Wissen und Gesundheit
06.02.2018

Die Ozonschicht der Erde erholt sich nicht überall

Das Loch über den Polen schwindet zwar, die Belastung in bevölkerten Gebieten steigt dafür aber.

Erinnern Sie sich noch an die 80er Jahre? Damals erschreckten Meldungen über das Ozonloch die Menschen. Einer von ihnen war Ulrich Foelsche, der sich der Problematik wissenschaftlich näheren wollte und daraufhin beschloss, Geophysik zu studieren. Heute lehrt er an der Uni Graz.

"Lange Zeit dachte man, dass sich die Ozonschicht in der Stratosphäre erholt", sagt Foelsche. Doch das stimmt nur zum Teil, wie Wissenschaftler der ETH Zürich und des Physikalisch-Meteorologischen Observatoriums Davos jetzt herausgefunden haben. Das Loch schließt sich zwar über der Antarktis und der Arktis. Doch die Ozonschicht wird genau dort dünner, wo der größte Teil der Menschheit lebt: zwischen den 60. Breitengraden Nord und Süd (siehe Grafik unten). Heißt: Die Ozonkonzentration verringert sich in der unteren Stratosphäre, zwischen 15 und 24 Kilometer über der Erde.

Viele betroffen

So alarmierend wie in den 80er Jahren sei diese Entdeckung zwar nicht, erklärt Foelsche. Denn: "Der Rückgang des Ozons geht wesentlich langsamer vonstatten. Was allerdings Sorgen macht, ist, dass so viele Menschen davon betroffen sind." Außerdem sei die Ozonschicht sehr dünn, weshalb auch minimale Änderungen langfristig große Folgen haben könnten. Wie dünn die Schicht ist, macht folgender Vergleich deutlich: Wenn das gesamte Ozon auf der Erdoberfläche wäre, dann wäre es wegen des Drucks nur eine drei Millimeter dicke Schicht über dem Boden.

Dass die Ozonkonzentration sinkt, stellten die Wissenschaftler fest, indem sie riesige Datenmengen, die bis ins Jahr 1985 zurückreichen, miteinander verglichen. "Weil die Datenreihen von Jahr zu Jahr länger werden, kann man Trends besser statistisch erfassen", erläutert Foelsche. Und: "Diese Entdeckung zeigt uns auch, wie wichtig es ist, dass die Wissenschaft immer wieder misst und diese Daten dann auswertet."

Ursache unklar

Als mögliche Ursache für die dünnere Ozonschicht sehen die Forscher kurzlebige Gase und den Klimawandel. Foelsche erklärt, warum das so ist: "Die atmosphärische Zirkulation (für Kenner die Brewer-Dobson-Zirkulation) führt eventuell dazu, dass sich das Ozon in der Stratosphäre anders verteilt."

Jetzt ist es die Aufgabe der Forscher, die wahre Ursache der geringeren Ozonkonzentration herauszufinden. Denn nur wenn man diese kennt, kann man auch die richtigen Maßnahmen setzen. Dass hier weltweite Anstrengungen etwas bewirken können, hat das Montreal-Protokoll von 1987 gezeigt. Damals wurde beschlossen, dass ozonschädigende Chemikalien wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW, nicht mehr produziert werden dürfen. In Folge ist die Ozonkonzentration in der oberen Stratosphäre – rund 30 Kilometer über der Erde – wieder deutlich gestiegen.

Die Studie der Schweizer, die im Fachblatt Atmospheric Chemistry and Physics , veröffentlich wurde, halten namhafte Experten wie Markus Rex vom Alfred-Wegener-Instituts in Potsdam für "robust und solide". Und er hält fest: "Was in Montreal beschlossen wurde, war sinnvoll. Daran ändern auch die neusten Ergebnisse nichts."

Mehr Sonnenbrand

Wenn die Ozonschicht langfristig wirklich dünner wird, so hat das natürlich Auswirkungen auf das tägliche Leben – so wie es die Neuseeländer und Australier bereits kennen. Dort dringt ozonarme Luft ab dem Frühjahr Richtung Äquator. Die Folge: Die Sonnenstrahlung ist intensiver, weil die Ozonschicht als natürlicher UV-Schutz wegfällt. Ohne Sonnenblocker wagt sich dort deshalb fast niemand mehr aus dem Haus.

Wird die UV-Strahlung auch über Europa stärker, wirkt sich das in manchen Regionen besonders stark aus, etwa am Meer, wo das Wasser die UV-Strahlen reflektiert. Das Gleiche gilt für die Alpen, sofern dort noch Schnee liegt. Reflektiert die Sonne, ist die Gefahr, einen Sonnenbrand zu bekommen, erhöht. Und jeder Sonnenbrand erhöht das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.