"Zum Tanken brauch i ka Internet"

Lisa Wagner tankt ihren Wagen immer dort, wo es sich gerade ergibt
Foto: Franz Gruber

Mit einer Woche Verspätung ging die Spritpreis-Website am Montag online. Auf Interesse stößt sie jedoch kaum.

Der erste Andrang war zu viel. Mehr als 5000 Aufrufe pro Sekunde legten vergangenen Montag die groß angekündigte Website der Regulierungsbehörde E-Control lahm. Wer auf www.spritpreisrechner.at die aktuellen Preise für Benzin und Diesel sehen wollte, bekam nur ein Baustellensymbol zu sehen. Eine Woche später ging die Datenbank endlich online. Endlich? Überraschend vielen Autofahrern ist die Datenbank schlichtweg egal. "Ich würde schon nachsehen, wenn ich die Zeit dazu hätte", sagt Christine Koska. Die Mutter ist mit ihrer Tochter auf dem Weg ins Freibad, zuvor wird noch bei Leodiskont Benzin nachgefüllt. "Ich tanke oft hier, denn die Tankstelle ist immer billig. Um das zu wissen, brauch' i ka Internet."

Mit 1,332 Euro pro Liter Benzin am Montagvormittag gehört die Tankstelle Leodiskont in Wien-Neubau tatsächlich zu den günstigsten der Stadt. Doch auf www.spritpreisrechner.at ist sie nicht zu finden. "Ich habe die Preise schon an den ÖAMTC geschickt", sagt Tankwart Lulezim Nikollbibaj. Von der neuen Spritpreis-Datenbank der E-Control Austria hat er noch nichts gehört, folglich auch keine Preise eingegeben, Gesetz hin oder her.

Probleme

Lisa Wagner tankt ihren Wagen immer dort, wo es sich gerade ergibt Foto: Franz Gruber Lisa Wagner tankt ihren Wagen immer dort, wo es sich gerade ergibt

Neu ist die Idee des Spritvergleichs im Internet nicht. Die Autofahrerklubs ÖAMTC und ARBÖ haben schon seit knapp 10 Jahren Spritpreis-Datenbanken auf ihren Homepages. Im Gegensatz zur Website der E-Control funktioniert auch die Suche problemlos, am Montagnachmittag hatte die eben erst online gegangene Website zudem wieder mit Ausfällen zu kämpfen. Eine Handy-App, von der E-Control vollmundig angekündigt, ist beim ÖAMTC schon lange Realität. "Allerdings beruhen die Daten der Klubs auf freiwilligen Meldungen der Autofahrer oder der Tankstellenbetreiber", erklärt ÖAMTC-Experte Martin Grasslober. "Die gesetzliche Meldepflicht der Spritpreise ist daher gut." Man sei auch in Gesprächen mit der E-Control, ebenfalls auf diese Daten zugreifen zu dürfen. Auf Grundlage der ÖAMTC-Datenbank bietet auch KURIER.at einen Spritpreisvergleich an (siehe Link).

Triester Straße

1,334 Euro kostet das Benzin bei der Shell Tankstelle am Montagvormittag auf der Triester Straße - zu dem Zeitpunkt die günstigste Tankstelle auf der viel befahrenen Straße. Trotzdem ist sie in der Spritpreis-Datenbank nicht gelistet, da noch ein höherer Preis vom Morgen eingetragen ist. Tankkundin Lisa Wagner stört das nicht. "Ich tanke immer dort, wo es sich gerade ergibt und ich einen günstigen Preis sehe." Der Tankwart, Herr Petrovic, wischt noch die Windschutzscheibe ihres Wagens ab, dann geht es für Lisa und ihren Begleiter in den Süden. "Ein typischer Montag", sagt Petrovic. "70 Prozent unserer Kunden kommen regelmäßig vorbei, der Rest bleibt auf dem Weg aus der Stadt stehen. Ins Internet schaut von denen keiner."

Ins Internet hat Hannes Nimmerfall vor einer Woche geschaut, und dabei nur ein Baustellensymbol gesehen: "Funktioniert die jetzt?" Er wird sich die Website noch einmal ansehen, doch dem Konzept vertraut er nicht: "Da spart man sich 2 Euro, die man auf der Suche nach der günstigsten Tankstelle wieder verfährt. Noch dazu der Aufwand, immer nachzusehen." Für Sandel Tandea zählen hingegen andere Werte als Spritpreise. "Früher war ich immer bei der Shell", erzählt der gebürtige Rumäne. Jetzt tankt er bei der OMV. "Weil hier die Waschstraße am besten ist."

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(kurier) Erstellt am
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