© CONTRASTWERKSTATT - FOTOLIA 40653235/Fotolia/Contrastwerkstatt

Ausgaben
09/07/2016

AK-Studie: So viel müssen Eltern für die Schule zahlen

Schulveranstaltungen wie Skikurse sowie Unterrichtsmaterialien kosten am meisten Geld

Gleich zu Schulbeginn müssen die Eltern tief in die Tasche greifen: Jedes Kind braucht eine neue Ausstattung, die Geschäfte sind voll mit gestressten Familien. Die Arbeiterkammer hat jetzt berechnet, wieviel Familien pro Schulkind ausgeben: Bis zu 1300 Euro müssen Eltern pro Kind und Schuljahr zahlen. 84 Prozent der Haushalte klagen über die anfallenden Kosten. "Familien mit einem Haushaltseinkommen von monatlich 2000 Euro fühlen sich besonders stark belastet", sagt Expertin Gabriele Zgubic aus der Arbeiterkammer-Abteilung Konsumentenpolitik. Zwei Drittel der Eltern haben das Gefühl, dass die Schulkosten gestiegen sind.

Was sind die Kosten?

Wofür geben die Familien das Geld aus, fragte die Arbeiterkammer und bei 1300 Haushalten in fünf Bundesländern.

Dabei kamen sie im Durchschnitt aller Schulstufen und Bundesländer auf 855 Euro ohne die Kosten der Nachmittagsbetreuung (die wurde nur in Wien erhoben).

  • Größter Block sind die Schulveranstaltungen wie Skikurse und Sprachreisen. Dafür sind durchschnittlich 283 Euro pro Jahr zu zahlen. "Manche Kinder können aus finanziellen Gründen nicht mitfahren. Dabei soll durch solche Veranstaltungen der Zusammenhalt in der Klasse gestärkt werden", sagt Arbeiterkammer-Präsident Rudi Kaske.
  • Schulwaren und Materialien wie Schreibsachen, Hefte oder Schultasche kosten Eltern 148 Euro pro Kind.
  • Selbstbehalte und sonstige Beiträge in der Schule kommen zusammen auf 112 Euro im Jahr, etwa für Spinde, Schulmilch, Fahrausweise.
  • Für Kleidung und Schuhe, die für die Schule angeschafft werden müssen, zahlen Eltern 94 Euro.
  • Ein Dauerbrenner in der Schuldiskussion ist die Nachhilfe: Dafür geben Familien durchschnittlich 92 Euro aus.
  • Für Computer, Tablet und EDV kommen noch 68 Euro zusammen.
  • Für Bücher und Medien fallen 20 Euro an.
  • Die verbleibenden 38 Euro entfallen auf sonstige Ausgaben.

Ältere Kinder brauchen mehr

Die AK hat aber nicht nur einen Mittelwert für alle Schulstufen errechnet: Die Ausgaben werden immer höher, je älter die Kinder sind. Am teuersten kommt ein Kind in der AHS- oder BHS-Oberstufe mit 1176 Euro bzw. 1299 Euro. Gefolgt von AHS-Unterstufe (969 Euro), Neue Mittelschule (833 Euro) und Volksschule mit 522 Euro Ausgaben pro Jahr. Manche Ausgaben hält die Arbeiterkammer für nicht gerechtfertigt und nennt als Beispiel die Spinde in Schulen, für die Eltern einen Beitrag an private Anbieter zahlen müssen. Eine Praxis, die die Bildungsministerin jetzt abschaffen möchte.

Dafür kommt bei den jüngeren Kindern die Nachmittagsbetreuung dazu: 1695 Euro pro Jahr geben viele Eltern für Ganztagsschule, Nachmittagsbetreuung oder Hort aus.

Schulkarriere vom Geld der Eltern abhängig

Der finanzielle Background der Eltern wirkt sich drastisch auf die Schul-Karriere aus: „4,4 Prozent der Familien geben an, dass eines oder mehrerer ihrer Kinder aus finanziellen Gründen nicht die eigentlich gewünschte schulische Ausbildung ergreifen konnte. Auf Niederösterreich hochgerechnet sind das etwa 5.000 SchülerInnen bzw. im Schnitt ein Kind pro Klasse“, sagt AK Niederösterreich-Bildungsexperte Günter Kastner. „Auch bei der Leistbarkeit von Extras in der Schule wie etwa der Teilnahme an schulischen Aktivitäten haben wir eine Schieflage. Wir stellen fest, dass bei Haushalten mit niedrigem Einkommen Nachhilfe, die Teilnahme an schulischen Aktivitäten und EDV-Anschaffungen wie Tablets oder Computer deutlich seltener möglich sind.“

Als wichtigen Entlastungsfaktor bezeichnet Kaske daher die Ganztagsschule, die er auch als "pädagogisch besonders von Vorteil" bezeichnet. Die Beiträge zu einer Ganztagsschule seien zwar sozial gestaffelt, die Ganztagsschule solle jedoch gänzlich gratis sein, so die AK NÖ. Außerdem soll ein Schulkosten-Monitoring die Ausgaben der Eltern systematisch beleuchten und durch bei der Senkung helfen. So könnten etwa verstärkt lizenzfreie Lernunterlagen eingesetzt werden. Außerdem müssten die Schulbeihilfen wieder erhöht werden. AK NÖ-Präsident Markus Wieser fordert einen "Chancen-Index": "Ein Schulstandort soll umso mehr Budget zur Förderung der Kinder bekommen, je 'niedriger' der Bildungshintergrund der Eltern ist."

Der Wiener Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorszky hält die "versteckten Schulgebühren für inakzeptabel". Er betont, dass es in Wien bereits Initiativen zur Entlastung der Eltern gebe: „Mit der Gratis-Nachhilfe “Förderung 2.0„ beispielsweise hat die Stadt Wien die Förderung der Kinder und Jugendlichen klar verbessert und finanziellen Druck von den Eltern genommen." Auch der von der Stadt Wien für die Pflichtschulen zur Verfügung gestellte Warenkorb, über den die Schulen diverse Lernmittel ankaufen können, wirke für Eltern kostenmindernd. Postiv sieht er auch die Idee des "Chancen-Index".