmehlprodukte oder süße Getränke sollten gemieden werden. Schwer verdauliche, fettige oder panierte Speisen könnten vor allem zu Beginn der Therapie mit Abnehmmedikamenten Probleme machen. „Durch die verlangsamte Magenentleerung kann es zu Reflux kommen. Auch spätes, üppiges Essen am Abend ist ungünstig“, so Kiefer.

Häufigkeit der Mahlzeiten

Eine allgemeine Empfehlung zu mehreren kleinen Mahlzeiten gibt es nicht. Dies solle nach individuellen Bedürfnissen entschieden werden. Brix: „Wichtiger als die Quantität der Mahlzeiten ist die Qualität. Mit den Medikamenten verschiebt sich bei vielen aber ohnehin das Verlangen in Richtung gesunder Lebensmittel weg von Junk Food und Süßem.“ Auch die Lust auf Alkohol wird bei vielen geringer.

Generell müsse auf ausreichend Flüssigkeit geachtet werden. Einerseits könne neben dem Hungergefühl auch das Durstgefühl reduziert sein, sodass man bewusst trinken sollte. Andererseits kann es als Nebenwirkung zu Verstopfung kommen, wogegen ausreichend Flüssigkeitsaufnahme förderlich ist. Gerade in Kombination mit ballaststoffreicher Kost ist ausreichend Flüssigkeit wichtig.

Nahrungsergänzungsmittel sind laut den Experten nicht pauschal nötig, es empfiehlt sich aber, alle paar Monate Blutwerte kontrollieren zu lassen. Im Bedarfsfall könnten beispielsweise Vitamin B12, Eisen oder Folsäure sinnvoll sein. Ein Anzeichen für Nährstoffmangel könnte etwa Haarausfall sein, dieser könne aber auch bei raschem Gewichtsverlust auftreten, weshalb eine medizinische Abklärung notwendig ist.

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