Erderwärmung bringt Bienen ins Schwitzen
Die bayrischen Hautflügler befanden sich gerade in Winterruhe, als sie an 161 Standorten samt Niströhrenfalle eingesammelt wurden. In Summe gelangten so fast 15.000 Einzelindividuen aus 168 m bis 1.122 m Seehöhe an die Universität Würzburg. Dort wurden die Repräsentanten von fünf Wildbienen- und Wespenarten verschiedenen Klimaszenarien ausgesetzt. Sie bekamen es kalt, warm und heiß zu spüren.
Nun liegen die Ergebnisse des Experiments vor: Ob Frühjahrs- oder Spätsommerart – alle fünf Spezies verlegten ihren Schlupf bei höheren Temperaturen vor.
Bienen aus kühleren Regionen leiden besonders unter dem Temperaturanstieg
Im Detail zeigten sich je nach klimatischer Herkunft deutliche Unterschiede: „Die Insekten aus kühleren Regionen sind besonders anfällig für warme Frühjahre. Sie verlieren schneller ihre Energiereserven und haben dadurch schlechtere Startbedingungen“, resümiert Cristina Ganuza, Erstautorin der Studie, in einer Aussendung. Die coolen Frühstarterinnen der Sommerarten büßten in der vorgegaukelten Erderwärmung gar bis zu 34 Prozent ihrer Körpermasse ein.
„Die Daten untermauern die Flexibilität von Populationen, auf Umweltänderungen zu reagieren“, ordnet Dominique Zimmermann vom Naturhistorischen Museum Wien die deutsche Forschungsarbeit ein.
Was im Nachbarland gilt, trifft auch in Österreich zu. Die meisten Wildbienenarten überwintern hier als verpuppte Larven u.a. im Boden oder Holz. Die Rostrote Mauerbiene z.B., die zeitig im Jahr ausfliegt, überdauert die unwirtliche Saison voll entwickelt im Kokon. Arten dagegen, die erst im Sommer schlüpfen, müssen ihre Metamorphose im Frühjahr noch abschließen.
Nahrungsspezialisten finden bei Frühstart wenig Futter
„Nahrungsspezialisten, die auf spezielle Blüten bzw. Beutetiere angewiesen sind, sind von Verschiebungen stärker betroffen als Generalisten“, sagt NHM-Kuratorin Zimmermann.
Höhere Temperaturen führen nicht nur dazu, dass Fettreserven schneller verbrennen, der Klimawandel stört zudem die Synchronisation zwischen hungrigen Insekten und ihrem Futterangebot. Letztlich wirkt sich die verringerte Fitness auf nachfolgende Generationen aus.
„Wie gut sich Bienen und Wespen an Veränderungen anpassen, hängt auch von der Größe der Population ab“, erklärt die Entomologin, die gerade an einer österreichischen Roten Liste der Wildbienen mitarbeitet.
Tatsächlich gibt es wenige Sechsfüßer, die mit den aktuellen Bedingungen gut zurechtkommen, während viele Spezies starke Einbußen verzeichnen. Die Ochsenzungen-Seidenbiene etwa zählt zu den gefährdeten Arten. Kuckuckshummeln Psithyrus spp. mit ihrer sozialparasitischen Lebensweise kämpfen ebenfalls ums Überleben. Im schlimmsten Fall stirbt eine Art regional aus.
Schutzmaßnahmen helfen Wildbienen und Wespen
„Die Schaffung zusammenhängender Lebensräume mit Nahrungs- und Nistplätzen, Renaturierung statt Versiegelung und der Verzicht auf Insektizide und Pestizide helfen, den Trend umzukehren“, sagt Zimmermann. Einzelne Arten profitierten lokal sogar vom Temperaturanstieg. Insgesamt sei der Klimawandel mit den Extremwetterereignissen aber ein erheblicher Stressor für Berglandhummel, Hosenbiene und Co.
Die deutschen Kollegen präzisieren im Fachjournal Functional Ecology: „Die unterschiedlichen Reaktionen früh- und spät schlüpfender Arten verdeutlichen, dass die Auswirkungen eines wärmeren und unvorhersehbaren Klimas sowohl von Lebenszyklen als auch von der langfristigen Anpassung an Temperaturbedingungen abhängen.“
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