Das Rätsel der weiblichen Lust

© Bild: Akademie für Sexuelle Gesundheit

Fit für die Sinnlichkeit: Sexuell aktive Frauen sind körperlich und seelisch gesünder. Probleme sollten nicht übergangen werden.

Er ist das größte Rätsel in der Welt der Frauen - viele Männer sind daran gescheitert, manche wollen die Lösung schon gefunden haben. Das Problem daran: Jede Frau kommt auf ihre eigene Weise zum Orgasmus.

Unvergessen bleibt der vorgetäuschte Höhepunkt von Meg Ryan in "Harry und Sally" - er zeigte unverblümt, wie Frauen einen Orgasmus vorspielen, um ihrem Partner das Gefühl zu geben, dass er sie befriedigen kann. Die Szene ging in die Kinogeschichte ein.

Doch wie steht es tatsächlich um die weibliche Sexualität? "Wenn eine Frau nicht richtig erregt wird, hat das im Prinzip dieselben Ursachen wie bei Männern. Es kann an einer Erkrankung liegen, oder der Stressnerv drosselt die Erektionsnerven so sehr, dass die Frau nicht richtig erregt wird." Keine Lösung sei hierbei, einfach auf ein Gleitmittel zurückzugreifen. Es würde das eigentliche Problem umgehen.

Libido

"Wenn eine Frau nicht erregt wird, hat das dieselben Ursachen wie bei Männern." Elia Bragagna, Sexualmedizinerin
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Aktuelle Studien aus Australien und den USA haben erst kürzlich bewiesen, dass Frauen mit einem glücklichen Sexleben nicht nur zufriedener sind, sondern auch gesünder - bis ins hohe Alter. "Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig Sex für die Gesundheit ist. Frauen sollten mit ihrem Arzt unbedingt über Libido-Probleme reden", sagt die Leiterin der australischen Studie, Sonia Davison.

"Schätzungen zufolge leidet jede zehnte Frau früher oder später einmal an einer Sexualstörung", erklärt die Sexualmedizinerin Elia Bragagna und betont: "Um eine
Störung handelt es sich erst, wenn sie selbst darunter leidet." Die Probleme können sich etwa in Form von Lustlosigkeit, als Erregungs- oder Orgasmusstörung zeigen. Wird die Frau nicht ausreichend stimuliert, kann aus einem lustvollen Liebesspiel auch schnell eine schmerzhafte Tortur werden. Es gelte herauszufinden, ob die Probleme psychische, körperliche oder andere Ursachen haben.

Zeitabhängig

"In vielen Lebenslagen ist es aber auch durchaus normal, dass eine Frau keine oder wenig Lust auf Sexualität hat", erklärt Bragagna. Etwa nach der Schwangerschaft: "Es ist ganz natürlich, wenn Frauen nach der Geburt keine Lust auf Sex haben. Viele machen sich da unnötigen Druck, aber auch beim Mann verändern sich die Hormone und die Lust gerät für eine Weile in den Hintergrund."

Studien haben auch gezeigt, dass sexuelle Probleme von Frauen mit dem Alter steigen. Nicht weiter verwunderlich ist daher, wenn bei vielen die Lust rund um die Wechseljahre abnimmt - übrigens steigt in dieser Phase auch das Risiko für Depressionen. "Bei Frauen in der Menopause gilt, dass sie Östrogen brauchen, damit die Blutgefäße in ihrer Scheide gut aufgehen können und sie wieder besser erregt werden", erklärt die Sexualmedizinerin. "Dafür braucht es keine großen Hormontherapien - es genügen oft kleine Zäpfchen zum Einführen." Um das Rätsel der weiblichen Lust zu entschlüsseln, gilt es, sich beim Liebesspiel Zeit für eine sinnliche Entdeckungsreise zu nehmen. Ohne Druck kann sie sich fallen lassen - ohne etwas vortäuschen zu müssen.

Erstellt am 05.12.2011