Diskussion: MIt dem Burkini das Hautkrebsrisiko senken?

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Dermatologe
08/31/2016

Burkini: "Geeignetes Modell gegen Hautkrebs"

Deutscher Top-Mediziner bei Weltkongress in Wien: Anstieg der Erkankungszahlen könnte mit dem Burkini gestoppt werden.

von Ernst Mauritz

"Der Burkini wäre ein geeignetes Modell, die Hautkrebsinzidenz (die Häufigkeit von jährlichen Neuerkrankungen an Hautkrebs, Anm.) langfristig zu senken." Das meint zuminest der Hautkrebsspezialist Prof. Claus Garbe, Präsident der Europäischen Gesellschaft für Dermato-Onkologie (EADO) und Ärztlicher Leiter der Sektion für Dermato-Onkologie der Universitäts-Hautklinik Tübingen. Er war Mittwochvormittag einer der Referenten bei einer Pressekonferenz anlässlich des Welthautkrebs-Kongresses, der derzeit in der Wiener Hofburg stattfindet. Die EADO ist einer der beiden Organisatoren des Weltkongresses.

Bis 2030 sei auf jeden Fall mit einem weiteren Anstieg der Hautkrebszahlen zu rechnen. Aber unter anderem mit dem Burkini und anderer geeigneter Bademode "könnten wir die Chance haben, gegen 2050 die Trendwende zu erreichen". Damit könnte der Burkini aus Sicht des Hautkrebsspezialisten laugfristig auch Menschenleben retten. "Der Burkini ist eine denkbare Variante eines effektiven Sonnenschutzes."

"Sonnenschutzgedanke"

"Der Burkini wurde von einer Australierin entworfen", so Garbe. Zum einen für muslimische Frauen, aber auch aus dem Sonnenschutzgedanken heraus. "50 Prozent der Burkinis verkaufen sich an Nicht-Musliminnen", meint der Onkodermatologie. Auch Hautkrebspatientinnen würde sie nützen.

"Es könnte durchaus sein, dass sich hier eine Revolution der Bademode ankündigt."

Der Onkodermatologe Univ.-Prof. Christoph Höller von der MedUni Wien und einer der beiden Kongresspräsidenten betonte bei der Pressekonferenz, dass es auch andere, vor der UV-Strahlung schützende Schwimmbekleidung gebe - wie etwa spezielle T-Shirts.

Und der größte Risikofaktor ist sowieso das ausgiebige Sonnenbraten auf dem Liegestuhl. „Bei einer solchen absichtlichen Sonnenexposition kann auch die Sonnencreme das Hautkrebsrisiko nicht senken“, sagt Garbe.

Anders sei dies bei grundsätzlich unbeabsichtigter UV-Bestrahlung, wenn man zum Beispiel wandern geht, durch die Kleidung (z.B. Kappe) geschützt ist und zusätzlich Sonnencreme verwendet: „Dann bieten Sonnenschutzmittel guten Schutz.“ Vor allem die langfristige Anwendung von Sonnenschutz gegen die tägliche UV-Strahlung – etwa durch Tagescremen mit einem Faktor 10 bis 20 – sei sehr wirkungsvoll.

"Explosionsartige Zunahme"

Univ.-Prof. Hubert Pehamberger, ebenfalls Kongresspräsident, langjähriger Leiter der Universitätsklinik für Dermatologie an der MedUni Wien und jetzt ärztlicher Direktor der Privatklinik Rudolfinerhaus, betonte, dass 1935 einer von 1500 Menschen in Österreich an Hautkrebs erkrankte, 2010 war es bereits einer von 50. „Wir sehen eine explosionsartige Zunahme.“

Rund 1500 Melanom-Neuerkrankungen („schwarzer Hautkrebs“) gibt es offiziell jährlich in Österreich, die Dunkelziifer ist aber wesentlich höher, betonte Pehamberger. „Die Statistik Austria erfasst nur die Fälle in den Spitälern, aber nicht jene im niedergelassenen Bereich.“

Die Zahl der Fälle an Weißem Hautkrebs wird auf rund 30.000 jährlich geschätzt. In den kommenden Jahren sei mit einem weiteren deutlichen Anstieg zu rechnen.

90 Prozent der Hautkrebstodesfälle werden durch das Melanom verursacht.

Hohe Heilungschancen

„Die beste Therapie ist die Früherkennung“, betont Kongresspräsident Univ.-Prof. Hubert Pehamberger.. Die Heilungschance bei einem Melanom liegt bei 80 Prozent – wenn es rechtzeitig entfernt wird. Hoffnung bedeuten für viele Melanompatienten im fortgeschrittenen Stadium neue, zielgerichtet wirkende Medikamente sowie Therapien, die den Krebs für das Immunsystem sichtbar machen.

Univ.-Prof. Christoph Höller: „Die durchschnittliche Überlebenszeit dieser Patienten betrug mit Chemotherapie früher sechs bis sieben Monate. Heute sind es drei und mehr Jahre.“

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