Wissen und Gesundheit
04.04.2017

Bisexuell durch Progesteron in der Schwangerschaft

Die Hormongabe zur Verhinderung einer Frühgeburt kann die sexuelle Orientierung des Kindes beeinflussen.

Die Wahrscheinlichkeit für Bisexualität kann durch die Gabe des Sexualhormons Progesteron in der Schwangerschaft erhöht werden. Das ist das Ergebnis einer Studie von June Reinisch, der emeritierten Direktorin des US-amerikanischen Kinsey Instituts. Die Arbeit ist im Fachjournal Archives of Sexual Behavior erschienen.

Für die Studie wurde die sexuelle Entwicklung von 34 Dänen verfolgt, deren Mütter mit Progesteron behandelt wurden, um eine Fehlgeburt zu vermeiden. Diese Therapie wird dann eingesetzt, wenn die Schwangeren bereits eine Frühgeburt hinter sich haben und es sich um eine Einzelschwangerschaft handelt. Sie soll die Frühgeburtenrate um 30 bis 50 Prozent senken.

34 Dänen ausgewählt

Die 34 Dänen (Frauen und Männer) wurden zwischen 1959 und 1961 im Universitätsspital von Kopenhagen geboren. Sie wurden deshalb ausgewählt, weil ihre Mütter Progesteron zur Verhinderung einer Frühgeburt erhielten. Und sie wurden verglichen mit einer Kontrollgruppe: Hier erhielten die Mütter keinerlei hormonelle Behandlungen. Bei der Auswahl der Probanden für die Kontrollgruppe wurde auch darauf geachtet, dass es bei 14 speziellen Faktoren (medizinisch ebenso wie sozioökonomische) eine gewisse Übereinstimmung mit der anderen Gruppe gab.

Die umfangreiche Befragung durch einen Psychologen über die sexuelle Orientierung bzw. über die Intensität des Sich-Hingezogenfühlens zu Frauen wie auch zu Männern ergab: Jeder / jede Fünfte aus der Gruppe, deren Mütter Progesteron erhielten, bezeichnete seine sexuelle Orientierung anders als mit dem Wort "heterosexuell". In der Kontrollgruppe stuften sich hingegen deutlich mehr als "heterosexuell" ein.

Mehr sexuelle Erfahrungen

Auch war in der Gruppe mit der Progesteron-Gabe im Alter zwischen 20 und 30 Jahren die Gruppe derer größer, die bereits in irgendeiner Form sexuelle Erfahrungen mit demselben Geschlecht gemacht hatte (bis zu 24,2 Prozent).

Knapp 30 Prozent aus der "Progesteron-Gruppe" fühlten sich zum selben Geschlecht und knapp 18 Prozent zu beiden Geschlechtern hingezogen.

"Der Kontakt mit Progesteron erhöhte die nicht-heterosexuelle Selbstidentifikation, die Anziehung zum selben oder zu beiden Geschlechtern und auch Sexualkontakte mit dem gleichen Geschlecht", sagt Reinisch.