Wirtschaft
05.12.2011

Zur Hilfe wird an vielen Schrauben gedreht

Milliardenpaket: Mit neuen Hilfszahlungen bekommt Athen mehr Zeit für die dringend nötigen Reformen im Land.

An den Aktienbörsen ist das Aufatmen weltweit spürbar. Mit dem neuen Hilfspaket haben die Verantwortlichen auf dem EU-Sondergipfel mehr zusammengebracht als erwartet, wird von vielen attestiert. Mit neuem Optimismus griffen Anleger bei Aktien zu, die Kursniveaus stiegen. Der Euro war weiterhin gefragt und kostete mehr als 1,44 Dollar. Ist das leidige Tauziehen um die Zukunft der Eurozone nun vorbei? Der KURIER fasst wichtige Fragen und Antworten zusammen.

Welchen Umfang hat das neue Paket für Athen?
Alles in allem kommen 159 Milliarden Euro zusammen. 109 Milliarden stammen vom Rettungsschirm EFSF (für den die Euroländer garantieren) und vom Internationalen Währungsfonds. Die restlichen 50 Milliarden sollen private Gläubiger beisteuern (siehe auch Grafik).

Wie funktioniert die Beteiligung Privater?
Banken und Versicherungen sollen - freiwillig - griechische Staatsanleihen, die sie noch besitzen, in länger laufende Papiere mit niedrigeren Zinsen tauschen. 30 große Bankhäuser, von Deutschland bis Korea, haben bereits zugesagt. In Österreich hat die Erste Group bereits Bereitschaft signalisiert mitzutun.

Gilt das nicht als Zahlungsausfall Griechenlands, wenn Banken Anleihen in schlechtere Papiere umtauschen?
Ja. Die Ratingagenturen werden diese Aktion als "beschränkten Kreditausfall" bewerten - wie dies die Agentur Fitch bereits am Freitag angedroht hat, weil Anleger dadurch schlechter gestellt werden (siehe Hintergrund). Längere Laufzeiten und weniger Zinsen bedeuten eine Abwertung um 21 Prozent, hat der Internationale Bankenverband ausgerechnet. Das schlechte Rating wird aber nur kurzfristig gelten: Nach dem Tausch werden die dann neuen Papiere (mit EFSF-Garantien ausgestattet) viel bessere Agenturnoten bekommen - also wieder hochgestuft werden.

Sind die US-Ratingagenturen damit entmachtet?
Das gerade nicht. Aber zumindest ist das leidige Spiel aus Herabstufung von Agenturnoten und Kursverfall bei Staatsanleihen im Euroraum jetzt durchbrochen.

Sind andere schuldgeplagte Euroländer jetzt vor Spekulations-Attacken gefeit?
Ein Kreditausfall Griechenlands kann, auch wenn er nur kurzfristig ist, natürlich noch zu Verwerfungen auf den Anleihemärkten führen. Die Gefahr eines breiten Flächenbrandes, der etwa Spanien oder Italien in den Abgrund reißt, sollte aber zumindest viel kleiner geworden sein. Dafür wurde schließlich der Rettungsfonds EFSF ermächtigt, bei Gefahr in Verzug Staatsanleihen aufzukaufen und - als Europäischer Währungsfonds - günstige Kredite an Länder zu vergeben.

Hat Griechenland mit all den Hilfen nun die Chance, wieder auf die Beine zu kommen?
Der Ball liegt nun eindeutig bei den Griechen. Sie müssen die versprochenen Reformen durchziehen, privatisieren und Steuerhinterzieher jagen. Euroländer und EU-Kommission helfen der maroden und kaum wettbewerbsfähigen griechischen Wirtschaft mit einer Art Mini-"Marshall-Plan". Wachstum und Investitionen sollen gefördert werden. Dazu gehört auch, dass EU-Gelder künftig beschleunigt ausgezahlt werden.

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