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Wirtschaft
12/05/2011

Zu Tode gespart ist auch gestorben

Griechenland-Hilfe nützt nichts, verschärft stattdessen die Weltkrise.

von Peter Rabl

Griechenland ist abgebrannt. Je eher die europäische Politik diese zuletzt sogar vom griechischen Finanzminister erstellte Diagnose zur Kenntnis nimmt, desto besser die Therapie für die Griechen und vor allem für die Bewältigung einer fast unvermeidlichen neuen globalen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Viele Milliarden Hilfszusage der Europäer und des Internationalen Währungsfonds gegen drastische, ja brutale Sparprogramme der Griechen. So lautet seit eineinhalb Jahren der Grundsatz. Das absehbare Ergebnis ist dennoch die Pleite der Griechen. Zu Tode gespart ist dann auch gestorben.

Das Ergebnis der erzwungenen Sparprogramme ist im Land verheerend. Die Bürger sind am Rande der subjektiven Belastbarkeit und taumeln sichtbar in eine Art Bürgerkriegsstimmung. Irgendwie verständlich, wenn der Durchschnitts-Grieche im letzten Jahr auf eineinhalb bis zwei Monatsgehälter verzichten musste.

Gleichzeitig verschlechtern sich sämtliche relevanten wirtschaftlichen Kennzahlen. Die Rezession vertieft sich im dritten Jahr auf heuer minus 5 % Wachstum. Für 2012 ist die Fortsetzung des Negativtrends fix. In drei Jahren hat sich die Wirtschaftsleistung um mehr als 10 % reduziert. Das Budgetdefizit wird heuer zum zweiten Mal rund 10 % betragen, die Staatsverschuldung entsprechend weiter steigen. Und für ihre Staatsanleihen zahlen die Griechen schon mehr als 25 % Zinsen.

Was an wirksamer Eintreibung von vielen Milliarden Steuerschulden und ebenso hohen Einnahmen aus möglichen Privatisierungen möglich wäre und von den Europäern kurzfristig gefordert wird, scheitert an dafür völlig ungeeigneten staatlichen Strukturen.

Löschzug gegen Flächenbrand

Eine Ausweitung der Staatskrise auf Portugal oder gar Spanien und Italien und damit eine möglicherweise noch ärgere Krise des globalen Finanznetzwerks und der Weltwirtschaft als die eben erst überstandene sollte das Griechen-Programm verhindern.

Alle aktuellen Daten belegen, dass dies nicht gelungen ist. An den Börsen stürzen die Kurse auf das Niveau der letzten Krise. Die Banken misstrauen einander wieder und verweigern sich daher im üblichen Kreditfluss untereinander. Und die europäischen Banken stehen vor einem realen Risiko von 300 Milliarden Euro. Die Weltwirtschaft steht offenbar vor einer neuen Rezession.

Es erscheint daher unausweichlich, den Löschzug auf diesen drohenden Flächenbrand auszurichten. Jede Milliarde und jede Energie, die weiter in das chancenlose Griechenland-Programm investiert werden, fehlen für die Bewältigung des viel größeren europäischen Problems. Eine griechische Staatsinsolvenz bedeutet schwerste Belastungen für die europäische Finanzwirtschaft. Deren extrem teure und schwierige Bewältigung zu planen, ist ungleich wichtiger und wahrscheinlich billiger als die Fortsetzung der jetzigen Politik.
Diese Politik war eine Lebenslüge. Jetzt muss man sich auch bei uns den Realitäten stellen.

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