Wissen und Gesundheit
12.04.2012

Der Wald als Spielplatz

Bei den „Waldkiebitzen“ haben die Kinder genug Raum und Zeit, um sich zu entwickeln. Der Kindergarten gilt als vorbildliche Initiative.

Die vierjährige Lena* steht mit offenem Mund da und beobachtet die Meise, die sich auf einem Ast niedersetzt. Lena ist eines von 16 Kindern, die derzeit den Waldkindergarten in Zirl (Tirol) besuchen, der vergangenes Jahr den MYKI-Kinderschutzpreis in der Kategorie „ChildCare" erhalten hat. Den ganzen Tag sind die Buben und Mädchen im Freien. Nur zum Essen und wenn das Wetter ganz schlecht ist, sind sie in einem kleinen Häuschen.

Gegründet wurden die „Waldkiebitze" von Daniela Holer: „Kinder brauchen ausreichend Platz. Den haben sie in den meisten Kindergärten nicht", sagt sie. „Zudem sind sie oft in ein enges Korsett eingeschnürt. Jause, Bewegung, Konzentrationsphase – dafür gibt es einen fixen Stundenplan. Bei uns haben die Kinder Zeit und Raum, das zu tun, was sie gerade wollen."

Waldsofa

Wenn sich die 16 Kinder in der Früh treffen, stimmen sie darüber ab, an welchen Ort im Wald sie gehen, zur Waldhöhle, in den Märchenwald oder zum Waldsofa. Sie machen dort weiter, wo sie am Vortag aufgehört haben, beim Spiel „Vater, Mutter, Kind". Holer imponiert, wie lange die Kleinen sich vertiefen können. Rollenspiele können schon mal über einige Wochen fortgesetzt werden.

„Kinder sollen ihre Kreativität voll entfalten", meint Holer. Bei den Waldkiebitzen werden sie nicht mit Förderprogrammen überfordert. Englisch im Vorschulalter oder Ballettkurse gibt es nicht. „Eltern fördern ihre Kinder in der Hoffnung, sie so optimal auf die Zukunft vorzubereiten. Meiner Meinung nach ist es aber viel wichtiger, den Kindern etwas zuzutrauen. So fördern Erwachsene das Selbstbewusstsein ihrer Kinder und schaffen so Urvertrauen. Die Kinder werden selbstsicher und wissen, dass sie ihr Leben meistern werden."

Max, Jonas und Lena meistern gerade ihre kleine Welt. Sie bauen sich ein Baumhaus. Sie schleppen Äste heran, entrinden sie, sägen, nageln und hämmern. Das nötige Werkzeug haben sie immer dabei. Passiert ist dabei noch nie etwas. Höchstens ein kleiner Schnitt mit dem Taschenmesser – aber mehr als ein Pflaster hat es nie gebraucht. Die Kindergärtnerinnen – es sind immer zwei Pädagoginnen mit im Wald – machen den Kindern kaum Vorschläge: „Wir haben zwar ein Buch oder Spiel mit. Doch meist wollen die Kinder ihr eigenes Spiel machen", sagt Holer. Den Kindern gefällt es: „Ich hätte gerne eine Waldschule", wünscht sich Markus.

* Namen von der Redaktion geändert

 

Weitere Preisträger

- Verein Kiwozi für therapeutische Outdoor-Ausflüge (www.kiwozi.at)
- Wiener Kinderschutzzentrum für ein Theater-Gewaltpräventionsprogramm (www.kinderschutz-wien.at)
- Musik macht Spaß – Musikfrühförderung (www.mv-sipbachzell.at)
- Limda: Nachbarschaftsprojekt für Flüchtlingskinder (www.limda.org)
- Netzwerk Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit (www.kinderjugendgesundheit.at)