33 Fakten über Eier, die überraschen
Warum ist das Ei der Ursprung allen Lebens? Und wie gewinnt man beim Pecken? Alles, was Sie schon immer rund ums Ei wissen wollten.
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- Diese Frage beschäftigt alle Hobbyphilosophen: Was war zuerst – das Huhn oder das Ei? Die Antwort ist simpel: Natürlich das Ei. Schon die Dinosaurier und – vor ihnen – Amphibien und Fische legten Eier. Die erste Lebensform, die das genetische Werkzeug besaß, Eier zu legen, hieß Chromosphaera perkinsii. Das fanden Forscher der Unis Genf und Lausanne im Vorjahr heraus. Chromosphaera perkinsii war ein Einzeller, der vor rund einer Milliarde Jahren auf der Erde lebte. Das Huhn kann da nicht mithalten.
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- Ex ovo omnia, also: „Alles [Leben] entspringt dem Ei“, stellte auch William Harvey (1578 bis 1657), Leibarzt der britischen Könige, fest.
- Sogar das Universum ist laut finnischer Mythologie aus sieben Eiern entstanden: sechs goldenen und einem aus Eisen.
- Ein Ei war auch in der chinesischen Mythologie der Beginn des Lebens auf der Erde. Aus dem Ur-Chaos entstand ein Ei, darin war Pangu, der erste Bewohner. Im Ei waren Yin und Yang vereint, bis Pangu das Ei zerbrach.
- Eines der berühmtesten Eier der Geschichte ist jenes des Kolumbus. Wer das „Ei des Kolumbus“ findet, der hat eine überraschend simple Antwort auf ein unlösbar scheinendes Problem gefunden. Der Entdecker aus dem 15. Jahrhundert löste einer Anekdote nach die Frage, wie man ein Ei auf seiner Spitze balancieren könne, ganz einfach: Er schlug es gerade so fest auf den Tisch, dass die Schale einbrach – und das Ei stehen blieb.
- Der Brauch des Eier-Peckens hat aber nichts mit Kolumbus zu tun, sondern dürfte eher auf das Christentum zurückgehen: Das Aufbrechen der Schale symbolisiert die Auferstehung Jesu Christi. Im Inneren des Eis erwächst neues Leben. Einen dazugehörigen Sinnspruch gibt es auch: „Wie der Vogel aus dem Ei gekrochen, hat Jesus das Grab zerbrochen.“
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- Ob beim Pecken die Spitze oder der Arsch (pardon: Po) des Eis konkurrenzfähiger ist, damit hat sich sogar die Wissenschaft befasst. Es ist die Spitze, da sind sich die meisten Forscher einig. Auf sie einwirkende Kräfte verteilen sich symmetrisch über die gesamte Oberfläche – das macht Eier so verdammt widerstandsfähig.
- Daraus lässt sich auch ein guter Trick ableiten: Wer gewinnen will, muss das gegnerische Ei leicht seitlich treffen, dort ist es verwundbarer.
- Dass Eier mit brauner Schale härter im Nehmen sind als weiße, ist umstritten. Belegt ist aber, dass die Eier junger Hühner proteinreicher und damit stabiler sind. Wer das Huhn nicht kennt, das das Ei gelegt hat, kann mit diesem Tipp allerdings wenig bis nichts anfangen.
- Dass Eier zum Osterfest überhaupt gekocht gegessen werden, hat wiederum religiöse Gründe – und praktische: Weil in der Fastenzeit der Verzehr verboten war, machten die Menschen sie haltbar. Rote Eier (einst mit Roten Rüben gefärbt) sollen im Christentum das vergossene Blut Jesu symbolisieren und an seinen Opfertod erinnern, heißt es.
- Vielleicht stimmt das aber auch nicht – und das Färben der Eier geht auf das sogenannte Zins-Ei zurück. Bauern mussten ihren Pachtzins an den Grundherren in Form von Eiern bezahlen. Das Zinsjahr endete vor Ostern. Und um die Zins-Eier vom Überschuss, den die Familie essen durfte, zu unterscheiden, wurden die eigenen kurzerhand gefärbt. Um das Alter der Eier bestimmen zu können, färbte man sie wiederum in unterschiedlichen Farben.
- Die Farben wurden in einigen Regionen dennoch mit religiöser Bedeutung aufgeladen: Gelb steht etwa für Erleuchtung, Grün für Jugend und Unschuld, Orange für Kraft.
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- Auch in anderen Kulturen wurden schon vor vielen Jahren Eier dekoriert und gefärbt: Forscher der Uni Cambridge berichten von 60.000 Jahre alten Funden aus dem südlichen Afrika, wo man Straußeneier verzierte. Auch in 5.000 Jahre alten Gräbern der Sumerer und Ägypter fanden sich kunstvoll dekorierte Eier.
