Wissen
24.08.2018

Alkoholkonsum: "Es gibt keine sichere Menge"

Eine neue Untersuchung widerspricht anderen, die in geringen Alkoholmengen positive Effekte sehen. Es gebe massive Risiken.

Erst Anfang der Woche gab es für Menschen, die regelmäßig eine geringe Menge Alkohol trinken, eine positive Nachricht: Ein regelmäßiger, aber eben geringer Alkoholkonsum könnte das Risiko für eine koronare Herzkrankheit (KHK, eine Verengung der Herzkranzgefäße) reduzieren, so eine Studie des University College London und der University of Cambridge.

Doch jetzt kommt eine große Untersuchung, die im Fachmagazin The Lancet publiziert wurde, zu einem anderen Ergebnis: Es gebe keine sichere Untergrenze. Positive Effekte in Bezug auf die Verringerung eines Risikos für Herzgefäßerkrankungen würden negative Effekte in anderen Bereichen - speziell einem erhöhten Krebsrisiko - gegenüberstehen.

Die Wissenschafter der University of Washington (Institute for Health Metrics and Evaluation), USA, werteten 694 Statistiken über individuellen und nationalen Alkoholkonsum aus, sowie auch 592 Studien über das Risiko von Alkoholkonsum.

Die zentralen Aussagen

  • Alkoholkonsum ist weltweit jährlich für 2,8 Millionen Todesfälle verantwortlich.
  • Alkoholkonsum ist weltweit die siebenthäufigste Ursache für vorzeitige Todesfälle und Behinderungen. 12 Prozent der Todesfälle von Männern zwischen 15 und 49 sind darauf zurückzuführen.
  • Bei Menschen über 50 Jahre spielt Alkohol eine bedeutende Rolle als entscheidender Faktor für Todesfälle durch Krebs. Bei 27 Prozent der Todesfälle von Frauen und 19 Prozent der Todesfälle von Männern hatten durch Alkohol ausgelöste Krebserkrankungen eine entscheidenden Anteil an einer verkürzten Lebenserwartung.

Die Studie hat auch erhoben, wo am meisten Menschen aufgrund der Folgen ihres Alkoholkonsums sterben: Spitzenreiter sind Lesotho (145 Menschen im Alter von 15 bis 49 auf 100.000 Einwohner), Russland (118,4),  die Zentralafrikanische Republik (108,8), die Ukraine (92,2), Burundi (81,1), Litauen (76,1), Weißrussland (71,2), die Mongolei (67,6), Lettland (65,5) und Kasachstan. In Österreich sind es insgesamt 4600 Todesfälle bei Männern und 1600 bei Frauen.

Die niedrigsten alkoholbedingten Sterberaten gibt es in Kuwait (0,3), dem Iran, Palästina, Libyen und Saudi Arabien.

Wo am meisten Menschen Alkohol trinken und wo die meisten alkoholischen Getränke, sehen Sie in nachstehender Infografik:

In Österreich konsumieren 83 Prozent der Frauen und 89 Prozent der Männer Alkohol. Bei Frauen sind es im Bevölkerungsschnitt 2,8 Standardgetränke täglich, bei Männern sind es 4,7 Standardgetränke.

Für ein Standardgetränk definiert diese Studie eine Menge von zehn Gramm reinem Alkohol, das entspricht etwa 100 Milliliter Rotwein zu 13 Volumsprozent (ein Achtel wären 125 ml), 375 Milliliter Bier zu 3,5 Volumsprozent (ein Seidel sind 300 ml) oder einem  Glas Whiskey (30 ml).

Massive Risiken

"Die Gesundheitsrisiken von Alkohol sind massiv", sagt die Hauptautorin der Studie, Emmanuela Gakidou. "Unsere Ergebnisse stimmen mit anderen jüngeren Forschungspublikationen überein, die klare und überzeugende Zusammenhänge zwischen Alkoholkonsum und frühzeitigem Tod, Krebs und Herzgefäßproblemen aufgezeigt haben. Ein Null-Alkoholkonsum minimiert das Gesamtrisiko an Gesundheitsbeeinträchtigungen."

Die Politik müsse Menschen ermutigen,Alkoholkonsum entweder zu reduzieren oder auf Alkohol ganz zu verzichten", sagt Gakidou. "Der Mythos, dass ein oder zwei Getränke am Tag gut für Sie sind ist nichts als - ein Mythos. Diese Studie zertrümmert diesen Mythos."