Wissen und Gesundheit
23.04.2012

Ein hoher Preis für Cupgröße C

Für viel Oberweite gehen Frauen große Risiken ein – auch den Griff zu Billigprodukten. Was sind ihre Beweggründe?

Der Skandal um die fehlerhaften PIP-Brustimplantate hat gezeigt: Billig muss nicht gleichwertig sein", erklärt Prim. Thomas Hintringer, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie. Wie berichtet, enthalten die Kissen minderwertiges Industriesilikon, das die Platz-Gefahr der Kissen drastisch erhöht. "In Österreich wurden diese Implantate nur acht Frauen eingesetzt – allerdings bekommen wir viele Anrufe von verunsicherten Frauen, die sich im Ausland billiger operieren haben lassen."

Doch was bewegt Frauen dazu, sich für eine Brust-OP zu entscheiden – notfalls billiger und dann auch zu minderwertigen Konditionen? "In 90 Prozent der Fälle wollen sich Frauen die Brust aus ästhetischen Gründen vergrößern lassen", erklärt Hintringer. Bei den restlichen zehn Prozent gibt es medizinische Gründe wie Fehlbildungen oder Asymmetrien – hier kommen je nach Fall auch die Krankenkassen für den Eingriff auf. "Das Ziel muss generell sein, dass sich der Mensch nach einer solchen Operation wohler fühlt als vorher – das ist nicht immer selbstverständlich."

Indikationen

Bei einer Frau, die sich seit Jahren mit der Größe ihrer Brust unwohl fühlt und sich schon lange mit dem Thema befasst, spreche nichts gegen eine Operation. "Wenn jemand allerdings in einer psychischen Belastungssituation – etwa während einer Scheidung – kommt und sich die Brust vergrößern lassen will, ist das keine gute Indikation", meint der Chirurg. Er versucht dann der betroffenen Frau zu erklären, dass sie ihre Scheidung wohl nicht durch eine Brustvergrößerung verhindern kann.

"In solchen Fällen sollte man zurückhaltend sein und eher psychologische Unterstützung suchen." Ähnliches gelte auch für jene Frauen, die sich ihrem Partner zuliebe unters Messer legen wollen. "Immerhin muss sich die Frau ihr restliches Leben mit ihrem Körper wohlfühlen." Das gute Gefühl nach einer solchen Operation ist den vielen Frauen mit den fehlerhaften PIP-Implantanten inzwischen jedoch gehörig vergangen.

Entfernen

Die verunsicherten Frauen wollen sich die Silikonkissen nun so schnell wie möglich entfernen lassen – zumal diese unter Verdacht stehen, Brustkrebs zu begünstigen. Hintringer dazu: "Wenn es keinen Hinweis darauf gibt, dass das Implantat kaputt ist, muss es nicht akut herausgenommen werden." Dann kann in Ruhe ein Eingriff zu einem passenden Zeitpunkt geplant werden. "Bei einem Verdacht, dass das Implantat beschädigt ist, sollte es jedoch auf jeden Fall so schnell wie möglich hinaus."

Offen ist allerdings die Frage der Finanzierung. "In Österreich springt die Versicherung nach derzeitiger Lage erst ein, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht", erklärt Hintringer – also erst, wenn das Silikonkissen bereits geplatzt ist.
Ist das Implantat nicht beschädigt, handelt es sich um eine vorbeugende Maßnahme. "Hier gibt es derzeit keine Regelung – also muss jeder individuell mit seiner Versicherung Rücksprache halten, ob sie für den Eingriff aufkommt. Notfalls muss die Operation aus der eigenen Tasche bezahlt werden."

Diese Lehre werden wohl viele mitnehmen, die mit einer Schönheits-OP spekulieren: Wer billig einkauft, muss am Ende oft teuer bezahlen.