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Psyche
08/19/2014

Die Gene beeinflussen, wie gut Stress bewältigt wird

Ob Stress krank macht oder positiv erlebt wird, hängt stark von Faktoren in der Erbsubstanz ab.

von Ernst Mauritz

Jobverlust, finanzielle Probleme, ein Todesfall in der Familie: Wie man solche Stress-Situationen bewältigt, wird wesentlich auch von bestimmten Gen-Varianten bestimmt. Das zeigt eine Studie von Forschern der Meduni Wien, die im renommierten Fachmagazin Journal of Neuroscience (Erstautor Ulrich Rabl) erschienen ist. Die alte Einteilung zwischen positivem und negativem Stress könnte dadurch hinfällig werden, so Studienleiter Prof. Lukas Pezawas, Uni-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien.

KURIER: Manche Menschen zerbrechen an einer Krise, andere entwickeln sich weiter. Sie haben eine Ursache gefunden.

Lukas Pezawas: Wir konnten zeigen, dass es von drei Gen-Varianten abhängt, welchen Effekt Stress, der durch ein spezielles Lebensereignis ausgelöst wird, auf einen einzelnen Menschen hat. Bei Menschen, die alle drei dieser Risiko-Varianten in ihrem Genom tragen, verliert der Hippocampus im Gehirn – eine Schaltstation in der Verarbeitung von Emotionen – am stärksten an Volumen, wenn es z. B. zu einer Scheidung oder einem Jobverlust gekommen ist. Das kann man mit Magnetresonanztomografie nachweisen. Bei Menschen ohne diese speziellen Varianten kann es hingegen sogar zu einer Zunahme des Volumens kommen.

Welche Auswirkungen haben diese Größenveränderungen?

Man weiß schon seit Längerem, dass negativ erlebter Stress den Umfang des Hippocampus reduzieren und positiv erlebte emotionale Situationen das Volumen steigern können. Bei Obduktionen von Vietnam-Veteranen hat man beobachtet, dass diese extrem kleine Hippocampi hatten – als Folge ihrer traumatischen Erlebnisse. Gleichzeitig litten sie vielfach unter schweren Depressionen. Wir haben uns aber nur alltägliche Stresssituationen unserer Studienteilnehmer angesehen und den Zusammenhang mit den drei Risiko-Genen nachgewiesen. Wer keine einzige dieser Risiko-Varianten trägt, ist widerstandsfähiger und kann Krisen besser verarbeiten – was sich im Zuwachs des Hippocampus-Volumens zeigt. In der Praxis heißt das: Diese Menschen entwickeln eher Strategien zur Bewältigung z. B. eines Jobverlusts, versuchen sich eher, beruflich umzuorientieren, weiterzuentwickeln. Bei wem es hingegen aufgrund aller drei Risiko-Genvarianten zu einem deutlichen Schrumpfen des Hippocampus kommt, der tut sich da viel schwerer, ist viel stärker gefährdet, eine Depression zu entwickeln.

Ob ich Stress als positiv oder negativ erlebe, hängt also stark von meinen Genen ab?

Die von uns untersuchten drei Genvarianten haben darauf einen starken Einfluss. Deshalb kann man meiner Meinung nach auch nicht mehr ganz allgemein von negativem und positivem Stress – also Distress und Eustress – sprechen: Ein und derselbe Stressfaktor kann für den einen gut und für den anderen schlecht sein, so unser Studienergebnis. Wie sich belastende Lebensereignisse auf einen Menschen auswirken, hängt nicht ausschließlich von äußeren Umweltfaktoren ab, sondern entscheidend von diesen Risiko-Genvarianten.

Könnte das einmal Auswirkungen auf die Therapie von Depressionen haben?

Es könnte vor allem die Dauer von Therapien beeinflussen, wenn ich bei einem Patienten eine Depression diagnostiziere und gleichzeitig ein Gentest diese Risikovarianten nachweist. Das könnte bedeuten: Wer viele dieser Varianten trägt, ist dauerhaft gefährdet, in Stresssituationen immer wieder depressive Phasen zu erleben. Dann müsste man dem Patienten eine dauerhafte antidepressive Therapie empfehlen, um depressiven Episoden vorzubeugen. Solche Genanalysen sind heute bereits um 500 Euro möglich, und die Kosten werden weiter sinken.

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