US-Schauspieler Charlie Sheen hat seine Krankheit beim Namen genannt

© APA/AFP/JOE KLAMAR

Studie über Web-Verhalten
02/24/2016

Charlie Sheens Outing nutzt HIV-Prävention

Laut Experten lässt sich mediale Auseinandersetzung für die Praxis nutzen.

von Ingrid Teufl

Charlie Sheens Outing, HIV-positiv zu sein, sorgte im November 2015 weltweit für Aufsehen. Nun sprechen Forscher sogar von einem "Charlie-Sheen-Effekt" für Aufklärung und Prävention der unheilbaren Immunerkrankung Aids: Laut einer aktuellen Studie stieg die mediale Auseinandersetzung damit auf Rekordniveau.

"Sheens Enthüllung könnte wichtig sein, um das öffentliche Bewusstsein rund um HIV innerhalb kürzester Zeit zu erhöhen", sagt HIV-Experte Seth Noar, der an der Studie mitarbeitete. Das Forscherteam der San Diego State University überwachte Nachrichten und Google-Suchanfragen in den USA zu HIV-Themen (z. B. Symptome, Kondome, Tests). Relativ gesehen stiegen die Anfragen um 417 Prozent.

Höhere Wahrnehmung, wenn Promis betroffen sind

Wenn Prominente betroffen sind, erhöht das naturgemäß die Wahrnehmung einer Erkrankung. Doch die "Web-2.0-Ära" hat darauf noch wesentlich mehr Einfluss, als noch bei früheren Outings wie etwa Schauspieler Rock Hudson oder Basketballer Magic Johnson. Sie lassen sich durchaus positiv nutzen, betont der Wiener HIV-Experte Norbert Vetter vom Otto-Wagner-Spital. "Jedes Interesse an der Erkrankung und ihrer Entstehung ist hilfreich." Das bemerkt man auch bei der Aids-Hilfe Wien, wenn das Thema medial aufgegriffen wird. Etwa jedes Jahr rund um den Welt-Aids-Tag (1. 12.) oder Life Ball. "Wir beobachten dann einen erhöhter Zulauf bei unseren Angeboten zu Test & Beratung", erklärt Geschäftsführer Philipp Dirnberger.

Nach Informationen richtige Schlüsse fürs eigene Leben ziehen

Vetter betont aber: "Die Informationen aus Medien müssen auch die richtigen Schlüsse nach sich ziehen. Jeder sollte wissen, ob er infiziert ist, sich testen und sich ehestmöglich behandeln lassen." Je früher die Behandlung beginnt, desto besser wirken die Medikamente und reduzieren die Virenmenge. "Dadurch sinken Infektiosität und Übertragungsrisiko."

Aids ist heute gut behandelbar. Eine Heilung ist aber nach wie vor nicht in Sicht. Deutsche Forscher von der TU Dresden und dem Heinrich-Pette-Institut in Hamburg ließen nun mit einem neuen Ansatz aufhorchen.

Deutsche Forscher wollen mit Gen-Schere Aids heilen

Sie wollen mit einer Art Gen-Schere verhindern, dass der HI-Virus sein eigenes Erbgut – die sogenannten Proviren – in die menschlichen Immunzellen einbauen kann. Als Schere fungiert ein verändertes Enzym, das die Forscher Rekombinase nennen. Es erkennt im Erbgut der befallenen Zellen die verschiedenen Varianten der HI-Viren, entfernt sie und fügt die beiden Enden der DNA wieder heraus. "Das könnte die HIV-Therapie grundlegend ändern", schreiben die Forscher in einer Studie in Nature Biotechnology. Allerdings funktionierte das System bisher nur in Zellversuchen und bei Labormäusen. Die Autoren planen jetzt eine erste Studie mit etwa zehn HIV-Patienten.

Langer Weg bis zum Praxis-Einsatz

Die fehlende Praxistauglichkeit dämpft für HIV-Experten die Euphorie der Forscher. "Der Ansatz ist interessant. Da eine Heilung vom HI-Virus derzeit aber nur theoretisch möglich ist, hat die Idee praktisch gesehen keine Konsequenzen." Es sei zudem nicht gesichert, dass eine genetische Veränderung realistisch ist. Armin Schafberger von der deutschen Aids-Hilfe gibt zu bedenken: "Wenn es gelingt, heißt das noch nicht, dass die Patienten kein HIV mehr haben. Man braucht einen langen Atem."

Vaginalring reduziert Risiko für HIV-Infektion um ein Drittel

Die Ergebnisse zweier großer Langzeit-Studien (Phase III) geben Hoffnung, Frauen vor einer HIV-Infektion schützen zu können. Das würde vor allem den Kampf gegen die Immunerkrankung in Afrika unterstützen. Dort leben 70 Prozent aller HIV-positiven Menschen.

An den Studien „Ring Study“ und „ASPIRE“ nahmen insgesamt 4600 gesunde Frauen zwischen 18 und 45 Jahren aus mehreren süd- und zentralafrikanischen Staaten, z.B. Südafrika, Uganda, Malawi und Zimbabwe, teil. Drei Jahre lang hatten sie einen monatlich zu tauschenden Vaginalring verwendet, der retrovirale Wirkstoffe enthielt. Die Kontrollgruppe verwendete einen Ring ohne Wirkstoff. Die retroviralen Medikamente sollten die HI-Viren hindern, sich in den Immunzellen zu vermehren.

In Summe reduzierte diese einfache Maßnahme das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, in beiden Studien um rund 30 Prozent. Für die Studienautoren liegen die Vorteile auf der Hand: Der Ring transportiert den Wirkstoff genau dorthin, wo die Infektion stattfindet.
Die bisherigen Daten hätten das Potenzial des Vaginalrings gezeigt. Nun sollen weitere Untersuchungen folgen, die etwa Präventionsprogramme in Afrika unterstützen.

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