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Studie
07/06/2015

Blut in der Windel: Was die Ursache sein kann

Eine neue Untersuchung zeigt mögliche Erklärungen für Blut im Stuhl von Säuglingen.

Blut in der Windel ist für die Eltern von Säuglingen ein beunruhigender Anblick. Ist das Befinden des Kindes nicht wesentlich beeinträchtigt, wurde bisher als häufigste Ursache eine allergische Reaktion auf Kuhmilch-Proteine angenommen. Martin Hoffmann von der Med-Uni Graz vermutet dahinter jedoch ein Ungleichgewicht der Mikroben der Darmflora und hat dazu eine systematische Studie initiiert.

Blutbeimengungen im Stuhl bei Säuglingen sind ein deutliches Signal, auch wenn es oftmals einen harmlosen Grund wie einen Einriss der Analschleimhaut hat. Weitere Ursachen können Hämorrhoiden, eine Magen-Darm-Infektionen, Ausstülpungen der Schleimhaut oder wie bisher in vielen Fällen angenommen - eine Kuhmilch-Protein-Allergie - sein. Geht der blutige Stuhl mit einer Entzündung des End-und Dickdarms einher, spricht man von einer distalen Proktokolitis, wie es in einer Mitteilung der Medizinischen Universität Graz hieß.

Im Fall der distalen Proktokolitis zweifelt Hoffmann das bisherige Erklärungsmodell einer allergischen Reaktion an. Es habe sich in vielen Fällen gezeigt, dass eine mehrwöchige Eliminationsdiät ohne Kuhmilch-Proteine, zu einer Verbesserung führt. Nehmen die Säuglinge dann wieder Kuhmilch-Proteine zu sich, kommt es aber nicht in allen Fällen wieder zu einer neuerlichen Verschlechterung: "In diesen Fällen kann es sich nicht um eine Allergie handeln", schilderte Hoffmann auf Anfrage der APA. "Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass der Wechsel der Ernährung und die einhergehende Veränderung der Darmflora, die wahre Ursache ist", betonte der Grazer Forscher.

Ungleichgewicht fördert schädliche Bakterien

Hoffmann sprach in diesem Zusammenhang von einer sogenannten Dysbiose, also einem Zustand des Ungleichgewichts, der Darmflora. "Gerät sie aus ihrer normalen Balance, können schädliche Bakterien überhandnehmen." Die Umstellung der Säuglingsnahrung auf kuhmilchfreie Ernährung würde demnach eine "Normalisierung der Darmflora" bewirken - und nicht wie bisher angenommen - eine Beendigung einer allegischen Reaktion. "Das wäre eine grundlegende Veränderung im Verständnis und der Erklärung der Erkrankung", unterstrich der Mediziner.

Zur eindeutigen Klärung seiner These wird an der Grazer Kinderklinik nun eine Studie mit Stuhlproben von rund 130 Säuglingen mit und ohne Darmentzündung durchgeführt. Eine Herausforderung sei die Erfassung aller verschiedenen Arten von Bakterien: Dazu wird die 16s-rRNA-Analyse, die spezielle genetische Abschnitte der Mikroben untersucht, eingesetzt. Eine weitere Hürde ist der Umstand, dass sich die Darmflora im ersten Lebensjahr auf natürlichem Weg permanent verändert, wie Hoffmann schilderte. Das erschwere die Erfassung von zusätzlichen Veränderungen durch eine Erkrankung: "Wir werden deshalb für jedes einzelne Kind analysieren, wie sich seine Darmflora innerhalb von acht Wochen verändert und erwarten, dass wir in den untersuchten Gruppen unterschiedliche Muster erkennen werden." Das Projekt wird vom Wissenschaftsfonds FWF bis 2018 unterstützt.

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