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Valentinstag
02/14/2017

Das passiert im Körper, wenn wir uns verlieben

Das schönste aller Gefühle entsteht im Gehirn. Dafür verantwortlich ist ein Hormoncocktail.

von Ingrid Teufl

Ein Rauschgefühl, der Blick durch die "rosarote Brille" oder eine Obsession – für das Gefühl der Verliebtheit gibt es unzählige Bezeichnungen. Wenn Neurologen wie Antonio Damasio von der Universität Iowa den Überschwang der Gefühle als "kurzfristigen Hirnschaden" bezeichnen, kommt das den Erkenntnissen der Hirnforschung aus den vergangenen Jahren wohl am nächsten.

Das mag unromantisch klingen, doch in der Tat geht das schönste aller Gefühle vom Gehirn aus. Denn dort laufen jene hochkomplexen, biochemischen Prozesse ab, die den Betroffenen in eine Art Ausnahmezustand versetzen. Dort werden auch meisten der beteiligten Stoffe gebildet, erklärt Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

"Bei Verliebtheit ist eine Menge von sehr komplex zusammenwirkenden Hormonen aktiv", sagt Ao. Univ.-Prof. Eva Millesi, Leiterin des Departments für Verhaltensbiologie an der Universität Wien. Wesentlich beteiligt daran sind Hormone und Botenstoffe wie der Neurotransmitter Dopamin, sowie die Hormone Serotonin, Oxytocin oder das "Verliebtheitshormon" Phenylethylamin (PEA). Der Körper produziert im Zustand der Verliebtheit mehr davon als sonst. Dabei zeigt sich die Liebe in bestimmten Gehirnarealen. Das fand erstmals die New Yorker Anthropologin Helen Fisher heraus Sie schob Verliebte in eine MRT-Röhre und zeigte ihnen Bilder ihres Partners. Dabei war unter anderem das Belohnungssystem sehr aktiv. Der präfrontale Cortex, wo rationale Entscheidungen getroffen werden, zeigte sich hingegen besonders ruhig. Ebenso wurden jene Bereiche weniger durchblutet, die mit Angst und kritischen Bewertungen in Verbindung gebracht werden.

Doch auch der heftigste Hormonrausch bleibt nicht ewig auf so hohem Niveau. Ist die erste Phase der Verliebtheit nach 18 bis längstens 30 Monaten überstanden, übernehmen andere Substanzen im Körper die Herrschaft. Die Hormone, die bei Verliebtheit aktiv sind, unterscheiden sich deutlich von jenen, die in langjährigen Partnerschaften wirken. Dazu zählt etwa das "Treuehormon" Vasopressin, das ebenso wie Oxytocin die Bindung zweier Menschen unterstützt. "Bei ersteren wird unter anderem eine der Fortpflanzung dienende Attraktivität angesprochen", sagt Verhaltensbiologin Millesi. "Eine langfristige Bindung geht aber über die Fortpflanzung hinaus." Dieses Phänomen zeigte sich an Studien mit Prärie-Wühlmäusen, die nach dem Sex lebenslang zusammenbleiben. "Bei ihnen sind die Oxytocin-Rezeptoren besonders stark ausgeprägt." Im Gegensatz zu Wiesen-Wühlmäusen, die ständig Partner wechseln.

Liebesmedikamente?

Wenn die Liebe also Biochemie ist – könnte man ihr dann nicht auch medizinisch auf die Sprünge helfen? Seit Jahren hoffen Forscher darauf, derartige "Liebesarzneien" zu entwickeln: Etwa Oxytocin als Nasenspray, um lange Partnerschaften zu verbessern oder Dopamin-Präparate, um das Gehirn auf Verliebtheit zu trimmen. Und eine Pille gegen Liebeskummer würde gegen die schmerzhaften Gefühle bei Trennungen helfen. Verhaltensbiologin Millesi sieht Eingriffe in die natürlichen Systeme kritisch. "Beim Menschen spielen neben biochemischen auch psychologische und soziale Aspekte eine Rolle. Was Beziehungen und Partnerwahl betrifft, sind wir in großem Maße abhängig von Erfahrungen und Prägungen aus der Kindheit."

Broken Heart Syndrom

Engegefühle in der Brust, Herzschmerzen – so beschreiben Betroffene die Symptome des Broken Heart Syndromes (auch Stress-Kardiomyopathie), das in den 1990er-Jahren erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde. Viele denken an einen Herzinfarkt, doch eine verstopfte Ader ist nicht die Ursache. Es handelt sich bei den Beschwerden dennoch um ein Krankheitsbild – es wird durch Tod oder Trennung ausgelöst, weil sich die Herzkranzgefäße verengen und das Herz schlechter durchblutet wird. In der Regel erholt sich das Herz nach einigen Tagen wieder.

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