Alle Fakten über künstliche Gelenke

Vor einer OP sollte zuerst mit Bewegungstherapie (Physiotherapie) und Muskelaufbau versucht werden, Schmerzen zu lindern. © Bild: psdesign1 - Fotolia/psdesign1/Fotolia

Moderne Implantate halten lange – Bewegungstherapie kann eine Operation hinausschieben.

Hätten Sie das gewusst? "Das Hüftgelenk muss manchmal bis zum Vierfachen des Körpergewichts tragen", sagt Univ.-Prof. Reinhard Windhager, Uni-Klinik für Orthopädie der MedUni Wien. "Beim Kniegelenk üben zusätzlich noch Roll-, Gleit- und Drehbewegungen enorme Belastungen aus."

KURIER-Gesundheitstalk "Neues Knie, neue Hüfte"
KURIER-Gesundheitstalk "Neues Knie, neue Hüfte", Wien am 29.01.2015. © Bild: KURIER/Gilbert Novy
Windhager war Mittwochabend einer der Podiumsgäste beim Gesundheitstalk "Neues Knie – neue Hüfte" mit knapp 300 Teilnehmern im Van-Swieten-Saal der MedUni Wien. Der Gesundheitstalk ist eine Veranstaltungsreihe von KURIER, Medizinischer Universität Wien und dem Pharmaunternehmen Novartis.

Die Gelenke seien zwar bei normaler Beanspruchung den täglichen Belastungen gewachsen – allerdings komme es mit dem Alter zu Degenerationserscheinungen: "Das ist ein sehr komplexer Vorgang. Der Begriff 'Abnützung' ist ein rein mechanischer, wir haben es aber mit einem biologischen Organ zu tun – es hat auch im hohen Alter noch die Möglichkeit der Regeneration."

Univ.-Prof. Richard Crevenna, Uni-Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der MedUni Wien: "Wir bewegen uns weniger als früher, wir sind schwerer und wir werden älter – das spielt bei vielen Patienten eine Rolle." Mit physikalischen Therapien sei es oft möglich, den Zeitpunkt einer Gelenksoperation nach hinten zu schieben: "Wir versuchen, die Muskeln um das Gelenk aufzubauen."

Erste Alarmzeichen seien Schmerzen beim Beginn einer Bewegung und bei zu langer Belastung, so Crevenna. In der Folge komme es zu Schmerzen in der Nacht und Bewegungseinschränkungen.

"Wie lange halten Implantate?", lautete eine Frage aus dem Publikum. – "Man sagt immer, dass Implantate nach 15 Jahren ausgetauscht werden müssen, aber das stimmt nicht", betonte Windhager. "Nach 15 Jahren benötigen maximal 15 Prozent der Patienten eine neuerliche Operation."

Montgomery offen fuer Zweitmeinung vor Hueft-OP
Bremen/ ARCHIV: Ein Arzt haelt ein kuenstliches Kniegelenk neben sein eigenes Bein (Foto vom 05.11.03). Die Forderung der AOK na… © Bild: dapd/David Hecker
"Geht von den Abriebpartikeln eines künstlichen Gelenks eine Gesundheitsgefahr aus?", wollte ein jüngerer Mann wissen. – "Nein, hier sind keine Nachteile zu erwarten", antwortete Windhager. Allerdings: Über die Jahre sei der Abrieb verantwortlich für die Lockerung der Prothese. "Deshalb verwendet man bei jungen Patienten immer nur Keramik/Keramik-Gleitpaarungen (Gelenkskopf und Gleitfläche der Pfanne aus Keramik, Anm.). Bei diesen ist der Abrieb um den Faktor 100 niedriger als bei einer Metall-Kunststoff-Paarung. "

Problem Wartezeit

"Mir wurde heute von einem Wiener Spital mitgeteilt, dass ich 14 Monate auf eine Hüftgelenks-Operation warten muss. Wie überstehe ich die Schmerzen bis dahin?"

Pillen
Bildnummer: 15562009…
Pillen Bildnummer: 15562009 © Bild: by-studio/yankushev/Fotolia
"In Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes gibt es praktisch nirgendwo mehr Wartezeiten von mehr als sechs Monaten", so Windhager. "Am Wiener AKH betragen die Wartezeiten maximal sechs Monate – die Dauer ist abgestuft nach der Dringlichkeit des Eingriffs."Auf keinen Fall dürfe man bestimmte (nicht-steroidale) Antirheumatika als Dauertherapie gegen den Schmerz verwenden – die Gefahr von Nebenwirkungen sei hoch.

"Wichtig ist, dass man keine Angst vor der Operation hat", sagt Waly Prettenhofer, die 2013 zwei neue Hüften erhielt: "Und man soll auch nicht zu lange zuwarten – weil man sonst zusehen kann, wie durch die diversen Schonhaltungen die Muskeln weniger werden. "

Tipp: Der nächste Gesundheitstalk findet am 18. 3., 18.30 Uhr, zum Thema Parkinson statt.

Erstellt am 30.01.2015