Die Fettleber als neue Volkskrankheit

Von Hepatitis bis zu den Leberwerten: Was Sie über die Leber wissen müssen.

Univ.-Doz. Dr. Gerd Bodlaj ist Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie und Leiter der Leberambulanz am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien.

Univ.-Doz. Dr. Gerd Bodlaj
Univ.-Doz. Dr. Gerd Bodlaj, Hepatologe, KH BHS Wien © Bild: /BHS Wien/A. Kawka

Welche Ursache haben erhöhte Leberwerte?

Sie können ein Hinweis auf eine Hepatitis A, B oder C (infektiöse Leberentzündung) ebenso sein wie auf eine Stoffwechselerkrankung – Stichwort Fettleber –, auf hohen Alkoholkonsum, auf eine Schädigung durch Medikamenteneinnahme oder auch auf sogenannte Autoimmunerkrankungen der Leber (z.B. Autoimmunhepatitis). Abgeklärt werden sollte das nicht nur mittels Blutuntersuchungen, sondern auch mit einem Leberultraschall.

Welche " Leberwerte" gibt es überhaupt?

Man kann drei Gruppen von Leberwerten unterscheiden: Die Transaminasen (GOT, GPT), die bei Hepatitis meistens erhöht sind; die Cholestaseparameter (Gamma-GT, ALP, Bilirubin), die bei mechanischen oder funktionellen Störungen des Gallenflusses ansteigen und die Lebersyntheseparameter, die etwas über die Produktionsleistung der Leber aussagen. Nur die Gamma-GT zu bestimmen ist oft zu wenig: Man kann Hepatitis auch mit normaler Gamma-GT haben.

Was genau ist eine " Fettleber"?

Die vermehrte Einlagerung von Fett in die Leber ist ihre Reaktion auf das bei diesen Patienten oft vorhandene Metabolische Syndrom (Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, erhöhter Blutzucker). Es kann dabei zu einer Leberentzündung kommen (Fettleberhepatitis bzw. nicht-alkoholische Steatohepatitis – NASH), die zu einer langsamen Zerstörung der Leberzellen und einer Zirrhose ("Narbenleber") führen kann. Die Therapie besteht in erster Linie in einer Änderung des Lebensstils – Gewichtsabnahme, mehr Bewegung, Ernährungsumstellung. Die durch eine Fettleber bedingte, nicht alkoholische Leberzirrhose ist derzeit schon einer der häufigsten Gründe für eine Lebertransplantation und wird wahrscheinlich in den kommenden fünf bis zehn Jahren die Nummer eins werden. Menschen mit starkem Übergewicht und auch Diabetiker sollten ihre Leberwerte mindestens einmal jährlich kontrollieren lassen.

Wie gut sind neue Therapien gegen Hepatitis C?

Die neuen Medikamente haben die Therapiedauer deutlich verkürzt, die Standardtherapiedauer beträgt nun zwölf Wochen, die Nebenwirkungen sind deutlich geringer, die Heilungsrate liegt bei mehr als 90 Prozent. Die Folgen der Entzündung für die Leber werden in vier Fibrosegrade (Fibrose: krankhafte Vermehrung des Bindegewebes, es entstehen narbige Veränderungen) eingeteilt. Seit Kurzem zahlen die Kassen die Therapie bereits bei Fibrosegrad zwei und nicht erst bei Grad drei.

1. Leber-Gesundheitstag:

Am 26. 9. findet von 10 bis 14 Uhr der 1. Leber-Gesundheitstag der Hepatitis Hilfe Österreich und des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Wien (1060, Stumperg. 13) statt. Angebote: Leber-Checks, Lebermodell, Infopoints & Lebergesundheit zum Mitmachen, Service & Beratung, Vorträge. Freier Eintritt.

Nähere Informationen: www.bhswien.at

Dr. Gerd Bodlaj am Tel. (01/526 57 60): Mi., 23. 9., 11 bis 12 Uhr. Anfragen per eMail: gesundheitscoach@kurier.at

( kurier.at , EM ) Erstellt am 22.09.2015