Adidas vor Gericht unterlegen.

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Wirtschaft
03/13/2019

Zu große Nachfrage: Adidas lässt Kunden in USA warten

Dem Sportartikelhersteller gehen 2019 damit 200 bis 400 Millionen Euro durch die Lappen.

Adidas hat ein Luxusproblem. Der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller kann nicht so viel produzieren, wie die Kunden vor allem in den USA von seinen Trainingshosen und Shirts haben wollen. "Wir haben ein Lieferproblem, und wir sind darüber sehr unglücklich", räumte Vorstandschef Kasper Rorsted auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Herzogenaurach ein.

200 bis 400 Millionen Euro Umsatz gegen Adidas dadurch voraussichtlich 2019 durch die Lappen. Grund dafür sind Planungsfehler: Man habe nicht rasch genug auf die wachsende Nachfrage in Nordamerika im mittleren Preissegment reagiert, sagte Rorsted. Im Jänner hatte Adidas sich von dem für die Beschaffung zuständigen Vorstand Gil Steyaert getrennt. Konkurrenten wie Nike und Puma haben bisher nicht über Engpässe berichtet.

Abstriche beim Umsatz

In Nordamerika hatte Adidas den Umsatz im vergangenen Jahr um 15 Prozent gesteigert. Die Franken produzieren - wie fast alle Hersteller - mehr als 90 Prozent aller Sporttextilien in Asien, vor allem in Kambodscha, China und Vietnam. Mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China haben die Engpässe laut Rorsted nichts zu tun.

Adidas muss deshalb beim Umsatz in diesem Jahr Abstriche machen: Der Erlös soll 2019 wechselkursbereinigt nur um 5 bis 8 Prozent zulegen - und das wohl vorwiegend in der zweiten Jahreshälfte. Ohne die Nachschubprobleme wären ein bis zwei Prozentpunkte mehr drin gewesen. Der schleppende Start ins Jahr liegt aber auch am Europa-Geschäft, das 2018 nur auf der Stelle trat. "Das bedeutet, dass ein Drittel von Adidas nicht wächst", zeigte sich Rorsted unzufrieden. Er hatte den Vertrieb in Europa umgebaut und die Führung ausgetauscht. "Aber das braucht Zeit." Erst im Lauf dieses Jahres werde der Umsatz auf dem Heimatmarkt wieder anziehen. Die verhaltenen Aussichten drückten die Adidas-Aktie zeitweise um sechs Prozent auf 197,25 Euro.

Dank Zuwächsen in Nordamerika und Asien wuchs Adidas 2018 wechselkursbereinigt um acht Prozent auf 21,9 Mrd. Euro. Der Nettogewinn aus dem fortgeführten Geschäft - ohne die 2017 verkaufte Eishockey-Marke CCM - schnellte um 20 Prozent auf 1,7 Mrd. Euro. "Das war mit Abstand das beste Jahr in der Geschichte von Adidas", sagte Rorsted. Die Dividende soll auf 3,35 (2,60) Euro je Aktie steigen. Sie fällt damit höher aus als Analysten erwartet hatten.

Das Sorgenkind Reebok

Auch 2019 soll der Gewinn trotz aller Wachstumsschmerzen stärker anziehen als der Umsatz: um 10 bis 14 Prozent auf 1,88 bis 1,95 Mrd. Euro. Damit käme Adidas dem Ziel nahe, die Umsatzrendite bis 2020 auf 11,5 Prozent zu steigern. 2018 waren es 10,8 Prozent. Von den geplanten vier Milliarden Euro Online-Umsatz hat der Konzern allerdings erst die Hälfte erreicht, auch wenn das lukrative Direktgeschäft im vergangenen Jahr um 36 Prozent wuchs. Doch damit wachse Adidas langsamer als der Markt, räumte Rorsted ein.

Zum Gewinn beigetragen hat 2018 - erstmals seit "vielen Jahren", wie Rorsted sagte - das Sorgenkind Reebok. Viel sei es nicht gewesen, räumte der Adidas-Chef ein. Aber Reebok habe sich nicht zu schwarzen Zahlen gespart, vielmehr hätten sich Investitionen ausgezahlt. Damit habe sich das Ergebnis der Tochter seit 2016 - dem Jahr, in dem Rorsted zu Adidas kam und Reebok auf das Fitness-Geschäft ausrichtete - um 150 Mio. Euro verbessert. "Wir hatten Reebok nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt", sagte der Vorstandschef. Der Umsatz der US-Marke ging 2018 allerdings noch einmal um drei Prozent zurück.