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Lebensmittelhandel
06/15/2016

Zielpunkt-Pleite: Gewerkschaft kritisiert Unimarkt-Deal

Die frühere Zielpunkt-Mutter Pfeiffer übernimmt mit Tochter Unimarkt frühere Zielpunkt-Märkte.

von Kid Möchel

Ende November 2015 schickte die oberösterreichische Lebensmittelhandels-Gruppe Pfeiffer (Unimarkt, Nah & Frisch) ihre Diskontsparte Zielpunkt zur Überraschung der Branche mit Sack und Pack in die Insolvenz. Mit der Begründung: Die weitere Finanzierung konnte nicht mehr sichergestellt werden. Mehr als 2500 Arbeitsplätze in rund 220 Filialen waren von der Pleite betroffen. An die 125 Millionen Euro Forderungen haben die Gläubiger im Konkursverfahren angemeldet, rund 80 Millionen Euro hat der Masseverwalter bisher auch anerkannt. Seit der Pleite beobachtet die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) mit viel Argwohn die Aktivitäten des Familienunternehmens. Denn: Es wurde offenbar rund um den Zielpunkt-Konkurs viel Porzellan zerschlagen. Die GPA-Führung sprach sogar von einem Pleite-Masterplan der Pfeiffer-Gruppe, die dementierte heftig.

Heute, Mittwoch, eröffnet Pfeiffer einen Unimarkt in einer ehemaligen Zielpunkt-Filiale in St. Michael bei Güssing. Vorige Woche wurde bereits eine Ex-Filiale in Großpetersdorf, Burgenland, als Unimarkt neu eröffnet. Anfang August kommt ein Standort in Stegersbach dazu.

"Für mich ist das moralisch verwerflich, dass die Firma Pfeiffer Zielpunkt in Konkurs schickte und dann ohne Altlasten neue Märkte eröffnet", sagt Michael Pieber, GPA-Geschäftsführer im Burgenland, zum KURIER. "Viele Zielpunkt-Mitarbeiter haben vor der Insolvenz enorm viele Überstunden geleistet. Diese werden vom Insolvenzentgeltfonds IEF nicht abgegolten, weil die hohe Anzahl den gesetzlichen Rahmen sprengt." Detail am Rande: Der IEF muss wahrscheinlich am Ende des Tages rund 30 Millionen Euro für Gehalts- und Abfertigungsansprüche der Zielpunkt-Mitarbeiter zahlen. Detail am Rande: Der IEF wird wie andere Gläubiger auch nur die Quote erhalten, die der Masseverwalter aus den Einnahmen und Erlösen ausschütten kann.

Viele ohne Job

Fast 1000 frühere Zielpunkt-Mitarbeiter haben bis heute keinen neuen Job. Für 100 burgenländische Zielpunkt-Mitarbeiter bastelt Pieber derzeit mit dem Land und dem AMS an einer Insolvenzstiftung.

Indes wurden 1200 Jobs von Spar, Rewe, Hofer und anderen Filialisten gerettet. Sie haben 100 Zielpunkt-Standorte übernommen. "Bei Unimarkt fangen die früheren Zielpunkt-Mitarbeiter jetzt mit dem niedrigsten Gehalt an", behauptet Pieber. Nach Informationen des Gewerkschafters sollen die neuen Unimarkt-Mitarbeiter nur für 10 bis 15 Wochen-Stunden angestellt werden. Außerdem vermutet er, dass diese Mitarbeiter noch keine Verträge hätten.

"Soziales Unternehmen"

Bei der Pfeiffer-Tochter Unimarkt versteht man die Aufregung überhaupt nicht. "Diese drei Standorte passen in unser Portfolio. Wir nehmen in dieser schwierigen Phase Geld in die Hand und schaffen rund 45 Arbeitsplätze", sagt Unimarkt-Geschäftsführer Andreas Haider zum KURIER. "Unser Unternehmen ist sehr sozial. Wir haben nur eine Mitarbeiter-Fluktuation von 20 Prozent, das ist für den Handel sensationell. Wir setzen auf unsere Mitarbeiter." Die neuen Mitarbeiter werden laut Haider 80 Stunden bis 167 Stunden (Vollzeit) im Monat beschäftigt werden, und sie erhalten auch die üblichen Unimarkt-Verträge. "In St. Michael gibt es keine geringfügig Beschäftigten", sagt Haider, der schon 26 Jahre bei Unimarkt tätig ist.

Der Standort Großpetersdorf gehört jener Immobilien-Firma der Pfeiffer-Gruppe, die im Mai 2015 etwa 68 Zielpunkt-Standorte um 38 Millionen Euro übernommen hat. Die beiden anderen Standorte seien in der "Masse übriggeblieben", sprich es fand sich kein externer Interessent. Daher griff Unimarkt zu. Die burgenländischen Unimarkt-Mitarbeiter werden laut Haider bereits seit Mai beschäftigt. Und Unimarkt habe schon 35.000 Euro im Mai für diese neuen Dienstnehmer ausgegeben. Die Pfeiffer-Tochter Unimarkt betreibt mit 1370 Mitarbeitern 83 Filialen in Eigenregie, weitere 45 Unimärkte sind Franchise-Standorte. In Traun und Graz werden Zentrallager unterhalten.

Der Insolvenzentgeltfonds

„Die Einnahmen des IEF setzen sich aus dem Insolvenz-Entgelt-Sicherungs-Zuschlag, den Zuflüssen aus der Gebarung Arbeitsmarktpolitik und den Quoten-Rückflüssen aus den übergegangenen Forderungen zusammen. Zinsen aus Veranlagungen ergänzen die Einnahmen“, heißt es auf der IEF-Homepage. „Den größten Teil der Finanzen des IEF machen die Beiträge der Arbeitgeber aus. Dabei handelt es sich um einen prozentuellen Zuschlag zum Arbeitslosenversicherungsbeitrag, sprich den Insolvenz-Entgeltsicherungsbeitrag (IESG-Beitrag). Die Höhe dieses Zuschlages beträgt seit 1. Jänner 2016 beträgt 0,35 Prozent.

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