Wissen und Gesundheit
05.03.2012

"Eine Nonstop-Revolution"

Die Lebensqualität für Patienten hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verbessert. Es ist aber noch mehr möglich.

Es gibt wenige Krankheiten, wo man heute als Arzt so viel machen kann wie beim Diabetes“, sagt Prim. Univ.-Prof. Guntram Schernthaner vom Krankenhaus Rudolfstiftung in Wien. „Deshalb haben wir in den vergangenen 20 Jahren einen wirklichen dramatischen Rückgang bei den Komplikationen. Das ist eine Nonstop-Revolution.“ Die Österreichische Diabetes-Gesellschaft (ÖDG) präsentierte Montag aktuelle Daten: „Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen konnten bei Typ-2-Diabetikern um 60 Prozent gesenkt werden“ (siehe auch Grafik) . Und die Zahl der Diabetiker, deren Nieren versagen und die eine Dialyse („Blutwäsche“) benötigen, sank zwischen 2004 und 2010 um 26 Prozent .

„Es wäre aber noch mehr möglich“, betont Schernthaner. So ist das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung bei Diabetikern derzeit im Schnitt noch um das Zweieinhalbfache höher als bei gesunden Menschen. „Durch eine bessere Einstellung des Blutdrucks und der Cholesterinwerte könnte man dieses Risiko auf das Eineinhalbfache senken.“

Auch bei den diabetischen Augenerkrankungen gibt es starke Rückgänge: „Auf der anderen Seite werden aber leider immer noch viele Diabetiker nicht zu einem Augenarzt geschickt.“ Und bei der Hälfte der Patienten werde der Harn nicht auf eine erhöhte Ausscheidung eines Eiweißes (Albumin) untersucht: Ist diese nachgewiesen, sollte die Untersuchung jährlich durchgeführt werden (ansonsten alle fünf Jahre). Diese Patienten benötigen eine besonders strenge Einstellung von Blutdruck und Blutzucker.

Unterzuckerung

„Bei Menschen über 65 ist der Typ-2-Diabetes die häufigste Erkrankung“, sagt Prim. Univ.-Prof. Monika Lechleitner vom Landeskrankenhaus Hochzirl, Tirol. Ältere Menschen haben ein besonders hohes Risiko für eine Unterzuckerung – die wiederum die Sturzgefahr erhöht. „Neue Studien belegen, dass es gerade unter den neuesten Medikamenten (Inkretintherapeutika und DPP4-Hemmer, Anm.) signifikante Verbesserungen auch für ältere Patienten gibt. Diese Arzneimittel führen zu einer deutlich geringeren Unterzuckerung.“

Die Zahl der Diabetiker in Österreich (rund 600.000) nimmt jährlich um zumindest zwei Prozent zu – weil die Bevölkerung immer älter wird und durch die Erfolge in der Therapie auch die Lebenserwartung der Diabetiker steigt, betont Prim. Univ.-Prof. Heinz Drexel vom LKH Feldkirch, Präsident der ÖDG. „Wir benötigen deshalb dringend mehr Ausbildungsstellen für Diabetes-Spezialisten – andernfalls hat Österreich in Zukunft zu wenig Experten.“

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