Wissen und Gesundheit
01.10.2017

15 Jahre Pink Ribbon in Österreich

Die Aktion mit der rosa Schleife trug sehr viel zu einem offeneren Umgang mit dem Thema Krebs bei.

Patientinnen haben offen mit (noch) nicht betroffenen Frauen geredet. Rosa Schleifen wurden verteilt, Geld für die Brustkrebsforschung gesammelt: "Der ungezwungene Umgang mit der Erkrankung hat mich beeindruckt. Und auch die Idee mit den Schleifen", erinnert sich Doris Kiefhaber an das Jahr 2000. Damals war sie beruflich in den USA unterwegs – und zufällig Gast bei einer Pink-Ribbon-Veranstaltung.

2001 wurde sie Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe. Kurz darauf beschlossen Krebshilfe-Präsident Prim. Univ.-Prof. Paul Sevelda – Leiter der Gynäkologie im Krankenhaus Hietzing – und sie gemeinsam, das Pink Ribbon auch in Österreich einzuführen. "Er hat sofort gesagt, ,lass es uns versuchen‘." Im Gespräch mit dem KURIER erinnern sich beide an diese Zeit.

KURIER: Sie haben die rosa Schleife nach Österreich gebracht hat. Was haben Sie sich davon erhofft?

Doris Kiefhaber:2001 hatten wir ein alarmierendes Ergebnis einer Spectra-Umfrage vor uns: Von 2000 befragten Frauen gaben zwar 67 Prozent an, die Mammografie zu kennen – aber nicht einmal die Hälfte davon nahm diese Früherkennungsuntersuchung für Brustkrebs auch in Anspruch. Prim. Paul Sevelda, unser Krebshilfe-Team und ich haben uns überlegt, was wir tun können. Als erstes Land in Europa haben wir 2002 eine Pink-Ribbon-Veranstaltung organisiert.

Paul Sevelda: Offen über Brustkrebs und Krebs allgemein zu reden, das war damals in Österreich überhaupt nicht selbstverständlich. Der Pink-Ribbon-Gedanke – öffentliche Veranstaltungen mit Personen des öffentlichen Lebens zu organisieren, und mit einer wichtigen medizinischen Botschaft zu garnieren – hat zu einer unglaublichen Dynamik geführt. Heute ist weitgehend bekannt, dass das Pink Ribbon auch ein Zeichen der Solidarität mit erkrankten Frauen ist. Und dass mit den für Pink Ribbon gespendeten Mitteln krebskranken Frauen in finanziellen Notlagen geholfen wird. Langsam merken wir übrigens eine gewisse positive Ausstrahlung der Pink-Ribbon-Idee auf das Verhalten der Männer: Sich heute öffentlich zu einem Prostatakarzinom zu bekennen, ist zwar noch nicht Alltag, aber doch um einiges selbstverständlicher als vor 15 Jahren.

War es am Anfang schwierig, Frauen zu finden, die Pink Ribbon unterstützen?

Kiefhaber: Ja. Im ersten Jahr dauerte es lange, bis wir 18 prominente Frauen gefunden hatten, die kein Problem darin sahen, sich öffentlich das Pink Ribbon anzustecken. Aber genauso viele Frauen hatten uns damals abgesagt: ,Ich habe doch nicht Brustkrebs – warum soll ich mir diese Schleife anstecken?‘ – diesen Satz habe ich nicht nur einmal gehört. Da war also von Enttabuisierung noch keine Rede. Und auch bei einigen Firmen war es am Anfang ähnlich: ,Wir wollen nicht bei unseren Kundinnen mit so einem ernsten Thema wie Krebs in Verbindung gebracht werden‘, war häufig ein Argument. Es gab aber auch Vorreiter, die Partner von der ersten Stunde an waren. Auch bei den Medien gab es anfangs manche Vorbehalte: ,So ein ernstes Thema wollen die Menschen nicht lesen.‘ Es war aber genau umgekehrt, was sich auch leicht erklären ließ. Unsere Umfrage hatte nämlich auch gezeigt: 89 Prozent der Bevölkerung sind direkt – oder über einen Fall in der Familie- oder im Bekanntenkreis vom Thema Krebs betroffen.

