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Wissen
10/04/2020

Covid-19-Spürhunde: Der zuverlässigste Schnelltest kommt auf vier Pfoten

In manchen Ländern werden bereits Corona-Spürhunde eingesetzt. Auch in Österreich wird das erste Tier trainiert. Wie schnell die Hunde lernen, überrascht sogar die Forschung.

von Valerie Krb

Sie sind der zuverlässigste unter den Corona-Schnelltests. Und das Ergebnis gibt es sofort. Dazu braucht es weder medizinisches Equipment, noch ein Labor. Denn der Corona-Test, von dem hier die Rede ist, kommt auf vier Beinen.

Seit gut einer Woche werden Covid-19-Spürhunde am Flughafen Helsinki eingesetzt. Speziell trainierte Hunde helfen dort, Infizierte zu identifizieren. In Kontakt mit den Reisenden kommen sie dabei nicht. Denn bei den Kontrollen werden Hautabstriche genommen und den Hunden in einem abgetrennten Raum zum Schnüffeln gegeben. „Wir gehören zu den Pionieren“, sagte Flughafen-Chefin Ulla Lettijeff anlässlich des Starts. Ein ähnliches Projekt gibt es am Flughafen von Dubai. Erste Versuche unternehmen auch die USA, Chile und Großbritannien.

Eine Woche Training

Wie verlässlich diese Art der Tests sind, zeigt die bisher einzige Studie zu Covid-19-Spürhunden der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Das Team aus Tierärzten bestätigt: Hunde können eine Corona-Infektion recht zuverlässig erschnüffeln. Und recht zuverlässig heißt in diesem Fall: mit 94 Prozent, sagt Tierärztin Friederike Twele, die an der Studie mitgearbeitet hat.

Was die Forscher am meisten überrascht hat: Die hohe Trefferquote gelang bereits nach einer Woche Training. „Die Hunde waren so schnell im Lernen, dass wir nicht nachgekommen sind, die Proben dafür zu beschaffen“, erzählt ihr Kollege Sebastian Meller.

Von Sprengstoff bis Krebs: Neben dem Aufspüren von Sprengstoff, Rauschgift, Leichen und Minen können Hunde viele Krankheiten erschnüffeln. So entdecken sie Krebs, warnen Diabetiker vor Unterzuckerung und Epileptiker vor Anfällen. Zudem können sie Bakterien wahrnehmen, die etwa auf eine Lungenentzündung hindeuten.

Malaria: Zuletzt fanden Forscher heraus, dass Hunde sogar Malaria riechen können. Sie erkennen den Geruch an getragenen Kleidungsstücken, noch bevor die Person Symptome entwickelt hat.

Geforscht wurde allerdings nicht mit gewöhnlichen Haushunden, sondern mit Spürhunden der deutschen Bundeswehr. Diese Tiere seien bereits ausgebildet, etwa um Sprengstoff aufzuspüren, und dementsprechend geübt im Lernen, erklärt Twele. Prinzipiell aber könne jeder Hund auf Covid-19 trainiert werden. Nur dauere die Ausbildung dann eben länger. Und: „Es gibt Rassen, die besser geeignet sind, wie Bluthunde, Beagle, Retriever und Schäferhunde.“ Durch die lange Nase gebe es eine größere Oberfläche, um Gerüche wahrzunehmen. „Bei einem kleinen Mops ist schon das schwieriger.“

Auch das österreichische Bundesheer startete im Juli einen Versuch. Für die belgische Schäferhündin mit dem kunstvollen Namen „Fantasy Forever vom Seetalblick“ ist es die erste Spürhundausbildung. Sie wird sowohl an Duftröhrchen als auch an Masken von Infizierten trainiert. „Ob diese spezielle Ausbildung zu einem fixen Bestandteil im Militärhundezentrum wird, wird sich erst nach dieser Testphase zeigen“, sagt Verteidigungsministerin Klaudia Tanner. Wann es so weit ist, ist unklar.

Stoffwechsel verändert

Wie also riecht das Coronavirus? „Das Virus an sich hat keinen Geruch, weil es keinen eigenen Stoffwechsel hat. Aber durch eine Infektion wird der Stoffwechsel des Menschen verändert und somit Stoffe ausgeschieden, die der Hund wahrnimmt“, sagt Tierärztin Twele. Die beiden Wissenschaftler sind sich sicher: Hunde können uns bei der Pandemie helfen – vor allem, wo viele Menschen aufeinandertreffen. Also an Flughäfen, Grenzen oder bei Großveranstaltungen.

Bevor die ersten Spürhunde in Deutschland zum Einsatz kommen, will die Tierärztliche Hochschule zuerst noch weiter forschen. Etwa um abzuklären, dass die Hunde nicht auf andere Viren, wie Influenza, anspringen. Und um sicherzugehen, dass die Proben so aufbereitet sind, dass das Coronavirus weder auf den Hund noch auf andere Menschen übertragen wird.

Das Ziel aber ist klar: „Wir wollen uns die Sinneswahrnehmung anderer Wesen zunutze machen.“

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