Gewicht halten nach Abnehmspritze: Kann das gelingen?

Studien belegen: Nach der Therapie kehren die Kilos meist zurück. Was es braucht, damit das nicht passiert.
Ein Symbolbild einer Frau, die aus einer größeren Version ihrer selbst läuft.

Die Abnehm-Medikamente haben die Behandlung von Übergewicht und Adipositas grundlegend verändert. Doch mit der wachsenden Verbreitung der sogenannten Abnehmspritzen rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Was geschieht, wenn man die Medikamente wieder absetzt? 

Die wissenschaftliche Evidenz zeigt zunächst ein klares Muster: Mehrere große Metaanalysen belegen, dass die meisten Menschen nach dem Therapieende wieder zunehmen. Kürzlich zeigte eine Untersuchung von 37 Studien etwa, dass nach dem Absetzen das Gewicht im Durchschnitt um etwa 0,4 Kilogramm pro Monat steigt. Hochgerechnet erreichen viele Betroffene ihr Ausgangsgewicht nach eineinhalb bis zwei Jahren wieder. Gleichzeitig verschwinden auch die günstigen Effekte auf Blutzucker, Blutfette und Blutdruck, die sich während der Behandlung eingestellt hatten.

Ausgeprägter Jo-Jo-Effekt möglich

Besonders ausgeprägt ist der Jo-Jo-Effekt nach Abnehmspritzen im Vergleich zu klassischen Diät- und Bewegungsprogrammen. Eine Studie aus Großbritannien zeigt, dass die Gewichtszunahme nach dem Absetzen von GLP-1-Medikamenten deutlich schneller erfolgt als nach dem Beenden von Ernährungs- und Sportprogrammen. Der Grund liegt paradoxerweise im Erfolg der Therapie: Je stärker der Gewichtsverlust ausfällt, desto ausgeprägter reagiert der Körper nach dem Absetzen der Medikamente mit einer Gegenregulation. In einzelnen Studien nahmen Patientinnen und Patienten innerhalb eines Jahres rund zehn Kilogramm wieder zu, nachdem sie zuvor fast 15 Kilogramm verloren hatten.

Sogenannte Real-World-Daten aus dem Versorgungsalltag zeigen ein etwas weniger dramatisches Bild: Eine große Analyse der Cleveland Clinic in den USA zeigt, dass etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten ihr Gewicht auch ein Jahr nach dem Absetzen stabil hält oder weiter reduzieren konnte. „Unsere Daten aus der Praxis zeigen, dass viele Patientinnen und Patienten, die Semaglutid oder Tirzepatid absetzen, die Einnahme wieder aufnehmen oder auf eine andere Adipositasbehandlung umsteigen. Dies könnte erklären, warum sie weniger Gewicht zunehmen als Patienten in randomisierten Studien“, sagte Studienautor Hamlet Gasoyan.

Schleichend absetzen statt abrupt

Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass viele ihre Behandlung nicht abrupt beendeten, sondern die Medikamente schleichend absetzten, indem sie nach und nach die Dosis reduzierten – begleitet von ihrem behandelnden Arzt oder ihrer behandelnden Ärztin. Manche wechselten zu anderen Medikamenten, starteten strukturierte Lebensstilprogramme oder nahmen die Therapie später wieder auf. Dadurch fiel die durchschnittliche Gewichtszunahme geringer aus. „Viele Patienten geben ihre Adipositasbehandlung nicht auf, selbst wenn sie ihre anfängliche Medikation absetzen müssen“, sagte Gasoyan.

Für viele Menschen ist das lebenslange Verwenden der Medikamente keine Option, meist aus pragmatischen Gründen. Hohe Kosten, eine nur sehr eingeschränkte Kostenübernahme durch Krankenkassen und Nebenwirkungen wie Übelkeit führen dazu, dass bis zu 50 Prozent die Therapie innerhalb eines Jahres beenden. Fachleute betonen deshalb, wie wichtig eine enge medizinische Begleitung gerade in dieser Phase ist. 

Der aktuelle Forschungsstand macht deutlich: Abnehmspritzen sind ein wirksames Werkzeug, aber keine dauerhafte Lösung für sich allein. Ohne begleitende Veränderungen bei Ernährung, Bewegung und Verhalten steigt das Risiko, nach dem Absetzen rasch wieder zuzunehmen. Für viele Menschen mit starkem Übergewicht können Medikamente ein wichtiger Einstieg in die Behandlung sein; um das neue Gewicht langfristig zu halten, braucht es jedoch ein tragfähiges Gesamtkonzept.

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