Wissen und Gesundheit
18.07.2017

Foto-Fälschungen bleiben oft unerkannt

Studie. Erschreckend viele Betrachter können manipulierte Bilder nicht entlarven.

Leichen säumen den Boden, ein Lichtblick öffnet sich am Himmel. Um die Dramatik des Ersten Weltkrieges zu verdeutlichen, montierte Fotograf Frank Hurley Sonnenstrahlen in sein Bild "The morning after the First Battle of Paschendaele‘‘ (1917). Schon damals wurden Bilder gezielt bearbeitet, um Stimmung zu erzeugen.

Wie leicht sich Menschen durch manipulierte Fotos täuschen lassen, fanden nun Forscher der britischen Universität Warwick heraus. Zwar wusste man bereits, dass nur wenige Menschen Fälschungen an geometrische Formen erkennen können. Wie es sich aber mit bearbeiteten Fotos verhält, war bis vor kurzem unbekannt. In ihrer Studie, veröffentlicht im Fachblatt Cognitive Research: Principles and Implications, zeigten die Forscher den Probanden jeweils fünf gefälschte und fünf originale Fotos. Verändert wurden die Bilder sowohl auf physikalisch plausible Art als auch auf nicht plausible. Eine plausible Veränderung war beispielsweise das Aufhellen von Zähnen oder das Einfügen eines Objektes; nicht plausibel waren verzerrte Bäume oder fehlende Schatten. Das ernüchternde Ergebnis: In nur 66 Prozent der Fälle urteilten die Probanden richtig. Wurden die Teilnehmer weiters gebeten, die Fälschung zu lokalisieren, lagen nur mehr 45 Prozent richtig.

Verheerende Folgen

Weiters konnten die Forscher zeigen, dass durch ein Mehr an manipulierten Bildpixel Fälschungen eher erkannt wurden; ebenso wurden physikalisch nicht plausible Veränderungen grundsätzlich leichter identifiziert. Letztlich erwiesen sich die Probanden im gezielten Finden von Fälschungen auch besser als in der generellen Unterscheidung zwischen originaler und bearbeiteter Version.

Bilder sprechen die Emotionen der Menschen an und können sie stark beeinflussen. Entsprechend verheerend sind die Folgen, wenn der Mensch nicht in der Lage ist, sie auf ihre Echtheit zu überprüfen. Schon kleinste Veränderungen von Bildern könnten einen Wandel der eigenen Erinnerung und des eigenen Glaubens nach sich ziehen, zeigen sich die Forscher besorgt. http://dpaq.de/rDoN1Wer herausfinden möchte, ob er gefakte Fotos erkennt, kann die Testreihe der Universität Warwick selbst ausprobieren.