Eltern wollen Sonderschulen erhalten

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Foto: KURIER/Martin Gnedt

Bürgerinitiative: Betroffene fürchten, dass die Kinder zukünftig nicht mehr optimal gefördert werden.

Die Bundesregierung hat sich ein klares Ziel gesetzt: Sie will die Sonderschulen abschaffen. Dagegen formiert sich jetzt Protest von Eltern und Lehrern. Betroffene haben die "Bürgerinitiative für den Erhalt besonderer Schulen" ins Leben gerufen und innerhalb weniger Tage 24.000 Unterschriften gesammelt. Am gestrigen Mittwoch übergaben sie diese im Parlament.

Die Eltern fürchten, dass es den Verantwortlichen weniger um das Wohl des Kindes denn ums Budget geht. Schließlich sind die Sonderschulen besonders teuer. Rund 34.000 Euro betragen die Ausgaben pro Schüler und Jahr. Zum Vergleich: In Volksschulen sind es knapp 7000, in der Neuen Mittelschule 11.400 Euro. Wie sehr sich die betroffenen Mütter und Väter sorgen, wurde in einer Pressekonferenz deutlich. Bei der sie über ihre Erfahrungen mit dem Schulsystem und mit nicht funktionierenden Integrationsklassen berichteten – also Klassen, in denen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden.

So zum Beispiel die Mutter Margit Hödel: "Man muss sich eingestehen, dass solche Klassen nicht für alle Kinder geeignet sind. Für meinen Sohn passte das nicht, weil für ihn die Gruppe zu groß war. Er war Außenseiter und saß in der letzten Reihe. Da ist es mir lieber, dass er in der Sonderschule in der ersten Reihe sitzt. Dort hat er riesige Fortschritte gemacht."

Wie Kinder dennoch nicht ausgegrenzt werden, berichtete Hannes Schnepfleitner: "Die Sonderschule meines Sohnes ist unter einem Dach mit einer Mittelschule. Weihnachtsfeiern finden gemeinsam, der Unterricht findet getrennt statt."

Vielfalt erhalten

Als Argument für die Abschaffung der Sonderschulen wird häufig die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen genannt. Diese verlange, dass Kinder in Regelklassen integriert werden müssen. Ilse Schmid, Präsidentin des steirischen Pflichtschul-Elternverbands, sieht das anders. Laut Artikel 24 heißt es: "In keiner Bildungsstufe dürfen Kinder mit Behinderungen von Bildungseinrichtungen ausgeschlossen werden." Für Schmid heißt das, dass es ein Sowohl-als-Auch geben muss, also Integrationsklassen und Sonderschulen. Würde man letztere abschaffen, so könne es zu Nachteilen für alle kommen: "In den Regelklassen sind speziell ausgebildete Lehrer nicht verpflichtend. Zudem haben die Kinder mit Förderbedarf dann auch kein Recht mehr, freiwillig ein zwölftes Schuljahr zu besuchen."

Wozu die Abschaffung der Sonderschule führen kann, zeige das Beispiel Kärnten, so die klinische Psychologin Damaris Schwarzfurtner: "Derzeit gibt es nur eine Sonderschule pro Bezirk. Auch diese sollen jetzt geschlossen werden. Stattdessen gibt es Inklusionsklassen, in denen ausschließlich Kinder mit Förderbedarf sitzen. Doch bereits jetzt gibt es dort zu wenig Plätze. Die Praxis zeigt, dass es oft nicht möglich ist, im Regelschulsystem die Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die für diese Kinder nötig wären."

(kurier) Erstellt am
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