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Schmerz
10/31/2012

Arzt-Gespräch verbessert Schmerztherapie

Je besser die Kommunikation, umso größer sind die Linderung der Beschwerden und die Lebensqualität.

Angst vor Nebenwirkungen – das ist der häufigste Grund, warum Patienten vom Arzt verschriebene Schmerzmittel nicht einnehmen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Anästhesie-Schmerzambulanz der Charité Berlin, die vor kurzem bei den Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerz-Gesellschaft (ÖSG) vorgestellt wurde. "Eine gute Kommunikation zwischen Schmerzpatienten und Ärzten kann für den Erfolg der gewählten Schmerztherapie von zentraler Bedeutung sein", sagt Univ.-Prof. Günther Bernatzky, Präsident der ÖSG. Gute Arzt-Patienten-Gespräche hätte eine bessere Therapie-Treue, Verbesserungen der Lebensqualität der Patienten und ein hohes Einsparungspotenzial für das Gesundheitswesen zur Folge.

Ganz wichtig sei auch die Aufklärung von Familienmitgliedern: "Wenn Schmerzpatienten das Gefühl haben, dass ihre Familie nicht an ihre Schmerzen glaubt oder gegen bestimmte Schmerzmedikamente bedenken hat, werden sie tendenziell weniger von ihren Medikamenten einnehmen ", sagt Bernatzky.

Missbrauch im Laiensport

Ein größeres Problem als bisher angenommen dürfte der Schmerzmittelmissbrauch im Laiensport sein, so eine neue Studie: Die Hälfte der 4000 Teilnehmer des Bonn-Marathons hatte bereits vor Beginn des Laufes Schmerzmittel (nichtsteroidale Antirheumatika, "Rheumamittel") eingenommen, obwohl nur ein kleiner Teil der Befragten tatsächlich an Schmerzen gelitten hatte. "Schmerzmittel haben eine leistungssteigernde Wirkung, daher ist Missbrauchspotenzial vorhanden", sagt der Internist Michael Ausserwinkler. In Österreich würden Trainer und Sportwissenschaftler berichten, dass mindestens 15 bis 20 Prozent der Laiensportler Schmerzmittelmissbrauch betreiben.

"Schmerzmittel werden vor allem bei Überlastungen von Sehnen und Sehnenansätzen eingesetzt. Dadurch werden aber die Symptome unterdrückt und das Problem verschlimmert sich, weil keine Schonung stattfindet", so Ausserwinkler.

Schmerzmittel verringerten die Zahl von Laufabbrüchen aufgrund von Muskelschmerzen, hingegen war der Laufabbruch wegen Darmkrämpfen häufiger. Insgesamt traten in der Gruppe, die Schmerzmittel eingenommen hatte, Herz-Kreislauf-Beschwerden fünf Mal häufiger, Darmkrämpfe und Blutungen sieben Mal und Nierenprobleme sogar acht Mal häufiger auf.

Neu sind auch Erkenntnisse zum Thema Schmerz und Burn-out: Menschen mit Burn-out haben ein erhöhtes Risiko, dass ihre Schmerzen chronisch werden, weil sie über weniger "Abwehrkräfte" verfügen.

Studie: Schmerzgedächtnis kann gelöscht werden

Über kurze Zeit verabreichte hochdosierte Opioide können eine Form des sogenannten Schmerzgedächtnisses löschen", sagt Univ.-Prof. Jürgen Sandkühler, Leiter des Zentrums für Hirnforschung, MedUni Wien. In einer im Journal Science veröffentlichten Studie konnte Ass.-Prof. Ruth Drdla-Schutting aus der Gruppe von Prof. Sandkühler nachweisen, dass die Gabe hochdosierter Opioide über einen Zeitraum von nur eine Stunde diesen Schmerzverstärker zumindest zeitweise wieder ausschalten kann. "Das Opiat bewirkt einerseits eine kurzfristige Hemmung der Schmerzübertragung, andererseits hat es eine langfristige Wirkung und kann die gesteigerte Signalübertragung wieder normalisieren", so Sandkühler. In einer Folgestudie mit Univ.-Prof. Burkhard Gustorff (Wilhelminenspital Wien) soll der klinische Nutzen der neu entdeckten Opiatwirkung bei Patienten mit Gürtelrose überprüft werden. "Diese Therapie ist aber nur für eine ganz bestimmte Patientengruppe geeignet, die wir noch genauer identifizieren müssen."

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