Wissen 05.12.2011

EU plant Warnhinweise für Haarfärbemittel

Es soll kein Verbot geben, aber mehr Schutz vor allergischen Reaktionen vor allem bei Jugendlichen.

Erst kürzlich sorgte eine 17-jährige Kärntnerin für Aufsehen, die für vier Tage im Spital landete, weil sie ein Haarfärbemittel aus der Drogerie nicht vertrug - das berichtete die Kleine Zeitung. Das Mittel hatte bei dem Mädchen zunächst Genickschmerzen, dann eine Schwellung der Stirn und der Augen ausgelöst.

Die EU reagiert nun darauf, dass Haarfärbemittel in der Vergangenheit immer wieder schwere allergische Reaktionen ausgelöst haben. In einem Fall soll das sogar tödlich geendet haben. Künftig müssen Haarfärbeprodukte mit bestimmten Inhaltsstoffen, die Allergien auslösen könnten, mit dem Vermerk "Dieses Produkt ist nicht für Personen unter 16 Jahren bestimmt" versehen werden.

"Das bedeutet nicht, dass das Mittel toxisch ist, aber es kann sensibilisieren oder Allergien auslösen. Es ist nicht jeder Mensch auf die gleichen Stoffe allergisch. Das ist sehr individuell", erklärt Gregor Özelt von der Agentur für Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit (AGES). Außerdem gibt es auch nicht-oxidative Färbemittel wie Tönungen. Der Warnhinweis ist mit einer Nachfrist bis 31. Oktober 2012 auf Produkten zur oxidativen Haarfärbung mit allergieauslösenden Stoffen vorgeschrieben.

Auslegung

Eine "Gefahr der Verteufelung" sieht der Bundesinnungs-Geschäftsführer der Friseure, Jakob Michael Wild. In Salons bleibe das Haarefärben bei unter 16-Jährigen "Auslegungssache, weil es sich um einen Warnhinweis und kein dezidiertes Verbot
handelt". Er und die AGES raten dennoch davon ab. "Denn bei unerwünschten Wirkungen können die haftungsrechtlichen Fragen sehr unangenehm für den Friseur werden."

"Wenn jemand gewisse Substanzen nicht verträgt, kann er in Form von Entzündungen, Rötungen oder Juckreiz allergisch reagieren. Die Reaktion setzt entweder sofort ein oder zwei bis drei Tage später", erklärt dazu der Dermatologe Prim. Andreas Steiner vom Krankenhaus Hietzing und ergänzt: "Färben ist für die Haare prinzipiell wurscht. Sie gehen davon nicht aus und werden auch nicht dünner oder weniger."

In der Regel würde es helfen, auf ein anderes Färbemittel umzusteigen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, beim Hautarzt einen Epikutan-Test durchführen zu lassen. Bei diesem Kontakttest werden Substanzen auf dem Rücken aufgeklebt, um eine Allergie festzustellen. Steiner rät jedoch davon ab, einen solchen Test prophylaktisch zu machen. "Wenn jemand auf das Färben sensibel reagiert, kann man dem mithilfe des Tests nachgehen."

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011