Wissen und Gesundheit
16.08.2017

Bei Angst klammern Menschen statt zu flüchten

Soziale Geste: Forscher analysierten hunderte Fotos von Menschen in furchteinflößenden Situationen.

Das Herz klopft, der Botenstoff Adrenalin macht unempfindlich gegen Schmerz – und gibt Energie, damit das tief verankerte, evolutionäre Programm angesichts von akuter Gefahren ablaufen kann: Die Flucht. Doch offenbar kommt es bei Angstreaktionen darauf an, ob man sich dem Schrecken alleine oder in einer Gruppe stellt.

Verhaltensforscher der Universität Neuenburg in der Schweiz und der „Ecole normale superieure“ (ENS) in Paris kamen nun zum Schluss, dass bei einer Gruppe die sozialen Bindungen dem Fluchtgedanken überwiegen. Für ihre Studie, die im Fachmagazin Royal Society Open Science veröffentlicht wurde, untersuchten sie 460 Fotos von Menschen in einer akuten Angstreaktion.

Fotos aus "Spukhaus"

Diese stammten aus der kanadischen Touristenattraktion Nightmares Fear Factory, die mit automatischen Kameras aufgezeichnet wurden. Die angsteinflößenden Szenen spielen sich in einer alten Sargfabrik nahe der Niagara Fälle ab. Der ehemalige Besitzer wurde anno dazumal während eines nächtlichen Streits mit Eindringlingen von Särgen erschlagen – und soll seither im Haus spuken und dieses wütend gegen jeden verteidigen.

Soziale Geste

Die Erlebnisse der Besucher dieser „Angstfabrik“ sind derart erschreckend, dass sich die meisten auf den Fotos instinktiv aneinanderklammern. „Individuen versuchen sich zu beruhigen, indem sie ihre Begleitung am Arm ergreifen“, erklärt Guillaume Dezecache von der Uni Neuenburg den Mechanismus. Sie erwarten dies auch von der anderen Person – ein Ausdruck gegenseitiger Sorge. Die soziale Handlung, physischen Kontakt mit einer anderen Person zu suchen sei vom Wunsch motiviert, sich selbst zu schützen. Interessanterweise nimmt das gegenseitige umso mehr ab, je größer die Gruppe ist.