Sind Wechseljahre wirklich nur Frauensache?

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Foto: Getty Images/iStockphoto/absolutimages/iStockphoto Eine von drei Frauen ist von starken Wechselbeschwerden betroffen.

Was die Phase der hormonellen Umstellung bei Frau und Mann unterscheidet –und warum ein Vergleich nicht möglich ist.

"Das ist halt leider wieder einmal unfair", sagt die Stoffwechselexpertin Univ.-Prof. Alexandra Kautzky-Willer von der MedUni Wien / AKH Wien: "Ein Mann kann auch im hohen Alter einen normalen Testosteronspiegel haben und zeugungsfähig sein. Bei der Frau ist das unmöglich. Rund um das 50. Lebensjahr fallen ihre Werte von Gelbkörperhormon und Östrogen nahezu auf null."

xxx… Menopause und Andropause – die Zeiten hormoneller Veränderungen bei Frau und Mann – könne man deshalb in keiner Weise vergleichen: "Es ist schon der Begriff ,Andropause‘ kritisch zu beleuchten." – "Wechseljahre – reine Frauensache?" ist auch das Thema des Gesundheitstalks (siehe unten). "Der Wechsel bedeutet für Frauen eine ganz dramatische Veränderung. Aber es ist kein Krankheitsprozess, sondern eine völlig natürliche Entwicklungsstufe, die zum Leben jeder Frau dazugehört", betont Kautzky-Willer.

Insgesamt eine kritische Phase

Auch Umstellungen im Stoffwechsel – etwa mehr schlechtes LDL-Cholesterin – seien bei Frauen viel massiver als bei Männern. Oft ist es insgesamt eine kritische Phase und Zeit der Neuorientierung – etwa durch das Ausziehen der Kinder. Für Frauen mit starken Symptomen – depressive Verstimmungen, Schweißausbrüche, Herzrasen, Schlafstörungen – könne eine moderne Hormonersatztherapie (HRT) eine Möglichkeit sein.

AKH; Chiari-Stoffwechselambulanz<br />
Wissenschafterin… Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Alexandra Kautzky-Willer "Auch beim Mann zeigen neue Studien ein differenziertes Bild. Aber die HRT ist keine Lösung für psychische Störungen oder ein vermindertes Selbstwertgefühls aufgrund des Alters."

Aktiver Lebensstil

Und: "Ein gesunder Lebensstil – viel Sport und Bewegung, wenig Alkohol, nicht Rauchen, ausgewogene Ernährung, Gewichtskontrolle – kann viel dazu beitragen, dass man die Beschwerden in den Griff bekommt."

Rund ein Drittel der Frauen ist massiv von solchen Wechselbeschwerden betroffen, sagt Hormonspezialist Univ.-Prof. Christian Egarter, MedUni Wien / AKH Wien. Vor 15 Jahren wurden die Ergebnisse der "Women’s Health Initiative"-Studie veröffentlicht: Sie zeigte bei Frauen, die Östrogene und Gestagene bekamen, ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs und Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Thrombosen.

"Mittlerweile wissen wir viel mehr"

"Das hat viele verunsichert und die Hormonersatztherapie ziemlich in Verruf gebracht", so Egarter: "Doch mittlerweile wissen wir viel mehr. 70 Prozent der Frauen in dieser Studie waren mehr als 60 Jahre alt und hatten teilweise bereits Vorerkrankungen. Bei einem Therapiebeginn vor 60 bzw. in den ersten zehn Jahren nach Beginn der Menopause ist der Effekt auf das Herz-Kreislauf-System positiv. Werden natürliche Östrogene und Gestagene eingesetzt, ist das Brustkrebsrisiko nicht, oder nur ganz minimal erhöht."

Univ.-Prof. Christian Egarter, MedUni Wien, Gynäko… Foto: /Egarter/MANFRED FESL Christian Egarter Bei den Phytoöstrogenen aus Soja, Kleearten oder der Traubensilberkerze zeigten Studien vor allem gegen Hitzewallungen einen Effekt. "In anderen Bereichen ist die Studienlage nicht ausreichend."

Kritisch sieht Egarter den Testosteroneinsatz beim Mann: "Wenn nicht aufgrund einer gesundheitlichen Störung ein massiver Mangel nachgewiesen ist, rate ich davon ab. Zumal Testosteron tendenziell gefäßverengend wirkt und es teilweise Zusammenhänge mit der Entstehung von Prostatakrebs gibt."

Mehr zur Veranstaltung

„Wechseljahre – reine Frauensache?“ ist das Thema des Gesundheitstalks am  kommenden Mittwoch,  17.5., 18.30 Uhr. Referenten am Podium sind Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky Willer, Stoffwechselspezialistin und Professorin  für Gendermedizin (geschlechterspezifische Medizin) an der MedUni Wien, der Gynäkologe Univ.-Prof. Dr. Christian Egarter, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin  an der MedUni Wien sowie Hilde Fehr,  Paarcoach und  Kabarettistin. Moderation: Gabriele Kuhn, Leiterin des Ressorts Lebensart im KURIER.

Veranstaltungsort

Van-Swieten-Saal der Medizinischen Universität Wien, Van-Swieten-Gasse 1a (Ecke Währinger Str.), 1090 Wien.  Veranstalter: KURIER, MedUni Wien und Novartis. 

Eine Betroffene erzählt

"Ich nehme es mit Selbstironie und Humor"

Hilde Fehr, 53,  ist Paarcoach („Die Streitexpertin“) und Kabarettistin.

Hilde Fehr, Paartherapeutin, Kabarettistin… Foto: /Privat Hilde Fehr KURIER: Sie versuchen, über den Wechsel zu lachen.   Wie lacht man über Wallungen?
Hilde Fehr: Ich hatte mich ja ursprünglich auf diese Wallungen gefreut. Ich dachte: Das ist dann so, als wäre ich die ganze Zeit im Süden, dann ist mir konstant angenehm warm. Aber leider ist dem nicht so: Einmal ist einem heiß, dann kalt. Ich nehme das mit Selbstironie – das hilft. Einmal hatte ich während eines Kabarettabends auf der Bühne einen Hitzeschub. Ich habe dann gesagt, „ich habe gerade eine Wallung“ – und bekam starken Applaus. Mehrere Frauen haben   sich nachher bedankt.

Weil Sie auf der Bühne offen darüber geredet haben?
Ja. Ich habe viele Frauen kennengelernt, die zuvor noch nie mit jemandem über die Menopause gesprochen hatten– und sie  waren richtig erleichtert darüber, dass ich so offen damit umgehe. Der Wechsel ist nach wie vor tabuisiert, viele Frauen ziehen sich zurück, es geht viel Scham damit einher.

Woran liegt das?
Stellen Sie sich eine Frau vor, die immer alles gemanagt hat, im Beruf und zu Hause, alles im Griff gehabt hat. Und auf einmal zeigen sich Veränderungen im Körper, die  sie nicht kontrollieren kann. Ich hatte mich ja  anfangs auch nur mehr als wallendes Monster gefühlt, war verunsichert, leicht depressiv. Aber seit ich darüber mit anderen Frauen und auch meinem Partner offen rede und lache, geht es mir besser. Auch mein Partner nimmt es mit Humor. Das hat auch mit meinem offenen Umgang zu tun.

(kurier) Erstellt am
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