Deutlicher Anstieg bei Masernerkran­kun­gen

Impfung
Foto: APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand Durch die Impfung könnten Masern ausgerottet werden.

35 Todesopfer in Europa. 95 Erkrankungen in Österreich im Vorjahr. 19 Prozent der Infektionen in Spitälern oder bei Beschäftigten der Gesundheitsberufe.

95 verhinderbare Masern-Erkrankungen sind vergangenes Jahr in Österreich registriert worden. Bei weiterhin Tausenden von Fällen in Europa gab es 35 Todesopfer durch die oft fälschlicherweise als "harmlos" bezeichnete Virusinfektion. Dies berichteten Experten am Samstag beim Österreichischen Impftag mit rund 800 Teilnehmern in Wien.

Die Masern sind eine per Impfung prinzipiell weltweit ausrottbare Erkrankung. In Österreich - wie im übrigen Europa - sollte sie laut WHO bereits seit 2015 ausgerottet sein. Doch die Situation sieht ganz anders aus. "In Rumänien gab es 2017 mehr als 8.000 Fälle, in Italien mehr als 4.850", sagte die Wiener Virologin Heidemarie Holzmann (MedUni Wien) gegenüber der APA. In Deutschland wurden mehr als 900 Erkrankungen registriert. Wirklich zurückzudrängen wäre die Erkrankung nur, wenn die Durchimpfungsrate bei Kindern mehr als 95 Prozent betragen würde.

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Starker Anstieg im Vergleich zu 2016

2016 hatte es in Österreich etwas mehr als zwei Dutzend gemeldete Masernfälle gegeben. 2017 schnellte die Häufigkeit der Erkrankungen bereits mit Anfang des Jahres in die Höhe: Maria Paulke-Korinek vom Gesundheitsministerium zitierte Daten der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES): insgesamt 95 Fälle (Kärnten: zwei, Niederösterreich: 29, Oberösterreich: acht, Salzburg: zwei, Steiermark: 33, Tirol: zehn, Vorarlberg: zwei, Wien: neun, kein gemeldeter Fall aus dem Burgenland.

Während in der EU und in den Staaten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EU/EEC) 2016 13 Todesfälle durch die Masern registriert wurden, waren es im vergangenen Jahr deutlich mehr. Heidemarie Holzmann sagte: "Es gab 35 Masern-Todesopfer, davon 24 in Rumänien, vier in Italien, zwei in Griechenland und je einer in Deutschland, Frankreich, Spanien Portugal und Bulgarien." Besondere Tragödien waren ein Todesfall in Italien, bei dem ein siebenjähriges leukämiekrankes Kind im Spital infiziert wurde, sowie der Tod einer 37-jährigen Mutter in Deutschland.

Warum die Masern von manchen Menschen noch immer als "harmlos" eingeschätzt werden, ist bei den vorhandenen epidemiologischen Zahlen nicht ganz verständlich: Sieben bis neun Prozent der Betroffenen erleiden eine Mittelohrentzündung mit drohenden Gehörschäden als Komplikation, ein bis sechs Prozent eine schwere Lungenentzündung, in einem von 1.000 Fällen tritt eine Gehirnentzündung auf.

Tödliche Spätkomplikation

Besonders gefürchtet ist die tödliche subakut verlaufende Gehirnentzündung SSPE. Dabei kann es etwa um die zwölf Jahre nach einer Infektion im Säuglings- oder Kleinkindalter zu einer fortschreitenden und in jedem Fall tödlichen Entzündung des Gehirns kommen. Ehemals wurde die Häufigkeit mit einem Fall unter 10.000 bis 100.000 Maserninfektionen angenommen. Nach neueren Erkenntnissen dürfte diese Rate bei etwa eins zu 1.700 liegen, bei Kindern, die im Säuglingsalter erkranken sogar noch deutlich höher.

Etwa ein Viertel der Kinder mit Masern wird in einem Spital aufgenommen. Die Todesrate liegt laut dem Europäischen Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC) bei einem Todesfall pro 1.000 Erkrankungen, hieß es beim Österreichischen Impftag.

Die MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln) ist in Österreich kostenfrei für alle Altersgruppen enthalten und im kostenlosen Kinderimpfprogramm enthalten. Sie besteht aus zwei Impfungen ab dem vollendeten neunten Lebensmonat. Bei der Erstimpfung im ersten Lebensjahr sollte die zweite Impfung nach drei Monaten erfolgen. Bei der Erstimpfung nach dem ersten Lebensjahr sollte die zweite Impfung nach vier Wochen verabreicht werden. Fehlende MMR-Impfungen sollten in jedem Lebensalter nachgeholt werden.

(APA / em) Erstellt am
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