Warum der Granatapfel Muskeln verjüngen kann

Some red pomegranates on black slate plate
Foto: Getty Images/iStockphoto/oxyzay/iStockphoto   

Erstaunliche Wirkung: Molekül hat im Darm positiven Einfluss auf die Kraftwerke der Zellen.

Zellschutz, natürliches Östrogen und Entzündungshemmer: der Granatapfel gilt als Multitalent für die Gesundheit – und Produkte wie etwa Säfte liegen im Trend. Dazu könnte schon bald die Fähigkeit kommen, Alterungsprozesse zu stoppen. Denn im Tierversuch ist dies nun Forschern des Polytechnikums Lausanne gelungen. Sie entdeckten den Nutzen eines Moleküls, das im Darm von Bakterien umgewandelt wird. Damit können sich Muskelzellen selbst gegen das Altern schützen.

Viele wertvolle Inhaltsstoffe

Granatäpfel enthalten neben vielen anderen Substanzen das Polyphenol Ellagtannin. Im Darm wird es in Urolithin umgewandelt. Die genaue Wirkung dieses Moleküls ist noch nicht geklärt. Ein Forscherteam des École Polytechnique Féderalé de Lausanne" (EPFL) wollte wissen, ob es in Verbindung mit altersbedingter Muskelschwäche steht. Beim Alterungsprozess arbeiten die Mitochondrien – die Zellkraftwerke – nicht mehr so effektiv wie in jungen Jahren. Sie können sich nicht mehr so gut erneuern – das ist einer der wichtigsten Alterungsprozesse. Offenbar wird er durch das Molekül positiv beeinflusst.

Erstaunliche Wirkung

Die neuen Erkenntnisse sind für Anti-Aging-Mediziner Univ.-Prof. Markus Metka ein weiterer Beweis für den ernährungsphysiologischen Wert der Frucht. "Der Granatapfel enthält viele Substanzen mit erstaunlicher Wirkung, auch im Verdauungstrakt beeinflusst er die Darmflora positiv. Diese Untersuchung zeigt, dass sogar die Mitochondrien profitieren."

Wie die Arbeit dieser Zellkraftwerke unterstützt werden könnte, ist ein wichtiges aktuelles Forschungsgebiet. Kein Wunder: "In den Mitochondrien wird Energie produziert. Diese braucht man auch für den Muskelaufbau und zelluläre Reparaturvorgänge."

Viele Eigenschaften des Granatapfels, der schon in der Volksmedizin antiker Hochkulturen wie jener der Ägypter oder Perser genutzt wurde, lassen sich heute mit wissenschaftlichen Methoden erklären, betont Metka.

Studie mit Fadenwürmern und Mäusen

Für die Studie, die jetzt im Journal Nature Medicine veröffentliche wurde, verabreichten die Forscher Fadenwürmern und Mäusen Urolithinum im Futter. Da Fadenwürmer nur eine geringe Lebensdauer haben, zeigten sich rasch die Effekte der Substanz aus dem Granatapfel: Ihre Lebensspanne war um 45 Prozent länger als die ihrer Artgenossen, die kein Urolithinum erhalten hatten. Für die Forscher ein deutliches Ergebnis: "Urolithinum ist das einzige bekannte Molekül, das den mitochondrialen Reinigungsprozess wieder aktivieren kann", sagt Co-Autor Patrick Aebischer. Ältere Mäuse schnitten danach beim Greifen und im Laufrad deutlich besser ab als zuvor – und auch als gleichaltrige Nager. In den Zellen der Tiere fanden sich zudem weniger beschädigte Mitochondrien.

Der Granatapfelwirkstoff soll nun auch in Studien mit Menschen erprobt werden. Dass er dort ebenso wirkt wie im Tierversuch, davon sind die Schweizer Forscher überzeugt. "Wir halten diese Untersuchung für einen Meilenstein in den aktuellen Anti-Aging-Bemühungen", sagt Johan Auwerx vom EPFL. Dafür spreche die Tatsache, dass Urolithinum bei evolutionär so weit entfernten Organismen wie Fadenwürmern wirkte. "Wir setzen scheinbar an einem fundamentalen Mechanismus aller lebenden Organismen an."

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(kurier) Erstellt am
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