Der fünfjährige Ashya bei seiner Ankunft in Prag. Mit Protonenstrahlen soll sein Hirntumor präzise und schonend behandelt werden

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Wissen und Gesundheit
09/08/2014

Protonenstrahlen sollen Buben Ashya mit Gehirntumor retten

Eltern hoffen auf neuartige Behandlungsmethode

Tschechische Ärzte wollen das Leben des krebskranken britischen Buben Ashya retten. Sie stimmten am Montag der Behandlung des Fünfjährigen zu, wie das Krankenhaus Motol in Prag mitteilte. In der tschechischen Hauptstadt soll der Gehirntumor des Jungen mit Protonen-Teilchen bestrahlt werden.
Der Fall hatte international Aufsehen erregt, nachdem Ashyas Eltern den Buben ohne Einverständnis seiner britischen Ärzte nach Spanien gebracht hatten. Die Familie will dort ihr Ferienhaus verkaufen, um die Protonenbehandlung zu finanzieren. Nachdem die Eltern vorübergehend festgenommen worden waren, gab ein britisches Gericht doch noch seine Zustimmung zur Verlegung Asyhas nach Tschechien.

Am Montagvormittag wurde Ashya auf den Weg nach Prag gebracht. Das Kind sei mit einem Krankenwagen vom Hospital Materno Infantil in Málaga zum Flughafen der südspanischen Stadt gefahren worden, berichtete die Nachrichtenagentur Efe unter Berufung auf die behandelnden Ärzte. Ashya sollte mit einem Ambulanzjet in die tschechische Hauptstadt geflogen werden.

Mit der vergleichsweise neuen, aber auch teuren Protonentherapie können Tumore nach Angaben von Wissenschaftlern präziser und damit schonender für die umliegenden Organe bekämpft werden. Das private Bestrahlungszentrum PTC in Prag hat vor zwei Jahren seinen ersten Patienten behandelt.

Wie die Methode funktioniert

Bei der Protonentherapie handelt es sich um eine Methode, die ab Ende 2015 auch im neuen Behandlungszentrum „MedAustron“ in Wiener Neustadt, NÖ, angeboten werden soll. MedAustron wird ein Zentrum für ambulante Ionentherapie, in dem künftig bestimmte Krebsarten (z. B. Hirn- und HNO-Tumore sowie Bauchspeicheldrüsenkrebs) mit Protonen und Kohlenstoffionen behandelt werden können. In Prag hingegen wird nur die Protonentherapie angeboten.

Der Unterschied zur herkömmlichen Strahlentherapie besteht darin, dass Protonen und Ionen ihre höchste biologische Wirksamkeit im Tumor – und nicht davor – haben und sich der Strahl exakt in seiner Reichweite steuern lässt. Dies schont das umliegende gesunde Gewebe und verringert die Nebenwirkungen. Die Belastung des gesunden Gewebes davor ist - gegenüber konventioneller Strahlentherapie (Gammastrahlen, Röntgen-, Elektronenstrahlung) deutlich reduziert, hinter dem Tumor ist fast gar keine Dosis mehr messbar. „Dadurch kann ich auch dann einen Tumor mit einer hohen Strahlendosis behandeln, wenn unmittelbar dahinter zum Beispiel der Sehnerv liegt“, sagt die Strahlenmedizinerin und medizinische Leiterin von MedAustron, Univ.-Prof. Ramona Mayer. „Derzeit ist es bei Tumoren etwa in der Nähe des Sehnervs oder bestimmter Hirnnerven oft nicht möglich, die volle notwendige Dosis in den Tumor zu bringen – weil ich sonst den Sehnerv oder Hirnstamm schädigen würde.“

Diese neue Form der Strahlentherapie werde sich besonders für bestimmte Tumoren bei Kindern und Jugendlichen eignen, so Mayer. „Ihr Gewebe ist sehr strahlenempfindlich. Durch eine bessere Schonung des gesunden Gewebes kann man das Risiko von Spätfolgen – wie etwa Hormon- oder Wachstumsstörungen – senken.“