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12/04/2015

Zielpunkt-Pleite: So geht es mit Pfeiffer weiter

Nach dem Zielpunkt-Bankrott gibt Pfeiffer-Gruppe neue Zukunfts-Parole aus.

von Kid Möchel

Vier Tage nach dem 237 Millionen Euro schweren Konkursantrag ihrer Handelstochter Zielpunkt, die 2708 Mitarbeiter betrifft, gibt die Trauner Handelsgruppe Pfeiffer ihren übrigen 2200 Mitarbeitern eine neue Parole für die Zukunft aus. "Pfeiffer hat Zielpunkt verloren, aber nicht seine wirtschaftliche Gesundheit", heißt es in einem aktuellen Schreiben des Eigentümers Georg Pfeiffer und seiner beiden Co-Geschäftsführer Erich Schönleitner und Markus Böhm an die Mitarbeiter. "Unimarkt und Pfeiffer Großhandel sind kerngesunde Unternehmen. Wir stehen in der Stunde eins nach Zielpunkt und am Beginn eines neuen Abschnitts unserer Geschichte."

903,25 Millionen Euro weniger

Denn: Es fällt nicht nur der Zielpunkt-Umsatz (438,25 Millionen Euro) mit einem Schlag weg, sondern auch der Umsatz der Gastro-Sparte C+C Pfeiffer (465 Millionen Euro). Letztere wurde an den Schweizer Coop-Konzern (Transgourmet) "um gut 200 Millionen Euro" verkauft. Das Geld stehe aber erst ab Anfang 2016 zur Verfügung. "Dadurch könnte es - selbst wenn rechtlich möglich - kurzfristig nicht für Sanierungszwecke eingesetzt werden", so die Trauner Kaufleute.

Doch die C + C- Sparte war eigentlich die sogenannte Cashcow der Pfeiffer-Gruppe. Sie spielte jährlich rund zehn Millionen Euro Gewinn ein, wie bestätigt wird. "Der Gewinn aus dem Gastro-Handel lag auf dem von Ihnen angesprochenen Niveau", schreibt die Pfeiffer-Gruppe an den KURIER. "Die Unternehmerfamilie hat Gewinne immer im Unternehmen belassen und reinvestiert."

Pfeiffer-Gruppe in Zahlen

Doch der Konzern Pfeiffer Handels GmbH hat bzw. hatte auch hohe Schulden. In den Geschäftsjahren 2012/2013 und 2013/2014 (Stichtag ist der 28. Februar) standen jeweils rund 93 Millionen Euro Bankschulden in den Büchern. In der Bilanz 2013/2014 wird ein Umsatz in Höhe von 772,3 Millionen Euro ausgewiesen, das macht ein Plus von 7,23 Prozent, sowie Gesamtverbindlichkeiten in Höhe von 182,3 Millionen Euro. Davon entfielen 69,5 Millionen Euro auf Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Und insgesamt 22,1 Millionen Euro auf eine Patronatserklärung und Bürgschaften.

Die Konzern musste die Bilanz 2013/2014 laut Firmenbuch offenbar berichtigen. Der Bilanzgewinn wurde von 7,237 Millionen Euro auf 7,180 Millionen Euro korrigiert. Andererseits wurden in beiden Geschäftsjahren Gewinnrücklagen von jeweils 47,765 Millionen Euro ausgewiesen.

Generell gehen Branchenkenner aber davon aus, dass aus dem hohen Verkaufserlös der C+C-Sparte ein erheblicher Teil an die finanzierenden Kreditinstitute fließen wird.

Überbrückungskredit

Zugleich sollten 40 Millionen Euro aus dem Verkauf in die Schweiz eigentlich in die Zielpunkt-Kette gepumpt werden. Doch durch die "negative Fortbestandsprognose" von Zielpunkt wurde das Unterfangen überflüssig. Der Betrag wäre auch deutlich zu wenig für die Rettung gewesen, meint man bei Pfeiffer.

Fakt ist auch: Im Februar 2016 läuft ein Überbrückungskredit aus, den die Banken der Trauner Gruppe gewährten. Dazu teilt Pfeiffer dem KURIER mit: "Wir sind in enger Abstimmung mit unseren finanzierenden Banken und erwarten, dass die Finanzierung der verbleibenden Unternehmensteile ohne Probleme verlaufen wird. Unimarkt hatte bereits vor dem Zielpunkt-Engagement eine eigenständige Finanzierungs-Struktur und diese wird nun auch beibehalten."

Die Unimärkte

In der Bilanz der Unimarkt HandelsgmbH & Co KG für das Geschäftsjahr 2013/14 wird der Umsatz mit 210,33 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 152,11 Millionen Euro auf Eigenfilialen und 58,18 Millionen Euro auf Franchisefilialen. Insgesamt wurde in diesem Geschäftsjahr 1392 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) betrug minus 1,227 Millionen Euro und der Jahresverlust 1,41 Millionen Euro. Die Bankschulden betragen rund 4,1 Millionen Euro, die Lieferantenverbindlichkeiten 5,11 Millionen und die Schulden bei verbundenen Unternehmen 19,98 Millionen Euro.

Auch die Unimarkt GmbH Co & KG übernahm Bürgschaften in Höhe von 7,02 Millionen Euro für verbundene Unternehmen. Insgesamt 17 neue Filialen wurden eröffnet, darunter waren 14 Zielpunkt-Standorte, die zu Unimärkten umgebaut wurden.

"Diese Standorte wurden im Zeitraum März bis Anfang Dezember zu vollwertigen Unimärkten umgebaut", heißt es im Lagebericht. "Diese Maßnahmen haben zum diesjährigen Verlust geführt." Mit Stand März 2014 gibt es 131 Unimärkte.

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