Jolie ist prominenteste Trägerin des "Brustkrebs-Gens" BRCA1

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Durchbruch
05/31/2016

Ein Wirkstoff, der Brustkrebs verhindert

Österreichische Forscher testen ein Medikament, das vorbeugend gegen bestimmtes Karzinom wirkt.

Für Angelina Jolie kommt diese Entdeckung zu spät: Um ihrem erblich bedingten Brustkrebs vorzubeugen, hätte sie ihre Brüste nicht entfernen lassen müssen. Denn nun zeigt sich, dass die präventive Einnahme des Medikaments "Denosumab" den Ausbruch der Krankheit verhindern könnte. Das legen Mausexperimente nahe. Diese Entdeckung ist eine Sensation.

Der Wirkstoff ist bereits auf dem Markt und wird aktuell bei Knochenmetastasen und bei Osteoporose verschrieben. Dass es auch den Ausbruch von Brustkrebs verhindern kann, hat die junge Wissenschaftlerin Verena Sigl vom IMBA ( Institut für Molekulare Biotechnologie in Wien) herausgefunden, dessen Direktor Josef Penninger ist. Für ihn ist das ein Durchbruch: "Das Medikament wirkt nicht nur bei Frauen vorbeugend, die so wie Angelina Jolie von einer Mutation des Gens BRCA1 betroffen sind, sondern bei allen hormonabhängigen Brustkrebsarten." Das ist eine Frohbotschaft für Millionen Frauen weltweit. Schließlich bekommt jede achte Frau irgendwann in ihrem Leben die Diagnose Brustkrebs – 70 bis 80 Prozent davon sind hormonabhängig.

Im Praxistest

Jetzt müssen die Erkenntnisse wissenschaftlich belegt werden, meint der Biologe: "In einer klinischen Studie werden wir überprüfen, ob das, was bei Mäuseversuchen entdeckt wurde, auf den Menschen übertragbar ist. Untersucht werden im ersten Schritt Frauen, die so wie Jolie eine erbliche Mutation des BRCA1-Gens haben. Ihr Risiko zu erkranken, liegt bei 80 Prozent. Meist sind diese Frauen bei Ausbruch besonders jung, oft nicht einmal 40 Jahre alt, der Tumor ist da äußerst aggressiv. Bei diesen Frauen kann die Wirksamkeit besonders gut belegt werden."

Penninger hält nichts davon, jeder Frau den Wirkstoff als Prophylaxe zu verabreichen – da müssten individuelle Lösungen gefunden werden. Dass ausgerechnet ein Knochenmedikament den Durchbruch bringen kann, wundert ihn nicht. Verantwortlich sind nämlich Sexualhormone, die sowohl für das Brustwachstum als auch für den Knochenstoffwechsel zuständig sind. Den Knochen wird während der Schwangerschaft Kalzium entzogen – verursacht durch zwei Proteine namens RANK und RANKL.

Besonders bei Frauen, die das "Jolie-Gen" in sich tragen, sind die Proteine entscheidend für den Krankheitsausbruch. In Mäuseversuchen wurde gezeigt, dass dort, wo RANK blockiert wurde, keine Karzinome entstanden. Forscher untersuchten zudem das Gewebe von präventiv amputierten Brüsten – in Zellkulturen wiesen sie nach, dass das Wachstum und die Ausbreitung von Brustgewebezellen stark vermindert waren, sobald RANK blockiert wurde. "Das ist ein Anfang", sagt Penninger. Und eine Hoffnung für Menschen mit anderen hormonabhängigen Tumoren. "Einige Forscher beschäftigen sich z. B. mit Prostata-Krebs, bei dem Testosteron eine Rolle spielt." Auch hier wird eine internationale Zusammenarbeit wichtig sein. Die Wiener waren jedenfalls in Kooperation mit Kollegen der MedUni Wien, aus Barcelona, Baltimore und Toronto erfolgreich.

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