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Risikorechner
03/27/2014

Das Alter des Herzens bestimmen

Erhöhter Blutdruck oder erhöhtes Cholesterin lassen das Herz rascher altern. Das Risiko für einen Infarkt steigt dabei ab der Jugend kontinuierlich an.Ein neuer Online-Rechner kalkuliert, wie alt das Herz biologisch ist - und wie viele gesunde Jahre noch vor einem liegen.

von Ernst Mauritz

Das Risiko für Herzgefäßerkrankungen wie einen Herzinfarkt entsteht nicht nur in den Jahren unmittelbar vor dem Ereignis. Neue Forschungen zeigen: Das Risiko baut sich vielfach von der Jugend an langsam und kontinuierlich auf ("Lebenszeitrisiko"). Und: Die meisten Herzinfarkte und Schlaganfälle ereignen sich bei Menschen in einer "mittleren" Risiko-Kategorie. Doch dies sei vielen nicht bewusst. Die meisten Menschen würden ihr Risiko für Krankheiten wie Arteriosklerose und Herzinfarkt unterschätzen "und Krebs als die größere Bedrohung sehen - obwohl die Wissenschaft genau das Gegenteil bestätigt", heißt es bei den britischen Fachgesellschaften zur Prävention von Herzgefäß-Erkrankungen.

Sie haben deshalb einen Risikorechner entwickelt, der diese neuen Erkenntnisse berücksichtigt und mit einer simplen Jahreszahl das wahre Alter des eigenen Herzens angibt. Denn dieses kann - bei entsprechenden Risikofaktoren wie Übergewicht oder Rauchen - höher sein als das Lebensalter. Gleichzeitig gibt der Risikokalkulator an, mit wie vielen Lebensjahren ohne Herzinfarkt oder Schlaganfall man bei seinem persönlichen Risikoprofil im Durchschnitt noch rechnen kann - und wie groß der Unterschied zu jemandem ist, der keine Risikofaktoren hat.

In erster Linie für Ärzte gedacht, kann aber auch jeder selbst die Daten eingeben. Neben Geburtsdatum, Größe und Gewicht (für die Ermittlung des Body-Mass-Index) sind es auch die Cholesterinwerte, der erste (systolische) Blutdruckwert des Blutdruck-Zahlenpaares sowie einige weitere Fragen zum Gesundheitszustand (derzeit ist ABER nur eine englische Version verfügbar).

Plakatives Beispiel

Wie stark sich der Lebensstil auf das Herzinfarktrisiko auswirkt, zeigt folgendes Beispiel:

Eine 35-jährige Frau, Raucherin, mit einem Gesamtcholesterin von 270 mg/dl und Fällen von frühen Herzgefäßerkrankungen in der Familie, hat ein Herzalter von bereits 47 Jahren. Und sie muss; wenn sich an ihren Risikofaktoren nichts ändert, statistisch gesehen damit rechnen, rund um das 71. Lebensjahr einen Herzinfarkt zu bekommen.

Hört sie hingegen mit dem Rauchen auf, senkt sie ihr Gesamtcholesterin auf 155 mg/dl und ihren ersten Blutdruckwert auf 130, verjüngt sich ihr Herzalter auf 30 Jahre. Und sie könnte damit rechen, im Normalfall nicht vor einem Alter von 85 Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

"Das zeigt, dass für die Mehrheit der Bevölkerung eine frühe und nachhaltige Änderung des Lebensstils weit mehr bringt als die Verschreibung von Medikamenten", schreiben die Experten in ihren neuen Empfehlungen.

Die Zahl der Todesfälle durch Herzgefäßkrankheiten hat sich in den vergangenen 40 bis 50 Jahren in den einkommensstarken Industriestaaten halbiert - dank besserer Vorsorge und besserer Therapien. "Aber trotz dieses eindrucksvollen Fortschrits gibt es keinen Grund zur Selbstzufriedenheit", betonen die britische Kardiologen.

Infarkte: Anstieg erwartet

In den nächsten Jahren wird die Anzahl der Herzinfarktpatienten stark ansteigen. Der Grund: Die sogenannte Baby-Boom-Generation der 1960-er bis 68-er wird ein Alter erreichen, in dem statistisch gesehen das Risiko eines Herzinfarkts am höchsten ist, sagt Wolfgang-Michael Franz, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie der MedUni Innsbruck. Erst 2023 wird die Anzahl der Menschen im Risikoalter durch den „Pillen-Knick“ (starker Geburtenrückgang durch die Einführung der Antibabypille), wieder abnehmen.

Statistisch gesehen erleiden die meisten Menschen im Alter von 57 Jahren einen Herzinfarkt. „Das liegt daran, dass man mit 57 zwar schon älter ist, die Menschen aber trotzdem noch einem maximalen Belastungsstress durch Beruf und Alltag ausgesetzt sind“, sagt Michael Grimm, Direktor der Universitätsklinik für Herzchirurgie der MedUni Innsbruck.Erst mit noch höherem Alter würden sich die Menschen dann häufig zurück nehmen und ein ruhigeres Leben führen, meinte Grimm.

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