- Auch das Ausblasen hat Tradition; mit den verzierten Eiern werden Ostersträuche dekoriert – oder Bäume. Der Ostereierbaum im Zoo der deutschen Stadt Rostock kam 2007 ins Guinness-Buch der Rekorde. Auf ihm hingen 76.596 Eier.
- Für so viele Eier braucht es einige Hühner. Wie viele, lässt sich nicht genau sagen. Ein „normales“ Huhn legt zwischen 200 und 300 Eiern in seinem Leben. Eigens gezüchtete Legehennen hingegen kommen auf 300 Eier pro Jahr.
- Wahrscheinlich haben Sie nun ein Lied im Ohr: „Ich wollt, ich wär ein Huhn – ich hätt nicht viel zu tun. Ich legte täglich nur ein Ei – und sonntags auch mal zwei.“ Es stammt aus 1936, die bekannteste Interpretation ist jene der Comedian Harmonists. Sollten Sie zu dem Lied tanzen wollen: Es ist ein Foxtrott.
- Apropos Fox – also Fuchs: Er ist einer der begnadetsten Eierdiebe und versteckt, so er nicht zu hungrig ist, seine Beute gerne. So kam es, dass der Osterfuchs in manchen Regionen lange mit dem Osterhasen um den Job des Eierversteckens rangelte, bevor sich Letzterer durchsetzte. (Auch der Kuckuck, der Storch und der Hahn waren im Rennen.)
- Die Ostertraditionen rund um das Ei sind übrigens so vielfältig wie skurril: In manchen Gegenden in Deutschland übt man sich im Ostereierwerfen. In Südtirol muss das Ei gleich über das Hausdach geworfen werden, um das Heim vor Ungemach zu bewahren. Wer es unabsichtlich gegen die Fassade wirft, hat jedenfalls Pech – er muss putzen.
- Der Eierwurf gilt übrigens auch als berüchtigte Form des Protests – ähnlich dem Tortenwurf, aber etwas gefährlicher. (Siehe Punkt 7 zur Widerstandskraft des Eis.) In Österreich kann das Bewerfen mit Eiern durchaus mit einer Anzeige wegen Sachbeschädigung oder Körperverletzung enden.
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Hühner- und Straußenei
- Die Liste der mit Eiern Beworfenen ist ungeachtet dessen lang – und enthält viele Politiker: etwa den einstigen britischen Premier David Cameron, den damaligen deutschen Kanzler Helmut Kohl, den französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy – und sogar den britischen König Charles III. Freiwillig an den Kopf werfen lässt man sich Eier in Brasilien, und zwar als „Scherz“ zum Geburtstag.
- Ungefährlicher, weil flüssig, ist der Eierlikör, der zu Ostern und Weihnachten Saison hat. Tatsächlich spielte das Getränk aber sogar bei einem Militäraufstand eine entscheidende Rolle. Bei den Kadetten des US-Militärs war es einst so beliebt, dass der Konsum 1826 an der Militärakademie in West Point verboten wurde. Am Weihnachtsabend bestachen die Soldaten die Wache, ließen sich Eierlikör bringen und feierten so laut, bis die Vorgesetzten kamen. Die Sache eskalierte und endete vor einem Militärgericht. Heute findet sich der Aufstand als „Eggnog Riot“ in den Geschichtsbüchern.
- Der durchschnittliche Österreicher isst pro Jahr übrigens rund 250 Eier – also nicht ganz so viele, wie eine Legehenne legen kann. Dabei sind verarbeitete Eier (etwa im Kuchen) mitgerechnet. Tendenz steigend. Österreich kann sich laut Statistik Austria zu 94 Prozent mit heimischen Eiern selbst versorgen. In Österreich gibt es rund 7,2 Millionen amtlich registrierte Legehennen.
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- Insgesamt leben 56 Prozent der heimischen Hennen in Bodenhaltung, 31 Prozent in Freilandhaltung und nur 13 Prozent auf Bio-Betrieben. Die Konsumenten kaufen aber immer bewusster: Im Lebensmittelhandel sinkt der Anteil der verkauften Eier aus Bodenhaltung (siehe Grafik) zugunsten von vor allem Freilandeiern. Im Steigen begriffen ist hingegen seit Jahren der Preis: Für zehn Bio-Eier zahlte man im Schnitt zuletzt 4,76 Euro, für zehn Eier aus Bodenhaltung 2,73 Euro.
- Über einen Eier-Engpass berichtete der KURIER zuletzt Anfang dieses Jahres. Viele Kunden standen in Österreich vor leeren Regalen, vor allem Bio- und Freilandeier waren ausverkauft. Die Gründe: Der Handel litt an den Nachwirkungen der Vogelgrippe, die in weiten Teilen Europas kursierte. Die weihnachtliche Backsaison und der brummende Tourismus – das Frühstücksei im Hotel! – trugen das Ihre zu den kurzzeitigen Versorgungslücken bei.
