Wissen und Gesundheit
03.12.2017

Warum eine Herztransplantation eine Auferstehung ist

Seit Christiaan Barnards Erfolg am 3.12.1967 wurde Zehntausenden ein neues Leben geschenkt.

"Ich habe keine Luft mehr bekommen", erinnert sich der Steirer Ulf Ederer,74, an das Jahr 1994. Eine Herzmuskelerweiterung ließ sein Pumporgan immer schwächer werden, Medikamente halfen nicht mehr. "Im Mai 1995 hatte ich die erste Herztransplantation, wegen einer chronischen Abstoßungsreaktion im September 2005 die zweite. Aber Anfang Dezember 2005 konnte ich bereits wieder Ski fahren gehen", sagt Ederer, der in Wörgl, Tirol, lebt. "Mein drittes Herz funktioniert hervorragend, ich bin fitter als manch anderer in meinem Alter."

Ederer ist Obmann desösterreichischen Verbands der Herz- und Lungentransplantierten. Für sie ist dieser Sonntag ein besonderer Tag: Am 3. 12. 1967 führte der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard am Groote-Schuur Hospital in Kapstadt, Südafrika, die erste Herztransplantation durch. Der Empfänger, Louis Washkansky, starb zwar 18 Tage später an einer Lungenentzündung – trotzdem war es ein Durchbruch. "Die Transplantation war ein Symbol für den Aufbruch der Medizin in die Moderne", betont Günther Laufer, Leiter derKlinischen Abteilung für Herzchirurgie, MedUni /AKH Wien.

In Österreich führte 1983 Raimund Margreiter in Innsbruck die erste Herztransplantation durch, in Wien waren 1984 Axel Laczkovics, Ernst Wolner und Hermann Kassal die Pioniere.

Stolze Bilanz

Rund 130.000 solcher Eingriffe wurden bisher weltweit vorgenommen. In Wien waren es bis heute 1516, in Innsbruck 449 (Ende 2016) und in Graz 271 (Ende 2016). Im Vorjahr wurden in Österreich 57 Herzen transplantiert, 55 Personen standen Ende 2016 auf der Warteliste, die durchschnittliche Wartezeit betrug 3,3 Monate.

"Ich habe selten eine Therapie gesehen, wo jemand, der so vom Tod bedroht ist und dem es so schlecht geht, nach einem halben Jahr ein komplett anderer Mensch ist", sagt Laufer: "Diese Möglichkeit, dem Patienten das volle Leben zurückzugeben, das ist eine Auferstehung."

"Die meisten Empfänger haben gegenüber den anonymen Spendern ein großes Gefühl der Dankbarkeit", erzählt Ederer. "Ich bin unendlich dankbar, dass ich die Chance bekommen habe, weiterzuleben. Wir denken oft an die Spender, auch wenn wir sie nicht kennen." Probleme, mit dem Herz eines anderen zu leben, hätten nur wenige: "Ich habe das Organ adoptiert – es ist mein Herz. Und viele Angehörige von Spendern sagen, sie sind sehr froh, dass das Herz ihres Verstorbenen weiterlebt."

In Österreich lebt Walter Weiss, 73, aus Groß-Enzersdorf am längsten mit seinem Spenderherz. Eine Herzmuskelentzündung hatte das Organ des damals 40-Jährigen geschädigt: "Ich hatte am 8.4.1985 die Transplantation – ich war der fünfte in Wien und der erste, der länger überlebt hat." Ab der Transplantation "ging es kontinuierlich aufwärts". Seit bald 33 Jahren muss er alle drei Monate zur Kontrolle: "Bisher war immer alles in Ordnung. Ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass man mit einer Organspende viel Gutes tun kann."

14 Tage alt war der jüngste, 74 Jahre der älteste Herztransplantationspatient in Wien. Das Durchschnittsalter der Patienten liegt heute bei 50 bis 52 Jahren, viele sind über 60. Spender sind heute weniger junge Unfallopfer, dafür mehr 40- bis 45-Jährige etwa mit hohem Blutdruck, die an einer schweren Hirnblutung sterben.

"Unsere Patienten heute sind älter und kränker als jene in den 80er-Jahren", sagen Herzchirurgie-Chef Günther Laufer und Andreas Zuckermann, Leiter des Herztransplantationsprogramms von MedUni und AKH Wien.

Der größte Teil der Patienten leidet an schwerem Herzversagen. "Da die Medikamente gegen Herzschwäche heute viel besser sind, können die Patienten damit oft über Jahre stabil gehalten werden und werden gar nicht oder erst viel später Kandidaten für eine Transplantation." Mechanische Pumpen ("Kunstherz") können das eigene, schwache Herz unterstützen, die Wartezeit bis zur OP kann damit überbrückt werden. Auch der Gesundheitszustand des Patienten kann in der Zeit verbessert werden.

Pumpe kein Ersatz

"Wir haben jährlich 50 solcher Kunstherzpatienten, der größte Teil davon kommt auf die Warteliste für eine Transplantation, die Wartezeit dieser Patienten beträgt mehr als ein Jahr." Nur für manche ist die Pumpe die Zieltherapie: Etwa, weil sie für eine Transplantation zu krank oder zu alt sind oder eine solche nicht wollen. Ein Patient lebt immerhin bereits seit sieben Jahren mit einer unterstützenden Herzpumpe. Herztransplantationen werden die Pumpen aber niemals ersetzen können, glaubt Laufer: "Eine Transplantation, die gut funktioniert, ist nicht zu schlagen."

Die Operationstechnik der Herztransplantation ist im Wesentlichen dieselbe wie vor 50 Jahren, sagt Zuckermann: "Aber das Umfeld, die Anästhesie und die Intensivmedizin etwa, haben sich dramatisch geändert. Wir können heute während der gesamten Operation einen Herzultraschall machen, es gibt Infusionen, die dem Herz helfen, sich zu regenerieren. Und wir können auf der Intensivstation das Herz mit externen Pumpen unterstützen, so das es sich vollkommen erholen kann. "

"Zehn Jahre nach der Transplantation leben noch 70 Prozent der Patienten", sagen die Herzchirurgen: "Damit liegen wir über dem internationalen Durchschnitt."

Eine Neuentwicklung ist das "Organ Care System": Eine Herz-Lungen-Maschine im Kleinformat, die es ermöglicht, das Herz auch in schlagendem statt im Ruhezustand in einer Kühlbox zu transportieren. Damit sollen künftig auch Organe nach einem Herzstillstand für eine Transplantation verwendet werden können – in dem das Herz wieder zum Schlagen gebracht wird, sieht man, ob es gut funktioniert. Das war nach einem Herzstillstand bisher nicht möglich.