Trafik

© Kurier / Franz Gruber

Wirtschaft
10/01/2020

Der Grenz-Tschick ist aus der Mode

Am Donnerstag werden Zigaretten wieder teurer. Die Corona-Pandemie hat aus manchen Trafikanten große Gewinner, aus anderen große Verlierer gemacht.

von Thomas Pressberger

„Die Leute sind wieder Österreich-näher geworden“, sagt Michael Franek. Er betreibt seit Jahren eine Trafik in Wien-Ottakring, prominenter Vorbesitzer war der ehemalige Rapid-Tormann Herbert Feurer. In Franeks Trafik kommen in letzter Zeit mehr Kunden als früher, denn sie fahren seit dem Lockdown seltener über die Grenze, um im Ausland günstiger Zigaretten zu erstehen.

Luxus in der Krise

Hamsterkäufe habe er in letzter Zeit keine mehr erlebt, es ihm gelungen, die Leute zu beruhigen: „Auch wenn es einmal kein Klopapier mehr gibt, Zigaretten wird es immer geben“, sagte er zu seinen Kunden. Der Griff zu billigeren Zigaretten blieb trotz Krise in den meisten Fällen aus. Im Gegenteil, die Menschen gönnen sich hin und wieder etwas: „Es wird eher etwas Teureres geraucht“, sagt Franek.

Doch leider läuft es derzeit nicht bei allen in der Branche so rund. „Den Trafikanten geht es sehr unterschiedlich, je nach Standort und Frequenz“, sagt Josef Prirschl, Obmann des Bundesgremiums der Tabaktrafikanten in der Wirtschaftskammer Österreich. Jene in Geschäftsvierteln oder touristischen Zonen würden zum Teil starke Rückgänge verzeichnen, jene in Wohngegenden und in bestimmten Grenzregionen würden unerwartete Zuwächse verbuchen.

Touristen fehlen

Schlecht läuft es zum Beispiel in der Wiener Innenstadt. „Die Touristen fehlen, und auch die Frequenz aus den Büros. Viele sind im Homeoffice“, sagt Prirschl.

In Bahnhöfen und Einkaufszentren würden die Trafikanten ebenfalls kämpfen. Die Mietkosten seien oft hoch und die Einkaufszentrenbetreiber würden in der Regeln Mietreduktionen nicht zustimmen. „Sie sind meist nur zu Stundungen bereit, doch das verschiebt nur das Problem nach hinten“, klagt der Obmann.

Die Folge sei, dass einige Trafiken ihre Öffnungszeiten reduziert oder gar temporär geschlossen hätten. Eine Schließungswelle habe es aber durch die Corona-Pandemie nicht gegeben, auch nicht während des Lockdowns. Jene, die in den vergangenen Monaten für immer zugesperrt hätten, denen sei es wohl auch vorher schon nicht mehr gut gegangen.

Verkehrte Welt

Verschieden ist auch die Situation in den Grenzregionen. Schweizer und Deutsche kauften wegen der günstigeren Preise Zigaretten gerne in Österreich. Trafikanten in Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Teilen Oberösterreichs hätten daher in den vergangenen Monaten gelitten.

Jene in Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark dagegen jubiliert. Dort gab es Zuwächse von 30 Prozent und mehr, weil die Österreicher nicht mehr in den billigeren Nachbarländern einkaufen konnten. „Da sieht man, was möglich wäre“, sagt Prirschl. Seine Forderung: Die erlaubte Importhöchstgrenze sollte wie in Frankreich von 800 Stück auf 200 herabgesetzt werden.

Prirschl hofft, dass sich das Leben bald normalisieren wird. Er geht trotz aller Widrigkeiten davon aus, dass die Tabakbranche heuer stabil bleibt. Die Zahl der Raucher gehe in Österreich zwar jährlich leicht zurück, die Zahl der Geschäfte habe sich aber im Wesentlichen stabilisiert. Die große Bereinigung habe die Branche schon hinter sich.

Laut Österreichischer Monopolverwaltung gibt es 5.291 Tabakgeschäfte.  Der Umsatz liegt bei rund fünf Milliarden Euro. Davon entfallen 3,2 Milliarden Euro  auf Tabakprodukte, wovon 2,5 Milliarden Euro Steuern an das Finanzministerium fließen.

Die restlichen 1,8 Milliarden Euro Umsatz entfallen auf Glücksspielprodukte und Zeitungen. Produkte wie Getränke oder Schokoriegel sind nur ein Nischengeschäft.

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