Aids: "Heilung in fünf Jahren"

Aids-Schleife
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Die Prognose eines deutschen Experten ist umstritten. Doch auch andere Mediziner teilen seinen Optimismus.

Die Aussage sorgt für Aufsehen: "Ich glaube, dass ein realistischer Zeitraum, in dem wir (eine Infektion mit dem Aids-Virus HIV, Anm.) heilen können, fünf Jahre sind", sagte der Münchner Internist und Aids-Spezialist Hans Jäger der Nachrichtenagentur dpa. An einen baldigen Durchbruch in der Entwicklung eines Impfstoffes glaube er hingegen nicht. Anlass war ein Aids-Kongress in München.

"Das ist eine sehr persönliche Prognose. Ob es wirklich in fünf Jahren eine Heilung gibt, wissen wir alle nicht", sagt die Aids-Spezialistin Brigitte Schmied vom Wiener Otto-Wagner-Spital. "Meine Einschätzung liegt eher bei fünf bis zehn Jahren."

Heilung würde bedeuten, dass man es schafft, das HI-Virus wieder aus dem Körper hinauszubekommen, erläutert Schmied: "Derzeit können wir lediglich die Virusvermehrung unterdrücken."

Jäger begründet seinen Optimismus damit, dass "die Heilungsforschung in den vergangenen zwölf Monaten mehr Fortschritte gemacht hat als je zuvor". "Das ist eine kontinuierliche Entwicklung", sagt Schmied. "Aber es gibt tatsächlich mehrere hoffnungsvolle Ansätze":

Neue Antikörper, die die Andockstellen der Viren im Körper blockieren.

– Eine neue Klasse an Wirkstoffen, die in bestimmten Körperregionen (z. B. den Lymphknoten) besser wirkt als die bisherigen. Und damit auch besser an "versteckte" infizierte Zellen herankommt, in denen das Virus bisher trotz der Therapie weiterschlummert. So könne ein Wirkstoff aus solchen infizierten Zellen Viren freisetzen, die dann von den bekannten Medikamenten vernichtet werden.

Enorme Fortschritte

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Unabhängig von diesen Zukunftshoffnungen gebe es aber schon derzeit enorme Fortschritte, sagt Schmied: "Eine frühe Therapie einer HIV-Infektion verhindert nicht nur den Ausbruch von Aids, gut behandelte Patienten sind praktisch nicht mehr infektiös. Eine frühzeitige Therapie ist auch eine Prävention."

Allerdings: "Leider erhalten nur zirka 20 Prozent der Patienten in Österreich eine relativ frühe Diagnose", so die Virologin Univ.-Prof. Elisabeth Puchhammer-Stöckl. Bei einem Viertel der neu festgestellten Infektionen sei bereits ein sehr fortgeschrittenes Stadium der Immunschwäche erreicht.

Unter Therapie geben HIV-positive schwangere Frauen die Infektion nicht an ihr Kind weiter. Schmied: "Deshalb wäre es wichtig, dass weltweit alle Schwangere Zugang zur Therapie bekommen – und es ist schrecklich, wenn Frauen die Therapie verweigern."

Österreich: "Risikoverhalten scheinbar nicht verbessert"

Die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen in Österreich ist im Vorjahr mit 525 Fällen wieder gestiegen. 2010 waren es 487. Vor allem in Wien und Kärnten gab es Zunahmen. "Es scheint, als ob der leichte Rückgang der Neudiagnosen 2010 nur eine Zufallsschwankung war und keine wirkliche Änderung der Situation stattgefunden hat", sagt Univ.-Prof. Elisabeth Puchhammer-Stöckl vom Department für Virologie der MedUni Wien. "Leider sind wir nach wie vor von den niedrigeren Zahlen früherer Jahre weit entfernt. Es scheint, dass das HIV-Risikoverhalten sind nicht verbessert hat." 1997 etwa wurden nur 297 Neuinfektionen registriert, 1998 waren es 313, im Jahr darauf 339.

 

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(kurier) Erstellt am
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