- Streiten lässt sich hervorragend darüber, wie viele Eier man aus gesundheitlicher Sicht essen darf: Die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ empfahl zuletzt nur noch ein Ei pro Woche. (Freilich exklusive verarbeiteter Eier in anderen Produkten.) Zumeist ist die Rede davon, dass ein (bis zwei) Eier pro Tag der Gesundheit nicht abträglich sind. So mancher Ernährungsberater bezeichnet Eier gar als Superfood: Sie enthalten viele gesunde Nährstoffe, vor allem hochwertiges Eiweiß, das gut verdaulich ist und vom Körper zu fast 100 Prozent verwertet werden kann. Andere fürchten sie wegen des Cholesterins als Gefahr fürs Herz und die Gefäße.
- Mathematisch berechnen lässt sich hingegen, wie lange das perfekt gekochte Ei ins heiße Wasser muss. Abhängig ist die Dauer von vielen Faktoren, etwa dem Durchmesser, der Ausgangstemperatur und der Meereshöhe, auf der man sich befindet. Eine passable Formel lautet: Kochzeit ist gleich 0,0016-mal Eierdurchmesser im Quadrat multipliziert mit der Logarithmusfunktion aus: zweimal Temperatur des Wassers minus Temperatur des Eis, dividiert durch die Temperatur des Wassers minus der gewünschten Temperatur des Ei-Inneren.
- Sollten Sie auch der Meinung sein, dass das wenig praxistauglich ist, hier einige gröbere Schätzungen. Ein übliches Ei der Größe M geht nach 4 bis5 Minuten als perfektes „weiches Ei“ mit flüssigem Dotter durch, nach 7 bis 8 Minuten hat es einen wachsweichen Kern, nach 10 bis 12 Minuten ist es hart gekocht. Bei der Größe S kann man rund 30 Sekunden abziehen, bei der Größe L rund 30 Sekunden hinzurechnen. Kommt das Ei direkt aus dem Kühlschrank, muss man eine Minute zur Kochzeit hinzurechnen. Kocht man es im Hochgebirge, wo das Wasser bei niedriger Temperatur siedet, dauert es noch länger; auf Meereshöhe etwas kürzer – und zwar jeweils um ein paar Sekunden. Immer noch zu kompliziert: Nutzen Sie die Visualisierung.
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- Ein Ei ist ab Legedatum gekühlt vier bis sechs Wochen genießbar. Die offizielle Mindesthaltbarkeitsdauer beträgt nach EU-Recht 28 Tage, danach brauchen Sie Hausverstand. Hilfreich ist der Test im Wasserglas: Steigt das Ei auf, sollte es nicht mehr gegessen werden. Bereits gekochte Eier halten gekühlt zwei bis vier Wochen, wenn die Schale unversehrt ist.
- Nicht mehr ganz frisch war jenes Ei, das Archäologen in Aylesbury fanden. Es stammte aus der Römerzeit, ist 1.700 Jahre alt und noch immer intakt. Es enthält flüssiges Eiweiß und Eigelb. Das Hendl entdeckte übrigens früh, dass es beim Menschen etwas zu holen gab: Reis und Hirse nämlich. Dann erst verstand der Mensch, wie ihm das Huhn zunutze sein kann: durch Eier und Fleisch. Er domestizierte es. Die ersten Belege von Hühnern als Haustiere finden sich in Thailand etwa 1.500 v. Christus.
- Peter Carl Fabergé hat in seiner Werkstatt von 1885 bis 1917 Schmuckeier ausgebrütet. Sie stehen für Luxus schlechthin. Von den 52 kaiserlichen Fabergé-Eiern für den Zaren sind sechs verschwunden.
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- Im Ort Eiersdorf in Kärnten lebten 2022 exakt 22 Hühner und 106 Menschen. Der KURIER widmete dem Ort vor vier Jahren seine Osterreportage.
- Das größte Ei, das sich heute kulinarisch verwerten lässt, ist das Straußenei. Für ein weiches Ei kann man mit einer Kochdauer von 45 bis 60 Minuten rechnen, für ein hartes Ei braucht man noch mehr Geduld: Rund eineinhalb Stunden sind nötig. Meist werden aus Straußeneiern daher lieber Omelettes zubereitet.
- Es geht noch größer: Theoretisch passen 130 Hühnereier in das 30 mal 20 Zentimeter große Ei eines Elefantenvogels. Zu finden ist ein Exemplar im Naturhistorischen Museum in Wien.
Ein solches Ei wird nie wieder gelegt. Der Vogel ist ausgestorben. Das Ei war also nicht nur zuerst – sondern auch zuletzt.
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