Welche Frauen zählten in Österreich zu den Vorreiterinnen?

Kiefhaber: Ganz sicher Uschi Pöttler-Fellner sowie die vier Politikerinnen Maria Rauch-Kallat, Doris Bures, Susanne Riess-Passer und Eva Glawischnig mit ihrem TV-Spot aus 2003. Ihre Botschaft damals: "Über vieles kann man diskutieren, aber eines ist sicher: Früherkennung kann Leben retten. Darüber sind wir uns einig."

Gab es einen besonderen Höhepunkt in den 15 Jahren?

Sevelda: Für mich ganz klar der Besuch von Olivia Newton-John bei der "Pink Ribbon Night 2010" in der Orangerie in Schönbrunn. Sie erkrankte vor 25 Jahren erstmals an Brustkrebs, heuer ist der Krebs leider erneut aufgetreten. Sie hat uns damals auch im Krankenhaus Hietzing besucht und war sehr beeindruckt vom hohen Stand der Versorgung von Krebspatientinnen in Österreich.

Am neuen Brustkrebs-Früherkennungsprogramm gibt es immer wieder Kritik.

Sevelda: Das Programm ist grundsätzlich sehr sinnvoll. Dank der qualitätsgesicherten Mammografie alle zwei Jahre zwischen 45 und 69 (von 40 bis 44 und ab 70 kann man auf eigenen Wunsch am Programm teilnehmen, Anm.) entdecken wir mehr Brustkrebsfälle in einem früheren Stadium. Das Einladungssystem bewährt sich, aber es sollten auch wieder die Ärzte ihre Patientinnen zur Vorsorge-Mammografie zuweisen können. Auch die Information der Frauen muss noch verbessert werden. Wobei wir bei der Therapie nicht auf die Männer vergessen dürfen – auf sie entfällt ein Prozent aller Brustkrebsfälle. Auch sie behandeln wir hier in unserem Brustgesundheitszentrum. In den vergangenen 15 Jahren haben sich die Therapien insgesamt sehr verbessert.

Was passiert mit den Spendegeldern im Detail?

Kiefhaber: Damit wird die Beratung von Brustkrebspatientinnen in mittlerweile österreichweit 53 Servicestellen der Krebshilfe finanziert und Soforthilfe in Krisensituationen geleistet. Das Spektrum der Beratungsthemen reicht von der Psychoonkologie – den Auswirkungen der Erkrankung auf die Seele –, über Sexualität und Krebs, Ernährung bis hin zu rechtlichen Fragen. Gleichzeitig helfen wir in finanziellen Notsituationen, wenn diese durch die Folgen der Erkrankung ausgelöst worden sind. Wir übernehmen z. B. Selbstbehalte – etwa für den Spitalsaufenthalt, die Perücken oder die Rezeptgebühr.

Broschüren

Die Österreichische Krebshilfe bietet Informationsmaterial an - darunter eine Broschüre über die Geschichte des „Pink Ribbon“ (weltweit und in Österreich), eine über Krebsvorsorge und Früherkennung und eine für Brustkrebspatientinnen. Diese Angebote gibt es zum kostenlosen Download aufwww.pinkribbon.atundwww.krebshilfe.net

Die Pink Ribbon Aktion hat ihren Ursprung in den USA. Initiiert wurde sie von Alexandra Penney (Chefredakteurin des Self Magazines) und Evelyn Lauder. Die 2011 verstorbene Schwiegertochter der Gründerin des Kosmetikunternehmens Estée Lauder war selbst Brustkrebspatientin. Penney und Lauder kreierten die rosa Schleife 1992, um mehr Aufmerksamkeit für Brustkrebs zu schaffen.

Evelyn Lauder ließ „Pink Ribbon Stoffschleifen“ in Kosmetikgeschäften in ganz Amerika an Frauen verteilen. Darüber hinaus wurden 200.000 Unterschriften für eine „Pink Ribbon Petition“ gesammelt: Die US-Regierung wurde aufgefordert, mehr Geld in die Brustkrebsforschung zu investieren. First Lady Hillary Clinton war eine Unterstützerin der ersten Stunde.