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© REUTERS/ARND WIEGMANN

Frankenschock
01/19/2015

Zu teuer: Schweiz-Urlauber stornieren ihre Buchungen

Tourismus-Verband bangt um Gäste – und hofft auf die Solidarität der Schweizer Landsleute.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Ein schwacher Trost, aber Österreichs Kreditnehmer sind mit ihrem Leid nicht allein. "Wir machen uns Sorgen", sagt Barbara Gisi, Direktorin des Schweizer Tourismusverbandes, zum KURIER.

Seit die Schweizerische Nationalbank SNB die Bindung des Franken an den Euro aufgegeben hat, ist das Hochpreisland schlagartig um ein weiteres Fünftel teurer geworden. Und somit für viele Urlauber unerschwinglich. Zumal die Schweiz keine Luxusdestination, sondern auf "gutes Mittelklasse-Publikum" angewiesen sei: "Uns erreichen aus allen Kantonen Meldungen, dass seit Donnerstag Hunderte Buchungen storniert wurden", klagt Gisi.

Doppelt bitter: Ein Urlaub in Österreich, Deutschland, Italien oder Frankreich wird nun für die Schweizer zum verlockenden Schnäppchen. Die Branchenvertreterin hofft nun auf die Solidarität ihrer Landsleute – sie machen etwa die Hälfte der gesamten Tourismus-Umsätze von knapp 35 Milliarden Franken aus.

Weniger Wachstum

Der Tourismus sei besonders betroffen, sagt Alois Bischofberger vom liberalen Think-tank Avenir Suisse. Kurzfristig bekämen auch exportlastige Branchen wie die Maschinen-, Metall- oder Uhrenindustrie die Frankenstärke schmerzhaft zu spüren. Auf längere Sicht verspricht sich der Ökonom sogar Vorteile: "Die Schweiz ist aus den Aufwertungswellen der 1970er- und 1990er-Jahre gestärkt hervorgegangen. Das zwingt die Firmen, effizienter zu werden, innovativ zu sein und Nischen zu suchen."

Dabei gibt es allerdings Grenzen, sagt Gisi. "Im Tourismus wird man nicht reich. Eine ungelernte Kraft verdient 1400 Franken; davon lebt es sich bei den hohen Lebenskosten nicht sehr gut." Wo könne da noch die Kostenschraube gedreht werden?

Sollte sich der Wechselkurs knapp über einem Franken pro Euro einpendeln, würde die Schweiz bis Ende 2016 ganze 1,5 bis 2 Prozentpunkte Wachstum verlieren, analysierten die Wirtschaftsforscher von BAK Basel. Die Arbeitslosenrate läge statt bei 3,1 bei (immer noch konkurrenzlosen) 3,8 Prozent.

Die BAK-Basel-Experten glauben nicht, dass der Euro-Kurs so bald zum früheren SNB-Schwellenwert zurückkehrt. Sollte die Griechenland-Krise hochkochen, könnte der Franken sogar noch um 15 Prozent aufwerten, glaubt Raiffeisen Research.

Deflationssorgen

Bedrohlich ist die Franken-Kraftmeierei, weil sie die Preise drückt. Dabei hatte die Schweiz zuletzt negative Teuerungsraten. "Das würde ich aber nicht Deflation nennen", sagt Bischofberger. Er sieht kein Signal, dass sich die Konsumenten bei Einkäufen zurückhalten. Im Gegenteil: Am Samstag gab es lange Schlangen – an den Grenzübergängen: Der Einkaufstourismus im Ausland und Schmuggel feiern fröhliche Urständ.

Niederösterreich hat noch kürzlich 300 Mio. Frankenanleihe begeben

Das Land Niederösterreich hat erst vor drei Monaten noch zwei Franken-Anleihen über zusammen 300 Mio. Euro Franken begeben, berichtet der Standard (Dienstagausgabe). Insgesamt soll das Frankenvolumen des Landes bei 900 Mio. Euro liegen. Laut Bericht solle es die erste Emission eines österreichischen Bundeslandes seit zwei Jahren gewesen sein.

Ein Sprecher des niederösterreichische Finanzlandesrates Wolfgang Sobotka (ÖVP) versicherte der Zeitung, dass es sich um keine Aufstockung des Kreditvolumens in Franken handle, sondern um eine Rollierung. Mit dem aufgenommenen Geld wurde dem Bericht zufolge ein Darlehen der Bundesfinanzierungsagentur zurückgezahlt, das auch in Franken war. Allerdings laufen die Bundesfinanzagentur-Finanzierungen in Franken bis 2016, schreibt der Standard.

Die Freigabe des Eurokurses durch die Schweizer Notenbank (SNB) und die damit verbundene drastische Aufwertung des Schweizer Franken auf eine Parität zum Euro hat in Österreich Frankenkredite deutlich verteuert.

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