Wissen und Gesundheit
07.11.2016

Candida auris ist erstmals in USA aufgetreten

Gesundheitsbehörden warnen vor Ausbreitung, in Europa ist der Hefepilz bisher kaum diagnostiziert worden.

Erstmals ist nun auch in den USA ein gefährlicher, weil medikamentenresistenter, Pilz aufgetreten. Der Hefepilz Candida auris wurde bei 13 Patienten nachgewiesen und könnte auch für vier Todesfälle verantwortlich sein. Da diese Patienten aber auch an anderen Krankheiten litten, ist die tatsächliche Todesursache noch unklar. 71 Prozent der Betroffenen hatten zudem Resistenzen gegenüber gängigen Arzneimitteln zur Behandlung, heißt es im wöchentlichen Infektionsreport "Morbidity and Mortality Weekly Report". Die US-Gesundheitsbehörde "Centers for Disease Control and Prevention" (CDC) warnt jedenfalls vor diesem resistenten Pilz. "Wir müssen jetzt handeln, um die Verbreitung dieses Pilzes besser zu verstehen, einzudämmen und zu stoppen."

Bei beeinträchtigtem Immunsystem gefährlich

Faktum ist, dass C. auris für Menschen mit einem ohnehin schon geschädigten Immunsystem besonders gefährlich ist. Das trifft auch bei den 13 aktuellen Fällen in den USA zu. Sie litten unter anderem an hämatologischen Tumoren und schweren Atemwegserkrankungen. "Bei Menschen mit einer geschwächten Abwehr können schwerwiegende Komplikationen auftreten. Bisher ist C. auris nur bei Schwerkranken aufgetreten. In der Regel trifft es keine gesunden Menschen", sagt Pilz-Expertin Ao. Univ.-Prof. Birgit Willinger von der Medizinischen Universität Wien. In Österreich wurde Candida auris noch nie nachgewiesen.

Bisher gilt er als relativ selten. Erstmals wurde der Hefepilz erst 2009 bei einem japanischen Patienten festgestellt. Weitere Fälle registrierten Mediziner in Indien, Kenia, Kuwait, Pakistan. In Europa fand man C. auris vereinzelt etwa in Grobritannien, Frankreich oder Deutschland. Der Pilz kann in den Ohren oder im Urin nachgewiesen werden. Gefährlich wird es, wenn er in den Blutkreislauf kommt.

150 Candida-Arten sind bekannt

Candida-Pilze zählen generell zu den häufigsten Pilzen weltweit, es gibt mehr als 150 Arten. "Manche besiedeln den Körper oberflächlich, etwa Schleimhäute, andere treten im Körperinneren auf", erklärt Willinger. Bei 70 bis 80 Prozent aller Mitteleuropäer kommen Pilze aus der Candida-Familie im Darm vor - ohne Probleme zu machen. Am bekanntesten - und häufigsten - aus der Candida-Familie ist allerdings Candida albicans Dieser besiedelt bevorzugt Schleimhäute und verursacht Infektionen in der Scheide, am Penis oder in Hautfalten. Die oberflächlich auftretenden Pilze machen sich etwa durch weißliche Beläge bemerkbar, bei innerlichem Auftreten fiebern die Patienten. Für die Diagnose ist es schwierig, die Candida-Art im Mikroskop festzustellen. Genauigkeit bringt ein aufwändiger und teurer Gentest. "Größere Laborzentren sind mit modernen Diagnosemöglichkeiten ausgestattet." Tritt ein unidentifizierbarer Keim in einem kleineren Labor auf, empfiehlt sie, eines der größeren Referenzinstitute zu kontaktieren.