Blaues Blut

30 Minuten im OP: Nach dem Eingriff wird für zwei Tage ein Druckverband angelegt. © Bild: gilbert novy

Von einer, die auszog, um sich die Krampfadern behandeln zu lassen.

Ein Venenkrampf ist fürchterlich", erzählte Freundin C. beim Damenabend. Und brachte damit ein Gesundheitsthema ins Spiel, das bisher vor allem Großmüttern und Müttern vorbehalten war. Krampfadern – Fachbegriff "Varizen" – sind eine Volkskrankheit. Von älteren Bevölkerungsgruppen sind bis zu 80 Prozent betroffen. Bei ihnen sind die blauen Adern unter der Haut stark zu sehen, treten heraus, schmerzen oder schwellen an. Und sie können sich entzünden. Für Krampfadern gibt es keine Altersuntergrenze. Ich habe Freundinnen, die vor ihrem 40. Geburtstag Stützstrümpfe tragen mussten.

Ich selbst spürte oft ein Ziehen im Bein und sah die Adern heraustreten. Irgendwann beschloss ich also, einen Spezialisten aufzusuchen. Mit seinem Ultraschallgerät analysierte der Wiener Gefäßchirurg Prof. Wolfgang Trubel den Blutfluss im Unterschenkel, beim Knie und im Oberschenkel. Und er untersuchte die Stammvene in der Mitte des Beines sowie die sichtbaren blauen Venen an der Hautoberfläche.

Stau im Bein

Die Diagnose: Die Venenklappe meines rechten Oberschenkels schließt nicht mehr ordentlich. So fließt Blut wieder in die Vene zurück anstatt nur heraus. Seine bildhafte Erklärung half mir, zu verstehen: "Man muss sich das wie eine Schwingtür vorstellen. Eigentlich sollte das Blut nur zum Herz zurücktransportiert werden, aber jetzt fließt es auch in die Gegenrichtung und sorgt für einen Stau", erklärte der Gefäßchirurg. Drei Schwangerschaften waren da nicht hilfreich, die "schlechten" Venen wurden mir vererbt.

Sein Vorschlag: "Ich verschließe die Venenklappe oben. In die vergrößerte Ader bei der Wade spritze ich den Schaum, der die Vene verklebt und später auflöst." Das klang für mich weniger abschreckend als das verbreitete "Stripping": Dabei wird die Vene abgeschnitten und herausgezogen (siehe Kasten). Durchgeführt wird die Operation ambulant, unter Lokalanästhesie, entweder im Spital oder in der Ordination.

Krampfadern OP , Privatklinik Döbling…
Krampfadern OP , Privatklinik Döbling © Bild: gilbert novy

Als es bei mir so weit war, kam ich mir ein bisschen vor wie in den Schönheits-TV-Doku-Soaps. Trubel malte grüne Striche auf meine Haut, um zu markieren, wo er danach schneiden und einspritzen würde. Im letzten Moment bekam ich beinahe kalte Füße.

Dann ging alles ruckzuck: eine halbe Stunde später lag ich im OP-Saal. Dabei schnitt der Arzt an der Beuge zwischen Hüfte und Oberschenkel und verschloss die Venenklappe.

Krampfadern OP , Privatklinik Döbling…
Krampfadern OP. © Bild: gilbert novy

Schließlich spritzte er den Schaum in zwei Punkte ober- und unterhalb des Knies. Zum Abschluss bekam ich einen Druckverband bis zum Oberschenkel und darüber einen weißen Spitals-Stützstrumpf. Unmittelbar danach schmerzte mein Bein kaum, es zog etwas. Die Wunde über dem Oberschenkel spürte ich. Bald hieß es: Aufstehen und gehen, um den Kreislauf zu stärken.

Verband ab

Nach zwei Tagen nahm ich den Verband ab. Für Empfindsame etwas unangenehm, weil Haare mitgehen – wie beim Harzen. Belohnt wird man mit einer warmen Dusche. Die Wunden bleiben mit wasserfesten Pflastern verklebt.

Nach einer Woche zog der Chirurg die Fäden. Das blieb: eine etwa fünf Zentimeter lange Naht, die aber schön heilen sollte und vom Bikini verdeckt wird. Und berührungsempfindliche Beine, wie vom Arzt angekündigt. Ein bisschen unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Stützstrümpfe halfen.

Nach wie vor nehme ich Tabletten zur besseren Durchblutung und schmiere Venensalbe. Bald aber steige ich auf Sonnencreme um – der Sommer kann kommen.

Schaum und Licht ergänzen das Skalpell

Die Wahl der Krampfadern-Behandlung hängt nicht zuletzt vom Ausmaß der Beschwerden ab: Ist die Stammvene beeinträchtigt, oder stören nur kleine „Besenreißer“ den Anblick? Ist es eine medizinische oder eine ästhetische Frage? Davon hängt auch die Bezahlung durch die Krankenkassen ab.
Bei der üblichen Venen-Operation, dem „Stripping“, wird die Haut an mehreren Stellen aufgeschnitten und die Vene herausgezogen. Der Eingriff erfolgt im Spital und ist sehr nachhaltig, kann aber für Nebenwirkungen wie Nervenreizungen sorgen. Je nach Eingriff und Patient erfolgt er mit oder ohne Narkose. Eine Zwischenlösung ist die Kombination aus Lokalanästhesie und Dämmerschlaf, bei dem die Patienten den Eingriff „verschlafen“, statt einer Vollnarkose.
Mehrere neue Methoden helfen, die Venen im Bein zu behalten und nur von innen zu behandeln (endovaskulär). Bei der Verödung durch Schaum, Laser oder Radiowellen werden die Venen nur teilweise außer Dienst gesetzt, bleiben aber im Bein. Der Vorteil: Es ist keine blutige Operation nötig, was gerade für Patienten wie Diabetiker oder Bluter von großer Bedeutung ist. Kritiker warnen aber davor, dass die Probleme nicht langfristig behoben sein könnten.
Die von Trubel verwendete kombinierte Methode MIK stammt aus Holland. Operiert wird der Entstehungsort der Krampfadern in der Leiste oder der Kniekehle. Die übrigen Venen werden durch Verödung und mittels Laser beseitigt.

Erstellt am 15.03.2014