Wissen
07.05.2018

Aale könnten sich am Salzgehalt des Meeres orientieren

Ein österreichischer Biologe verfolgte tropische Aale bis zu ihren vermuteten Laichgebieten.

Hinweise darauf, wie sich Aale auf ihrer langen Reise zu den Laichgebieten orientieren, hat der österreichische Biologe Robert Schabetsberger gefunden. Fast alle bekannten und vermuteten Laichgebiete seien an den westlichen Rändern von Bereichen mit erhöhtem Salzgehalt in ca. 150 Metern Tiefe, erklärte er in einer Aussendung des FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung). Vielleicht sei der Salzgehalt eine Orientierungshilfe.

Aale verbringen ihr Erwachsenenleben im Süßwasser. Zur Fortpflanzung kehren sie wieder ins Meer zurück, und zwar zu ganz bestimmten Laichplätzen. Der Europäische Aal etwa laicht in der Sargassosee südlich der Bermuda-Inseln. Die Larven überqueren dann in einer mehrjährigen Wanderung den Atlantik und schwimmen flussaufwärts wieder in europäische Flüsse und Seen. Bisher ist es nicht gelungen, Aale in ihrer natürlichen Umgebung beim Laichen zu beobachten.

Per Satellitensender verfolgt

Schabetsberger, an der Universität Salzburg als Privatdozent tätig, erforscht seit Jahren die Aale. So hat er etwa die unglaublich klingende Reise der tropischen Aale der Arten "Anguilla megastoma" und "Anguilla marmorata" beobachtet, indem er die Fische mit einem Satellitensender ausgestattet hat.

Die Tiere leben zum Beispiel in dem Kratersee "Lake Letas" auf der Südpazifikinsel Gaua südlich von Australien. Um ins Meer zu gelangen, müssen sie sich einen 120 Meter hohen Wasserfall hinabstürzen und dann in einem Fluss zum Meer schwimmen. Die beiden untersuchten Aalarten trugen die Sender 850 Kilometer weit in nordwestliche Richtung, wo sie offensichtlich ihre Laichgebiete haben. Nach dem Laichen sterben die Altfische, und ihre blattförmigen Larven werden von Meeresströmungen in Richtung der "Heimatinseln" ihrer Eltern zurückgetrieben. Mit etwa sechs bis zwölf Monaten kommen die Jungaale wieder zurück zu Inseln wie Gaua, wo sie zu Tausenden über die nassen steilen Felsen neben dem Wasserfall 120 Meter hoch hinaufkletterten, um wieder in den Kratersee zu gelangen.

Durch den Erfolg seiner damals noch privat finanzierten Forschung konnte Schabetsberger ein vom Wissenschaftsfonds FWF finanziertes Projekt an Land ziehen. In diesem hat er Daten von automatisierten Meeresbojen in der Nähe der vermuteten Laichgebiete analysiert. Diese messen die Bedingungen im Ozean, wie Strömung, Temperatur oder Salzgehalt, und senden diese Daten zu Satelliten. So kam Schabetsberger auf den Salzgehalt als mögliche Orientierungshilfe, wie er bereits 2016 im Fachjournal Marine Ecology Progress Series schrieb.

Bedrohte Art

Angesichts der Bedrohung der Aale - der Europäische Aal ist vom Aussterben bedroht und auch der Druck auf die tropischen Arten steigt - könnte die Erforschung ihrer Laichgebiete lebensrettend sein. Denn bis heute ist es nicht gelungen, im Labor den Lebenszyklus der Fische zu schließen, sodass derzeit keine wirtschaftliche Züchtung in Aquakulturen möglich ist.