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© KURIER/Jeff Mangione

Wissen und Gesundheit
09/08/2016

Es gibt vier unterschiedliche Giraffenarten

Gen-Analysen zeigen, dass die Giraffenarten sich genauso sehr unterscheiden wie Eis- und Braunbären.

Giraffen unterscheiden sich in Farbe und Fleckenmuster. Daher gingen Forscher bisher davon aus, dass es sich um verschiedene Unterarten handelt. Doch die Äußerlichkeiten haben es in sich. Wie Genanalysen nun zeigen, schreiten vier Giraffenarten durch die Savanne. Sie verbindet so viel wie Eisbären mit Braunbären.

Wissenschaftler der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt nahmen das Erbgut von knapp 200 Giraffen aus ganz Afrika unter die Lupe. Sie kamen zu dem Schluss, dass es vier Arten gibt, die sich genetisch deutlich voneinander abgrenzen: Süd-Giraffe, Netz-Giraffe, Massai-Giraffe und Nord-Giraffe. Die Studie – veröffentlicht im Fachjournal "Current Biology" – unterstreicht die Dringlichkeit für den Schutz der Paarhufer.

Erbgut-Sammlung

Am Anfang des Projekts stand eine Anfrage der Giraffe Conservation Foundation (GCF) in Namibia. Co-Direktor Julian Fennessy wollte wissen, wie sehr sich Giraffen in verschiedenen Teilen Afrikas ähneln und welche Auswirkungen es hätte, Tiere in andere Teile des Kontinents zu bringen, sollten sie in ihren ursprünglichen Wanderungsgebieten in ihrer Existenz bedroht sein. So sammelten GCF-Mitarbeiter mehr als zehn Jahre lang unter abenteuerlichen Umständen Gewebeproben. Die deutschen Genetiker werteten das Material aus, Prof. Axel Janke fasst zusammen: "Trotz ihres ähnlichen Aussehens sollten die vier Giraffenarten als eigenständige Arten betrachtet werden." Die verschiedenen Arten zeugen zwar in Zoos miteinander Nachwuchs, in freier Wildbahn paaren sie sich aber nicht. "Sie sind genetisch so unterschiedlich wie Braunbären und Eisbären", betont Janke.

Gefährdung

Die Ergebnisse der Erbgut-Analyse haben auch für den Artenschutz Bedeutung. Insgesamt gibt es zwar noch etwa 90.000 Giraffen. Die einzelnen Spezies kommen aber weitaus seltener vor: "Von einigen Arten gibt es nur noch 3000 bis 5000 Exemplare", sagt Janke: "Das heißt, die Gefährdung ist etwa auf dem gleichen Niveau wie bei Nashörnern." Im Vergleich dazu gibt es ungefähr 450.000 wild lebende Elefanten.

Die Wissenschaftler plädieren nun für einen besseren Schutz der Giraffen. Ihre Zahl ist in den vergangenen 30 Jahren um mehr als 35 Prozent zurück gegangen. Wilderei, die Folgen des Klimawandels und der Verlust von Lebensraum machen den Wiederkäuern zu schaffen.