Wissen und Gesundheit
23.09.2017

Darum wird Gastritis und Reizmagen oft verwechselt

Schmerzen im Oberbauch locken Betroffene mitunter auf die falsche Fährte.

Brennende Schmerzen im Oberbauch oder Druck in der Magengegend: Derartige Symptome interpretieren viele Betroffene – und auch Ärzte – als Gastritis. "Aber viele dieser sogenannten Magenschmerzen werden nicht durch eine organische Entzündung, wie sie eine Gastritis darstellt, ausgelöst", sagt Univ.-Prof. Harald Vogelsang von der klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der MedUni Wien.

Als Gastritis wird eine Entzündung der Magenschleimhaut bezeichnet. Während die akute Form oft durch übermäßigen Konsum von schleimhautreizenden Substanzen (siehe Grafik) entsteht und meist schnell wieder ausheilt, entwickeln sich chronische Formen schleichend und unbemerkt. Sie machen allerdings vielfach gar keine Beschwerden. "Die Entzündungen der Magenschleimhaut spürt man gar nicht. Was die Patienten belastet, sind auftretende Schmerzen – und dafür ist oft ein Reizmagen die eigentliche Ursache."

Häufiger als Gastritis

Dieser tritt sogar häufiger auf als Gastritis. "Rund 20 Prozent der Bevölkerung in der westlichen Welt sind davon betroffen." Vogelsang empfiehlt, diese Möglichkeit vor allem bei immer wiederkehrenden Beschwerden in Erwägung zu ziehen. Die Beschwerden ähneln zwar jener der Gastritis, die Ursache bleibt aber verschwommen. Organisch ist meist nichts zu finden. "Der Reizmagen ist eine klassische psychosomatische Erkrankung." Ein Auslöser könne – ebenso wie bei der Gastritis – etwa Stress sein. "Es gibt Menschen, die unter großen Belastungen immer wieder Magenschmerzen bekommen."

Magenspiegelung gibt Klarheit

Klarheit über die Diagnose geben Magenspiegelung und eine Gewebeuntersuchung . "Wenn im entnommenen Gewebe zwar Entzündungszellen gefunden werden, aber die Oberfläche der Schleimhaut nicht geschädigt ist, spricht das eher für einen Reizmagen als eine Gastritis", erklärt Vogelsang. Bei einer Biopsie lässt sich auch feststellen, ob der Patient mit dem Bakterium Heliobacter pylori infiziert ist. Diese (Typ B) tritt bei mehr als 80 Prozent aller chronischen Gastritis-Patienten auf. Sie ist aber auch jene Form, die eindeutig weniger wird, sagt Vogelsang. Und zwar, weil sie zunehmend behandelt wird. Allerdings heißt eine Infektion mit dem Heliobacter-Keim nicht zwingend, dass man erkranken muss. "Rund zehn Prozent der unter 30-Jährigen tragen den Keim in sich, ohne je an einer Gastritis zu erkranken", so die Ernährungsmediziner Irmgard Fortis und Ernst Kriehuber in ihrem Buch "Ernährung bei Gastritis".

Vorbeugung

Kann man einer Gastritis oder einem Reizmagen auch vorbeugen? Nur bedingt, sagt Vogelsang. "Man kann auftretende Symptome aber als ein Warnsignal für eine Überbelastung sehen und etwas an seinen Lebensstil verändern." Neben ausreichender Entspannung trägt auch die Ernährung dazu bei. "Fett und Alkohol provozieren richtiggehend Symptome", warnt Vogelsang. Fortis und Kriehuber sehen die Ernährung nur in den seltensten Fällen als den einzigen Auslöser für Magenprobleme. Sie schlagen je nach Art der Beschwerden unterschiedliche Kostpläne vor: Leichte Kost, etwa Schleimsuppen und ungesüßter Tee, bei akuten Beschwerden. Bei immer wiederkehrenden Problemen entlastet ausgewogene, fettarme Mahlzeiten.

Buchtipp: Irmgard Fortis, Ernst Kriehuber, Johanna Kriehuber, Ernährung bei Gastritis, Verlag Maudrich, 19,90 €