Diese Neuronen spiegeln im Gehirn äußere Eindrücke und lassen uns miterleben, was um uns herum passiert.

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Hirnforschung
06/11/2014

Fußball-WM: Spiegelneuronen fiebern mit

Forscher erklären, was uns so empfänglich fürs Mitjubeln und Mitleiden macht.

von Susanne Mauthner-Weber

Morgen geht es los: Anpfiff zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Wer als Fußball-Fan mitjubelt, weil der persönliche Favorit siegt oder bei einer Niederlage zutiefst traurig ist, ist Spielball körperlicher Vorgänge, die die Wissenschaft mittlerweile ganz gut erklären kann. Die Spiegelneuronen sind schuld.

Spiegelneuronen? Die sind uns mehr oder weniger in die Wiege gelegt: Wenn Sie jemanden lächeln sehen und Sie unwillkürlich mitlächeln – dann sind das die Spiegelneuronen. Wenn jemand weint und Sie selber traurig werden – Spiegelneuronen. Und wenn Ihr Fußball-Club gerade untergegangen ist, haben Spiegelneuronen den emotionalen Zustand der Spieler auf Sie übertragen.

Diese Neuronen spiegeln im Gehirn äußere Eindrücke und lassen uns miterleben, was um uns herum passiert, erklärt Ornella Valenti von der Abteilung für Kognitive Neurobiologie am Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien. Die Wissenschaftlerin weiß: Je mehr das Gesehene unseren früheren Erfahrungen entspricht, desto stärker feuern die Spiegelneuronen. Daher ist es auch möglich, dass bei einem Fußballmatch die Fans der siegreichen Elf feiern, während die anderen gleichzeitig weinen.

Fans sind empfänglich

Das Resonanzsystem der Spiegelneuronen ist auch für einen anderen Effekt zuständig: Fans, die selbst viel Fußball spielen oder gespielt haben, wissen, wie das Spiel funktioniert. Sie können ein Spiel besser lesen, sagt Valenti: "Studien haben gezeigt, dass diese Fußball-Experten während des Spiels die Aktionen besser vorhersagen können. Dabei feuern die Spiegelneuronen mehr als bei anderen, die weniger vom Fußball verstehen." Bei Kontrollgruppen, die selten oder nie ein Fußballmatch gesehen und nicht gespielt haben, feuern die Spiegelneuronen nicht oder kaum. Valenti: "Spiegelneuronen befähigen uns offenbar dazu, die Absichten anderer intuitiv zu erfassen. Und umso mehr, je besser uns diese Absichten oder Handlungen aus eigener Erfahrung bekannt sind."

Entdeckung

Wie so oft war die Entdeckung der Spiegelneuronen durch den Neurologen Giacomo Rizzolatti in den 1990er-Jahren ein Zufallsprodukt. Rizzolatti wollte eigentlich an Affen herausfinden, wie Handlungen im Gehirn geplant und umgesetzt werden. Dazu sollten die Nervenzellen lokalisiert werden, die aktiv werden, wenn Affen nach einer Nuss greifen. Der Forscher fand heraus, dass dieselben Nervenzellen Signale aussenden, wenn der Affe die Bewegung entweder selbst durchführte oder einen Menschen dabei beobachtete, wie dieser nach einer Nuss griff. Das Gesehene wurde von den Nervenzellen im Hirn gespiegelt, daher der Name Spiegelneuronen.

Zurück zum Fußball. Forscher gehen so weit zu behaupten, dass die Empathifühler sogar zum spielentscheidenden Faktor werden können. Wie? Denken Sie nur an einen energische Trainer wie Jürgen Klopp. Er sendet ganz andere Signale an Spieler als ein ruhiger Trainer wie Vicente Del Bosque. Es könnte hilfreich sein, dass ein Trainer an der Seitenlinie energiereich am Spielgeschehen teilnimmt. Andererseits hat Klopp an der Seitenlinie beim Champions League-Spiel in Neapel ungewollte Aggressionsausbrüche bei den Spielern ausgelöst. BVB-Torwart Roman Weidenfeller bekam eine rote Karte und der Trainer nahm das nach der Partie "auf seine Kappe", weil er durch seinen unkontrollierten Wutausbruch zum "Überträger" überzogener Aggression wurde.

Spiegelneuronen

Empathie-Fühler: Die Spiegelneuronen im Gehirn sind spezielle Nervenzellen, die den Menschen zum mitfühlenden Wesen machen. Das Einmalige an den Nervenzellen ist, dass sie bereits Signale aussenden, wenn jemand eine Handlung nur beobachtet. Die Nervenzellen reagieren genauso, als ob man das Gesehene selbst ausgeführt hätte. Zum Vergleich: Wenn wir eine Gitarrensaite zupfen, bringen wir die anderen Saiten des Instruments auch zum Schwingen. Mitgefühl, Freude, aber auch Schmerzen zu empfinden, wird erst auf diese Weise möglich.

Von Geburt an: Spiegelneuronen gehören zur Grundausstattung unseres Gehirns. Wir sind von Geburt an damit ausgerüstet. Nur deshalb können Säuglinge bereits wenige Tage nach der Geburt mit der Mutter kommunizieren. Mit dem 4. Lebensjahr sind die Spiegelneuronen voll entwickelt. Ab diesem Zeitpunkt hat das Kind auch eine eigene, unabhängige Sichtweise auf die Welt. Spiegelneuronen funktionieren unbewusst, wir müssen nicht darüber nachdenken.

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